Reifenlager24 im Porträt

„Reifen sind immer schwere Arbeit. Da kannst du nichts erleichtern.”

Reifenlager24Tausende Radsätze türmen sich in den Hallen am Reifenlager24-Standort in Osterweddingen.  Foto: Kevin Schmidt

Eine kleine Scheune als Lager, keine Reifenwaschanlage, Kundenakquise per Brief – so ging es los im Jahr 2005. Zahlreiche Autohäuser habe man kontaktiert, der Kundenstamm wuchs recht schnell. „Ab 2007 ging das dann richtig los“, erzählt Heiko Balke. „Die ersten Hallen wurden dann mit der Zeit zu klein, weil wir permanent Akquise gemacht haben.“ Nun ist Reifenlager24 an zwei Standorten aktiv, in Braunschweig und Osterweddingen, nahe Magdeburg. Letzterer kam 2018 dazu. „Die Halle ist aber nicht isoliert, deshalb haben wir die für einen relativ günstigen Preis erstanden. Wir wollen das Lager aber noch umhüllen, damit es im Winter nicht immer so kalt ist“, so Balke. Künftig soll Osterweddingen der Fokus sein. Hier türmen sich die Reifen eng an eng innerhalb der Regale der über neun Meter hohen Hallen. Zurzeit liegen hier über 12.000 Radsätze. Bald werden es 13.000, wenn einige aus Braunschweig hierher umziehen. Langfristig sollen insgesamt 18.000 Radsätze am Standort Osterweddingen unterkommen. Technisch sei dieser sowieso besser ausgestattet als das Pendant in Braunschweig, vor allem die Reifenwaschanlage sei moderner. „Das Ziel ist, Braunschweig komplett dichtzumachen und in Magdeburg alles zentral zu haben. In Braunschweig bekommst du außerdem keine Immobilien. Diejenigen, die da sind, sind einfach zu teuer“, erklärt der Geschäftsführer.

Heiko Balke, Reifenlager24
Vor seiner Zeit bei Reifenlager24 war Co-Geschäftsführer Heiko Balke unter anderem als Kundendienstberater bei einer japanischen Automarke tätig. Foto: Kevin Schmidt

„Ab, dran, festziehen.“

Das Hauptgeschäft von Reifenlager24 liegt in der Verarbeitung der Kundenräder von zurzeit rund 60 Autohäusern. Der Prozess ist dabei immer derselbe: „Wir holen die Räder von den Autohäusern ab und untersuchen sie zunächst auf Schäden, Verschleiß und Profiltiefe. Dann werden sie von allen Seiten fotografiert“, so Heiko Balke. Die daraus entstehenden Daten würden den Autohäusern anschließend zur Verfügung gestellt. Bevor die Reifen in die Regale wandern, rollen sie noch durch die Reifenwaschanlage. Und sobald die Reifen von den Autohäusern angefordert werden, werden sie entsprechend wieder zusammengestellt und ausgeliefert. Neben den Autohäusern gebe es auch noch rund 200 Privatkunden, die sich vor Ort die Reifen wechseln lassen. „Der Ablauf ist immer der gleiche. Ab, dran, festziehen. Einen Tag vorher werden sie vorbereitet, damit da nicht noch irgendwelche Wartezeiten anstehen.“

Jeder Reifensatz wird vor der Einlagerung auf Schäden inspiziert und in der Reifenwaschanlage gereinigt. Foto: Kevin Schmidt

Auch die Reifenberatung gehört zum Portfolio des Unternehmens. Dafür gibt es im Büro einen separaten Arbeitsplatz. Beim Bestellprozess setzt der Betrieb auf Alzura Tyre24. „Das ist unser einziger Partner, bei dem wir die Reifen bestellen. Da haben wir kein zweites System, weil es relativ gut funktioniert und weil es günstig ist.“ Einige Privatkunden würden zudem über reifen-vor-ort.de auf Reifenlager24 aufmerksam werden. „Da kannst du deine Postleitzahl eingeben und dann werden dir verschiedene Händler angezeigt“, erklärt Balke. Doch so reibungslos der Service für die Bestandskunden auch läuft: Das Radgeschäft ist volatiler geworden.

