Regierung und Reifenhersteller suchen Lösung

Sinochem-Beteiligung an Pirelli sorgt weiter für Schlagzeilen  

Sinochem ist ein chinesischer Staatskonzern und aktuell der größte Einzelaktionär des Reifenherstellers Pirelli.   Foto: Timon - stock.adobe.com

Wie etwa die Financial Times schreibt, laufen aktuell Gespräche über verschiedene Optionen einer möglichen Reduzierung der Sinochem-Beteiligung an Pirelli. Der chinesische Staatskonzern hält gegenwärtig rund 37 Prozent der Pirelli-Anteile und ist damit der größte Einzelaktionär. Auf einer Sitzung im Frühjahr 2025 hatte der Pirelli-Verwaltungsrat bereits den Einfluss und die Kontrolle Sinochems begrenzt. Die Maßnahme erfolgte mit Blick auf die Pirelli-Geschäfte in den USA und die dortigen Vorgaben bezüglich chinesischer Unternehmen respektive Unternehmen mit chinesischer Beteiligung. Welche Auswirkungen derartige handelspolitischen Auseinandersetzungen zwischen China und den USA auf die Branche haben können, war im vergangenen Jahr auch am Beispiel des Chipherstellers Nexperia zu erleben.  

Zum aktuellen Geschehen bei Pirelli und Sinochem gibt es bislang von keiner der beiden Seiten eine offizielle Äußerung. Informationen der Financial Times zufolge hat jedoch zwischenzeitlich auch die US-Regierung bei der italienischen Regierung interveniert, um die Rolle von Sinochem bei Pirelli weiter einzuschränken. Dass die Beziehung zwischen Pirelli und dem Großaktionär nun nochmals stärker in den Fokus der Politik rückt, hat mit einer ab März gültigen Vorgabe der Trump-Administration zu tun. Diese ermöglicht ein Verbot der Nutzung von Hard- und Softwarekomponenten von Firmen mit chinesischer Staatsbeteiligung in Fahrzeugen für den US-Markt. Zugleich kann die italienische Regierung in besonderen Fällen in Unternehmen eingreifen, um einen Schutz italienischer Werte sicherzustellen. Eine Untersuchung gegen Sinochem wegen eines möglichen Verstoßes gegen diese sogenannten Golden-Power-Regelungen wurde bereits Ende 2024 eingeleitet.

Mit Blick auf die künftigen US-Vorgaben scheinen sowohl die Pirelli-Verantwortlichen als auch die italienische Regierung bemüht, noch vor der diesjährigen Hauptversammlung des Reifenherstellers am 12. Juni eine Lösung für die Causa Sinochem zu finden. Dass das nicht leicht werden könnte, zeigte sich zuletzt Anfang November 2025: Damals votierten die Sinochem-Vertreter im Pirelli-Verwaltungsrat als Reaktion auf die veränderte Rolle von Sinochem gegen die Annahme der Neunmonats-Bilanz und setzten damit ihre entsprechende Oppositionshaltung in dem Gremium weiter fort

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