Forschungsprojekt ReDriveS

Schaeffler startet Leuchtturmprojekt für zirkuläre E-Achsantriebe

Rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Konsortiums trafen sich zur offiziellen Auftaktveranstaltung im Januar 2026 am Schaeffler-Standort in Herzogenaurach.  Foto: Schaeffler AG

Der offizielle Projektauftakt fand am 12. und 13. Januar 2026 am Schaeffler-Standort Herzogenaurach statt, wo rund 80 Vertreterinnen und Vertreter des Konsortiums zusammenkamen. Im Kern adressiert ReDriveS eine Lücke, die in der Elektromobilität zunehmend strategisch wird: Während Batterierecycling inzwischen stark im Fokus steht, existieren für elektrische Achsantriebssysteme bislang kaum etablierte, herstellerübergreifende und wirtschaftlich tragfähige Kreislaufkonzepte. Genau hier soll ReDriveS ansetzen. Das Projektvolumen liegt bei über 25 Millionen Euro, davon entfallen mehr als 16 Millionen Euro auf Fördermittel. Die Laufzeit beträgt 36 Monate.

„Mit ReDriveS starten wir als Konsortialführer gemeinsam mit dem BMWE und starken Partnern ein Schlüsselprojekt für die Kreislaufwirtschaft in der Elektromobilität“, erklärt Prof. Dr. Tim Hosenfeldt, Leiter Zentrale Technologien der Schaeffler AG. „Unser Ziel ist es, elektrische Achsantriebe über digitale Zwillinge, automatisierte Demontage und hochwertiges Recycling deutlich ressourceneffizienter zu gestalten – und damit Rohstoffe sowie Lieferketten zu sichern, CO₂ zu senken und insgesamt den Standort Deutschland zu stärken.“ Der technologische Schwerpunkt liegt auf einer robotergeführten, zerstörungsfreien Demontage elektrischer Achsantriebe. Damit soll ein zirkulärer Materialfluss für wertvolle Werkstoffe möglich werden, der heute bei Achsantrieben so noch nicht stattfindet. Im Fokus stehen dabei Seltene Erden in Magneten (insbesondere NdFeB), aber auch strategisch relevante Materialien wie Kupfer, Aluminium, Stahl und elektronische Bauelemente. Das Demontagekonzept ist bewusst so angelegt, dass verschiedene Verwertungswege unterstützt werden – etwa die Reparatur des Achsantriebs, die Wiederverwendung von Teilkomponenten oder die Zerlegung bis auf Komponentenebene als Voraussetzung für ein hochwertiges Recycling. Dr. Matthias Buchert, Bereichsleiter, Ressourcen & Mobilität beim Öko-Institut, betont: „Die Separierung und das Recycling von Permanentmagneten über die ReDriveS-Prozesse ist essenziell für die Stärkung der Resilienz Deutschlands durch Reduzierung der Rohstoffanhängigkeit von Drittstaaten außerhalb der EU und für einen insgesamt geringeren ökologischen Fußabdruck.“

Ein wesentlicher Baustein soll zudem die Datennutzung werden: ReDriveS soll einen generischen digitalen Zwilling entwickeln, der Daten über den gesamten Lebenszyklus eines elektrischen Achsantriebs sammelt und verarbeitet. So soll künftig abhängig vom Zustand des Aggregats entschieden werden können, ob lediglich eine Zerlegung in Haupteinheiten oder eine tiefe Demontage bis hin zur Komponentenebene sinnvoll ist. Eine Bewertungsmatrix soll dafür Zustand und Geometrie berücksichtigen und ökonomische Demontageszenarien ableiten, die dann vom Demontageroboter umgesetzt werden. Schaeffler entwickelt hierzu einen Demonstrator, der physische Demontage und digitalen Zwilling verknüpft. Neben Technik und Recycling spielt auch der Blick auf künftige Geschäftsmodelle eine Rolle. Das Projekt will datenbasierte Ansätze rund um Achsantriebe entwickeln – etwa in Form von Services, Zustandsbewertung oder neuen Wertschöpfungsketten zwischen OEMs, Zulieferern und Recyclern. Der digitale Zwilling bildet dabei die Grundlage für ein digitales Ökosystem, das herstellerübergreifend nutzbar sein soll.

ReDriveS wird gemeinsam mit Partnern aus Industrie, Mittelstand und Wissenschaft umgesetzt. Zu den Beteiligten zählen neben der Schaeffler AG unter anderem AVL Software and Functions GmbH, Circu Li-Ion, EKS InTec GmbH, FEV, FFT Produktionssysteme, Fraunhofer IPA, Fraunhofer LBF, Hochschule Pforzheim, LPKF Laser & Electronics SE, Lehrstuhl FAPS der FAU Erlangen-Nürnberg, msg for automotive, Öko-Institut, Robert Bosch GmbH, The Battery Lifecycle Company GmbH (BLC), TU Bergakademie Freiberg, TU Clausthal - IEVB, TU Clausthal IGMR und die Volkswagen AG.

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