Weniger Reifen, aber keine Sorge

Seit 2022 sei die Zahl eingelagerter Reifen etwas zurückgegangen. Zum einen sei der Rückgang dem Trend hin zu Ganzjahresreifen bei Privatkunden geschuldet. „Die wollen sich die Arbeit sparen, zweimal im Jahr hierherzukommen“, so Balke. Das sei aber nicht der ausschlaggebende Punkt: „Den Privatkunden ist die Einlagerung zu teuer geworden. Die nehmen die Räder mit nach Hause.“ Zudem würden einige wenige seiner ehemaligen Autohaus-Kunden die Reifen mittlerweile selbst lagern. Grundsätzlich bleibt der Co-Geschäftsführer aber optimistisch: „Das Reifengeschäft wird immer laufen. Alle Autos brauchen Reifen. E-Auto-Reifen und auch Allwetterreifen verschleißen zudem viel schneller. Wegen der SUVs und E-Autos werden die Reifen auch immer schwerer, was die Einlagerung erschwert. Da mache ich mir keine Sorgen.“

Reifenlager24
Reifen verschiedenster Größen und Profile lagern in den Regalen des Reifenlagers. Foto: Kevin Schmidt

Analog im digitalen Zeitalter

Um heutzutage auf sich aufmerksam zu machen, ist für viele Betriebe Social Media das Maß der Dinge. Bei Reifenlager24 geht es hingegen noch recht analog zu. Eine eigene Kundenakquise gebe es mittlerweile gar nicht mehr. Das laufe maßgeblich über Mundpropaganda. Ansonsten ist die Zeitung das Medium der Wahl. Auch regionale Anzeigenblätter seien wichtig. Man habe auch schon auf Kalendern geworben. Online geht es eher gemäßigt zu. Neben der eigenen Website betreibt das Unternehmen seit 2020 einen Instagram-Kanal, der jedoch nur rudimentär gepflegt wird. Content ist entsprechend wenig vorhanden. Zuletzt kam allerdings ein professionell gedrehtes Video hinzu. Zurzeit zählt die Präsenz 268 Follower. Viel verspricht sich Balke aber ohnehin nicht von dem Kanal: „Bei Instagram müssen wir vielleicht mal die jungen Leute mit heranholen. Die haben mehr Ahnung und Interesse daran. Aber Instagram hat uns bisher auch keinen Kunden mehr eingebracht.” Im Zeitalter des sogenannten Fachkräftemangels ist für viele Betriebe Social Media zudem ein Mittel, um junges Personal anzuwerben. Für Balke ist allerdings nicht das Medium das Problem.

„Wir müssen uns schon nach Nachwuchs umschauen.“

Zurzeit zählt der Betrieb 34 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 17 an beiden Standorten, die direkt im Reifenlager tätig sind. „Wir haben Stammpersonal, das teilweise seit 10 oder auch 15 Jahren hier ist. Die werden aber auch älter. Wir müssen uns schon nach Nachwuchs umschauen”, so Balke. Daher bildet Reifenlager24 auch aus, hauptsächlich Fachlageristen. Auch Speditionskaufleute könnten sie ausbilden. „Wir haben immer zwei Lehrlinge”, so der Geschäftsführer. Stellen schreibt der Betrieb aber nicht selbst aus. Auszubildende würden von der Agentur für Arbeit kommen. Diese hat sich bei ihm im Betrieb sogar eingemietet. Unweit der Tür zum Lager befindet sich ein kleines Büro. Dort ist die Agentur beratend tätig. „Die versorgen uns mit Auszubildenden“, sagt Balke. Es seien aber auch schon einige dabei gewesen, die die Lehre abgebrochen hätten. Dank des Trends hin zu mehr SUVs und E-Autos wiegt manch ein Rad mit Felge mittlerweile bis zu 45 Kilo. „Reifen sind immer schwere Arbeit, da kannst du nichts erleichtern. Unsere Maschine hilft ein bisschen, um die Reifen zu den Regalen zu bringen. Aber du musst sie auch darauf packen und in die Regale wuchten“, erklärt der Geschäftsführer. Daher sucht er auch nach Wegen, das Team weiter zu entlasten. Er sei schon in Gesprächen mit Maschinenbauern, die ihm dabei helfen sollen, Betriebsabläufe weiter zu automatisieren. Außerdem will er das Geschäft mit den Autohäusern langfristig weiter ausbauen. Denn durch das Saisongeschäft, die zwei Stoßzeiten pro Jahr, und dank zunehmend automatisierter Technik im Betriebsablauf hätten Mitarbeiter Kapazitäten frei. „Die könnten in der Zeit Räder auswuchten und Reifen neu machen für die Autohäuser. Das ist unser nächstes Ziel. Die Wertschöpfung erhöhen“, so Balke. Auch könne er sich vorstellen, den Kundenstamm im Bereich der Gewerbekunden zu erweitern. „Hier gibt es ja Edeka in direkter Nähe, die haben aber ihren zentralen Reifendienstleister.“

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