Auf dem Gelände des Gastgebers und AZuR-Partners Kias Recycling GmbH in Oberösterreich diskutierten Ende Februar mehr als 70 Teilnehmende über aktuelle Aspekte rund um einen nachhaltigen Umgang mit dem Produkt Reifen. Wichtige Gedanken hierzu teilte Prof. Holger Hoppe von der TH Ingolstadt, der in seinem Vortrag zur Zukunft der Kreislaufwirtschaft aufzeigte, wie innovative Geschäftsmodelle, regulatorische Weichenstellungen und interdisziplinäre Zusammenarbeit die Transformation beschleunigen können. Daran anknüpfend gaben die drei AZuR-Projektgruppen Runderneuerung, mechanisches Recycling und chemisches Recycling einen Ausblick, welche Akzente sie im laufenden Jahr setzen wollen. Analog zu den vergangenen Jahren wurde dabei deutlich: Sichtbarkeit auf Messen und Branchentreffs, Austauschformate wie der „Runde Tisch NRW“ sowie politische Lobbyarbeit sind und bleiben eine Kernaufgabe für AZuR und alle Mitstreiterinnen und Mitstreiter.
Dabei geht es auch um die Gewinnung neuer Kooperationspartner und eine Erweiterung der Unterstützerbasis für die wichtigen Themen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Gelingen soll das unter anderem auf The Tire Cologne oder der IAA Transportation. Zu den Schwerpunkten der Projektgruppen führt AZuR weiter aus: „Im Bereich mechanisches Recycling stehen kommunale Ausschreibungen, Fachkongresse und Kooperationen im Fokus. Das chemische Recycling arbeitet an der Finalisierung von Masterbatch-Projekten, konkreten Produkteinsätzen sowie an Aufklärungsarbeit zur Abgrenzung von Pyrolyse und Verbrennung.” Netzwerkübegreifend bleiben zudem die fehlenden Altreifenmengen im Markt eine zentrale Herausforderung.
Durch Engagement und Sichtbarkeit zum „Recycling-Influencer“ werden
Konkrete Einblicke in die Arbeit eines Altreifenrecyclers erhielten die AZuR-Partner dann bei der Kias Recycling GmbH, die die einzige derartige Anlage in Österreich betreibt. Netzwerk-Koordinatorin Christina Guth dankte dem Gastgeber für seine Offenheit und würdigte zugleich „dessen tolle Vorbereitung und Organisation”. Nicht nur deswegen zog Guth eine überaus positive Bilanz des inzwischen sechsten Partnertreffens der Initiative. Erfreut registrierte sie das „persönliche Engagement der Partner aus ganz Europa, frische Impulse aus Fachvorträgen und lebhafte Diskussionen, aus denen spannende Ideen für den zukunftsweisenden Ausbau der Reifen-Kreislaufwirtschaft resultierten.“ Chancen für ihre Arbeit sehen die AZuR-Partner unter anderem durch den digitalen EU-Produktpass sowie Verordnungen bezüglich End-of-Life-Vehicles und der Abfallverbringung, während Berichtspflichten und die wirtschaftliche Situation nach wie vor als klare Hemmnisse identifiziert werden. Als Ansatzpunkte für sich und ihre Mitglieder sieht die Allianz Zukunft Reifen daher unter anderem die Bereiche Reifen-Erfassung und Qualitätsstandards, um durch zielgerichtetes Wirken zum „Recycling-Influencer“ zu werden. Diesen Weg gehen künftig auch die vier Neupartner Matteco, Granuband B.V., Gata Pyrolysis und InnoZent OWL e.V. mit, die sich kürzlich dem Netzwerk angeschlossen haben. Mit ihrer Expertise in den Feldern Recyclingrohstoffe (Matteco), Alteifenverwertung (Granuband), Pyrolyse (Gata) und interdisziplinäre Vernetzung (InnoZent) bereichen die Akteure die Arbeit von AZuR.
„Das sechste AZuR-Partnertreffen hat gezeigt, dass die Allianz Zukunft Reifen als interdisziplinäres Netzwerk aus Industrie, Handel und Wissenschaft entscheidende Impulse für eine nachhaltige Reifen-Kreislaufwirtschaft setzt. Reparatur, Nachprofilierung, Runderneuerung sowie mechanische und chemische Verwertung sind keine isolierten Einzellösungen, sondern Bausteine einer ganzheitlichen Circular Economy. Ziel bleibt es, möglichst 100 Prozent der Reifen im Kreislauf zu halten, Abfälle und CO₂-Emissionen deutlich zu reduzieren und wertvolle Rohstoffe langfristig zu sichern”, so das abschließende Fazit der Verantwortlichen.