Symbio vor dem Aus?

Stellantis stellt Entwicklungsprogramm für Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie ein

Symbio FabrikDie Symbio-Fabrik war erst Ende 2023 in Frankreich eröffnet worden.  Foto: Stellantis

Die Stellantis-Entscheidung, sein Entwicklungsprogramm für Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie einzustellen, wurde den beteiligten Partnerfirmen bereits im Mai verkündet, traf die Symbio-Partner Michelin und Forvia jedoch unerwartet. Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit von Wasserstoff-Tankstelleninfrastruktur, hoher Kapitalanforderungen und der Notwendigkeit stärkerer Kaufanreize für Verbraucher erklärt Stellantis, dass man nicht davon ausgehe, dass sich leichte Nutzfahrzeuge mit Wasserstoffantrieb vor Ende des Jahrzehnts flächendeckend etablieren würden. Demzufolge habe man sich dazu entschieden, die „neue Palette wasserstoffbetriebener Pro-One-Fahrzeuge in diesem Jahr nicht mehr auf den Markt bringen“, wie es in einer Mitteilung des Konzerns heißt. „In einem Kontext, in dem das Unternehmen sich ausrichtet, um auf anspruchsvolle CO2-Vorschriften in Europa zu reagieren, hat Stellantis beschlossen, sein Entwicklungsprogramm für Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie einzustellen“, wird Jean-Philippe Imparato, Chief Operating Officer für Enlarged Europe, zitiert. „Der Wasserstoffmarkt bleibt ein Nischensegment ohne Aussichten auf mittelfristige wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Wir müssen klare und verantwortliche Entscheidungen treffen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten und die Erwartungen unserer Kunden mit unserer Offensive bei elektrischen und hybriden Personen- und leichten Nutzfahrzeugen zu erfüllen.“

Vor zwei Jahren war diese Einschätzung noch anders ausgefallen: Damals hatte man zusammen mit Michelin und Forvia im französischen Saint-Fons die erste Gigafactory für die Herstellung von Brennstoffzellensystemen eröffnet. Das Werk sollte ein Zentrum für Forschung, Innovation und Industrialisierung rund um den Wasserstoffantrieb sein. Allerdings betont Stellantis mit Blick auf seinen jüngsten Schritt: „Diese Entscheidung wird sich nicht auf das Personal an den Produktionsstandorten von Stellantis auswirken. F&E-Aktivitäten im Zusammenhang mit Wasserstofftechnologie werden auf andere Projekte umgeleitet.“ Was genau das bedeutet, wird nicht erläutert. Michelin und Forvia indessen zeigen sich „besonders besorgt über die Auswirkungen auf die 590 Mitarbeitenden in Frankreich sowie 50 Beschäftigte im Ausland“, wie es in einem Statement seitens Michelin heißt. „Diese unerwartete Kehrtwende kommt überraschend, da Stellantis sowohl Miteigentümer von Symbio als auch dessen Hauptkunde ist. Symbio hatte in den vergangenen zwei Jahren seine Investitionen, Neueinstellungen und die Entwicklungsplanung auf die von Stellantis kommunizierten Bedarfe für die nächsten acht Jahre ausgerichtet. Zuletzt war Symbio im Rahmen eines im April 2025 gestarteten Förderprogramms der französischen Regierung vollständig darauf vorbereitet, Brennstoffzellen für Stellantis-Fahrzeuge zu liefern.“

Stellantis teilt derweil mit, dass der aktuelle Zustand des Wasserstoffsegments „auch finanzielle Herausforderungen für verschiedene Interessengruppen“ darstelle. Man habe deshalb Gespräche mit den Aktionären von Symbio eingeleitet, um die aktuellen Marktauswirkungen zu bewerten und die besten Interessen von Symbio im Einklang mit ihren jeweiligen Verpflichtungen zu wahren.

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