Podcast-Episode zur Automechanika 2026

Spiegel und Treiber des Automotive Aftermarkets

Zur Automechanika 2024 kamen rund 108.000 internationale Fachbesucherinnen und -besucher.  Foto: Daniel Lorenz

„Die Automechanika ist als Marke weltweit mittlerweile ein Kosmos für sich“, sagt Olaf Mußhoff mit Blick auf die Historie. Gegründet 1971 in Frankfurt als Reaktion auf die abgesagte IAA, entwickelte sich die Messe rasch zur zentralen Plattform für Werkstätten, Ausrüster und Serviceanbieter. Schon früh wurde der internationale Charakter des Aftermarkets erkannt: „Auf der einen Seite ein sehr lokales Geschäft, auf der anderen Seite global geprägt.“ Die Konsequenz war die Internationalisierung – heute umfasst die Marke 16 Veranstaltungen weltweit. Der Themenblick der Automechanika 2026 in Frankfurt richtet sich klar nach vorn. Themen wie vernetzte Fahrzeuge, Elektromobilität und datengetriebene Geschäftsmodelle prägen die Konzeption der kommenden Ausgabe. Besonders im Fokus stehen sogenannte Software-Defined Vehicles. „Es gibt nichts Wichtigeres für Werkstätten, als sich mit der Zukunft auseinanderzusetzen“, betont Mußhoff. Formate wie „Hightech4Mobility“ sollen genau hier ansetzen und Orientierung bieten: Welche Rolle spielen Hersteller? Welche Chancen ergeben sich für den Independent Aftermarket?

Ein zentrales Spannungsfeld bleibt die Datenhoheit. Zwischen OEMs und freien Marktteilnehmern verlaufen klare Interessen-Linien, die zunehmend auch regulatorisch – etwa auf EU-Ebene – definiert werden. Die Automechanika versteht sich dabei bewusst als neutrale Plattform: „Alle Sichtweisen haben ihre Berechtigung“, sagt Mußhoff. Der Messe komme die Rolle zu, Dialog zu ermöglichen und Konflikte konstruktiv zu begleiten. Neben der fachlichen Tiefe setzt die Messe zunehmend auf emotionale Komponenten. „Eine Herausforderung ist es, neben dem rein Beruflichen auch emotionale Bedürfnisse zu befriedigen“, erklärt Mußhoff. Neue Formate und Begegnungsflächen sollen genau das leisten: persönliche Bindung, Austausch und Erlebnis. Die Mischung aus Business und Emotion sei entscheidend für die Relevanz moderner Fachmessen.

Auch die Internationalisierung folgt einer klaren Strategie. Frankfurt bleibt laut Olaf Mußhoff die globale Leitmesse, während andere Standorte regionale oder spezialisierte Märkte bedienen. Eine Kannibalisierung sieht Mußhoff nicht: „Wir sprechen unterschiedliche Zielgruppen an und schaffen Sichtbarkeit in relevanten Märkten.“ Für Aussteller wird die Teilnahme zunehmend zur strategischen Entscheidung. Sinkende Budgets treffen auf wachsende Anforderungen. Die Messe versteht sich hier als flexible Plattform: vom Markenauftritt etablierter Player bis zur Marktorientierung neuer Anbieter. „Jedes Unternehmen verfolgt seine eigene Strategie“, so Mußhoff.

Große Automobilzulieferer wie Bosch und Mahle nutzen die Automechanika als Ausstellungs- und Kommunikationsplattform. Foto: Kay Lehmkuhl

Langfristig wird sich der Aftermarket spürbar verändern. Elektromobilität reduziert die Teilevielfalt, gleichzeitig entstehen neue digitale Geschäftsmodelle. Dennoch erwartet Mußhoff keinen abrupten Bruch: „Es wird ein Nebeneinander verschiedener Lösungen geben.“ Selbst klassische Komponenten wie Reifen gewinnen im Kontext neuer Antriebe an Bedeutung. In zehn Jahren, so seine Prognose, wird die Automechanika datengetriebener und stärker auf Geschäftsmodelle ausgerichtet sein – ohne ihre Breite zu verlieren. Damit bleibe sie nicht nur Spiegel der Branche, sondern aktiver Treiber ihrer Zukunft.

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