Mit der zunehmenden Verbreitung der Elektromobilität gewinnt das Thema Batterierecycling als wichtiges Zukunftsfeld vermehrt an Bedeutung. Neben nachhaltigen und wirtschaftlichen Kriterien spielen dabei auch Bemühungen um mehr Rohstoff-Unabhängigkeit eine zentrale Rolle. Während die globale Nachfrage nach Materialien wie Lithium und Graphit – auch aufgrund der wachsenden industriellen Elektrifizierung – in den kommenden Jahren signifikant steigen dürfte, stammen gegenwärtig 99 Prozent des in Europa verarbeiteten Lithiums aus dem Ausland. Die weltweiten Graphitlieferungen werden zudem fast vollständig von China kontrolliert.
Dass das jedoch nicht so bleiben muss, haben zuletzt bereits verschiedene Akteure mit entsprechenden Projekten untermauert. So will etwa Mercedes-Benz Altbatterien „zur nachhaltigen Rohstoffmine von morgen” machen und setzt dafür seit Ende 2024 auf seine Recyclingfabrik in Kuppenheim. Auch das Start-up tozero bezeichnet Altbatterien als „oberirdische Minen“, die es im Sinne einer Kreislaufwirtschaft sowie einer größeren europäischen Souveränität in den Blick zu nehmen gilt. „Europa verfügt bislang nicht über die kritischen Rohstoffe, die es braucht, um seine Energiewende und Batterieindustrie aus eigener Kraft aufzubauen und zu skalieren“, beschreibt Sarah Fleischer, Mitgründerin und CEO von tozero, die Situation.
Mit dem Verfahren von tozero, das nun im Chemiepark Gendorf erstmals in industriellem Maßstab zum Einsatz kommt, wollen die Verantwortlichen das ändern. „Unsere Technologie ermöglicht es uns, Altbatterien zu recyceln und daraus erstmals im industriellen Maßstab hochreine Rohstoffe zurückzugewinnen. In weniger als vier Jahren hat tozero den Sprung von Laborexperimenten zum industriellen Betrieb geschafft. Damit zeigen wir, dass Batterierecycling weit mehr ist als ein Pilotprojekt – es ist eine reale, skalierbare Antwort auf Europas Bedarf an einer heimischen, zirkulären Versorgung mit kritischen Rohstoffen“, betont Fleischer. Der Prozess stehe zudem im Einklang mit dem EU-Gesetz über kritische Rohstoffe, wonach 25 Prozent der Versorgung aus Recyclingquellen gedeckt werden sollen.
Rückgewinnungsrate von 80 Prozent als Ziel
Die tozero-Technologie basiert auf einem proprietären, säurefreien hydrometallurgischen Verfahren. Dieses ermöglicht Unternehmensangaben zufolge die Rückgewinnung in einem einzigen Kreislauf, wobei die gewonnenen Materialien so rein sind, dass sie direkt wieder in die Produktion eingespeist werden können. In der während einer sechsmonatigen Bauphase errichteten Demoanlage können jährlich 1.500 Tonnen Batterieabfälle verarbeitet werden. tozero strebt eine Rückgewinnungsrate von 80 Prozent für kritische Materialien wie Lithium und Graphit an, die wiederum an Unternehmen in verschiedenen Sektoren – darunter Bauwesen und Schmierstoffe – geliefert werden. Darüber hinaus hat tozero nach eigener Aussage bereits erfolgreich nachgewiesen, dass sein recyceltes Lithium und Graphit gemeinsam mit führenden Kathoden- und Anodenherstellern für Lithium-Ionen-Batterien qualifiziert werden können.
Dabei bildet die Demonstrationsanlage die Blaupause für tozeros geplante kommerzielle Anlage im Vollmaßstab, die bis 2030 entstehen und die ersten tausend Tonnen Batterieabfälle pro Jahr verarbeiten soll. Dr. Ksenija Milicevic Neumann, Mitgründerin und CTO von tozero, führt aus: „Die Skalierung unserer Technologie vom Labor zur industriellen Produktion in so kurzer Zeit ist ein entscheidender Meilenstein für jeden Deep-Tech-Gründer und markiert den Übergang von Entwicklung zu realer Validierung im industriellen Maßstab. Es ist ein Meilenstein, auf den ich sehr stolz bin – insbesondere, wenn ich sehe, wie das Team diese Anlage zum Leben erweckt hat.“
Milicevic Neumann ist Expertin für Metallurgie und hat tozero im Jahr 2022 gemeinsam mit der Serienunternehmerin und Maschinenbauingenieurin Sarah Fleischer gegründet. Bereits 2024 konnte das Unternehmen laut eigener Aussage erstmals recyceltes Lithium an kommerzielle Kunden liefern. Seitdem wurden Pilotprojekte mit Akteuren wie BMW, MAN und weiteren Automobil-OEMs abgeschlossen. Heute arbeitet das Unternehmen mit Partnern in zehn europäischen Ländern zusammen und ist weiter um den Ausbau seiner Kapazitäten bemüht.