ContiTech verstärkt Recycling-Aktivitäten

Rückgewinnung von Rohstoffen aus Gummiabfällen

Continental_pyrolyseIllustriert: Die Thermische Pyrolyse und chemische Oxidation.  Foto: Continental

Niemand weiß zum aktuellen Zeitpunkt so recht, was aus dem Unternehmensbereich ContiTech zukünftig wird. Im Juni bestätigte das Konzern-Management den angestrebten Verkauf der Geschäftssparte. Mit der Mitteilung der Inbetriebnahme einer neu entwickelten Pilotanlage für die Herstellung von aufgereinigtem Pyrolyseöl meldet sich ContiTech ausnahmsweise mal mit einer Info der positiven Art. Über das Verfahren zur Gewinnung von Pyrolyseöl berichteten wir bereits vielfach. Auf die Rückgewinnung hochwertiger Rohstoffe aus Altgummi in industrieller Form setzt nun auch ContiTech und greift dafür auf die Kompetenzen des britischen Start-ups LowSulphurFuels zurück. Basis ist ein thermisches Verfahren, bei dem Gummiabfälle zurück in ihre chemischen Grundbestandteile zerlegt werden. Dabei entsteht unter anderem ein hochwertiges Öl, das in seiner Qualität mit fossilem Rohöl vergleichbar ist und künftig als Basis für neue Gummi- und Kunststoffprodukte dienen kann. 

„Mit dieser Technologie schließen wir eine entscheidende Lücke in der Materialkreislaufwirtschaft: Wir gewinnen aus Gummiabfällen hochwertige Rohstoffe zurück, die wir dem gesamten chemischen Stoffkreislauf wieder zurückführen können, um neue Produkte ohne Einsatz von Rohöl entstehen zu lassen. Damit zeigen wir, wie Innovation zur treibenden Kraft für nachhaltige Industrieprozesse wird – und wie ein bisher unerschlossener Rohstoffkreislauf wirtschaftlich nutzbar gemacht werden kann“, schwärmt Dr. Michael Hofmann, Chief Technology Officer bei ContiTech. Komplexe Gummiprodukte wie Lebensmittelschläuche oder Gummi-Metall-Verbindungen mit vielfältigen Additiven und komplexem Materialschichtaufbau stellen bislang eine große Herausforderung für das Recycling dar. Die Materialexpertinnen und -experten von ContiTech sehen im gereinigten Pyrolyseöl eine vielversprechende Lösung, um künftig auch solche Produktgruppen in den Materialkreislauf zurückzuführen.

Das Recycling von Gummi stellt die Industrie seit jeher vor große Herausforderungen. Nach Vulkanisation verändert sich die chemische Struktur des Materials dauerhaft. Die ursprünglichen Bestandteile wie Kautschuk, Ruß und Additive lassen sich nicht mehr einfach voneinander trennen. Die Pyrolyse bietet einen alternativen Ansatz: Durch kontrolliertes Erhitzen in einer sauerstoffarmen Umgebung wird das Material thermisch in seine Grundbestandteile zerlegt. Dabei entstehen unter anderem ein gasförmiger Energieträger, rückgewonnener Industrieruß und ein hochwertiges Öl, das in seiner Zusammensetzung fossilem Rohöl ähnelt. Besonders letzteres birgt großes Potenzial für die Wiederverwendung in der Gummi- und Kunststoffproduktion. Dass die Pyrolyse im Gummirecycling bislang kaum Anwendung fand, liegt vor allem an der Komplexität der Verfahren und den hohen Anforderungen an die Qualität der Rückgewinnungsprodukte. Erst durch technologische Fortschritte in der Aufbereitung – insbesondere bei der Reinigung des Pyrolyseöls, wie sie mit der neuen Anlage von ContiTech ermöglicht werden soll – wird der industrielle Einsatz laut den Verantwortlichen wirtschaftlich und technisch realisierbar. Mit dem Patentkauf und der Inbetriebnahme der ersten Techikums-Anlage will ContiTech nun einen entscheidenden Schritt gehen. 

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