Die geplante Übernahme des Reifenrecycling-Werks von Estato Umweltservice ist laut Genan-Management Teil der Strategie, die Marktpräsenz in Europa zu stärken und Zugang zum wachsenden mittel- und osteuropäischen Markt für recycelte Rohstoffe aus Altreifen zu erschließen. Genan startete 1990 die industrielle Aufbereitung von Altreifen mit dem ersten Recyclingwerk in Dänemark. In den 2000er-Jahren vergrößerte das Recyclingunternehmen seine Präsenz durch den Bau von Werken in Oranienburg, Dorsten und Kammlach 2010. Eine der weltweit größten Fabriken für Altreifenrecycling errichtete Genan 2014 in Houston/Texas. Auch eine Produktion in Portugal zählt seit 2019 zum Genan-Netzwerk. Mit dem Erwerb des Estato-Werks erweitert sich nun die Präsenz im Südosten Deutschlands.
Genan recycelt in seinen Fabriken eigenen Angaben zufolge 400.000 Tonnen Reifen pro Jahr. Die jährliche Kapazität im Estato-Werk liegt bei rund 45.000 Tonnen Altreifen. Parallel zum Kaufvertrag wurde zwischen den Parteien eine langfristige Kooperationsvereinbarung über die fortgesetzte Lieferung von Altreifen an die Anlage geschlossen. „Genan hat sich in den letzten zehn Jahren positiv entwickelt – und insbesondere in den letzten drei Jahren bewiesen, dass die Recyclingbranche auch wirtschaftlich tragfähig ist. Nun sind wir bereit, die nächsten Schritte zu gehen, und die Übernahme in Deutschland steht im Einklang mit unserer Strategie, uns auf die Bereiche zu konzentrieren, in denen wir das größte langfristige Potenzial sehen. Mit der Übernahme stärken wir sowohl unsere Marktpräsenz als auch unseren Zugang zu einigen sehr attraktiven Märkten in Mittel- und Osteuropa. Gleichzeitig sichern wir uns den Zugang zu erheblichen Mengen an Altreifen durch den Abschluss einer langfristigen Partnerschaft mit einem starken Partner wie ATU“, erklärt Poul Steen Rasmussen, Group CEO von Genan Holding A/S.
Sebastian Jarantowski, CEO der ATU Group, erläutert den Rückzug aus dem Recyclinggeschäft: „Mit Genan haben wir einen Partner gefunden, der sowohl industrielle Kapazitäten als auch technologisches Know-how und ein klares, langfristiges Engagement für die nachhaltige Reifenverwertung bietet. Wir sind überzeugt, dass diese Transaktion hervorragende Perspektiven für das Werk in Weiden, seine Mitarbeiter und die weitere Entwicklung innovativer Verwertungslösungen in Europa mit sich bringen wird. Gleichzeitig freuen wir uns darauf, eine neue Zusammenarbeit mit Genan im Rahmen einer langfristigen Partnerschaft zu beginnen.“ Laut Poul Steen Rasmussen ist die Übernahme ein Zeichen dafür, dass die europäische Recyclingbranche in eine neue Phase eintritt, die von Konsolidierung, Industrialisierung und einem zunehmenden Fokus auf die Kreislaufwirtschaft geprägt ist: „Es gibt einen zunehmenden politischen Fokus auf die Sammlung und Sortierung von Abfällen. Der nächste große Schritt wird darin bestehen, eine noch bessere Verwertung der recycelten Rohstoffe sicherzustellen. Dies ist nur möglich, wenn die beteiligten Parteien in Produktionstechnologien investieren, die eine hohe Qualität und Gleichmäßigkeit der recycelten Rohstoffe gewährleisten. Hier spielen Unternehmen wie Genan eine wichtige Rolle, da wir Abfall im industriellen Maßstab in wertvolle Ressourcen umwandeln können. Dies wird im kommenden Jahrzehnt ein enormes Wachstumsfeld sein“, betont er.
Für ATU wird Genan künftig alle Reifen recyceln, die in Weiden und in Werl gesammelt werden und die sich nicht für die direkte Wiederverwendung eignen. Genan-CEO Rasmussen kündigt im Zuge der Übernahme eine umfassende Modernisierung des Werks an. Hierfür werde im Laufe des kommenden Jahres ein zweistelliger Investitionsbetrag eingesetzt. Das Ziel sei es, auf dem bestehenden Werksgelände eine neue, hochtechnologische Produktionsanlage zu errichten: „In Europa gibt es eine große Anzahl älterer Fabriken mit erheblichem Entwicklungspotenzial. Hier können wir unsere modernste Technologie und unser Know-how im Bereich der Industrialisierung einbringen. Wir verfügen über umfangreiche Erfahrung mit solchen Umstrukturierungen – unter anderem durch unsere Übernahme in Portugal vor einigen Jahren, bei der wir sowohl die Kapazität als auch die Technologie, die Effizienz und die Umweltbilanz einer bestehenden Anlage verbessert haben. Genau diesem Modell werden wir nun auch in Weiden folgen“, so Poul Steen Rasmussen.