Industrie

Stellenabbau bei Knorr-Bremse trotz guter Auftragslage 

knorr-bremse-headquarters-munich_Die in der Zentrale der Knorr-Bremse AG getroffenen Entscheidungen kommen in der Belegschaft nicht gut an.  Foto: Knorr-Bremse

„Im ersten Halbjahr konnten wir trotz der schwierigen Marktbedingungen unsere operative EBIT-Marge um 30 Basispunkte auf 12,6 Prozent steigern – eine hervorragende Teamleistung. Zudem zeugt die erfreuliche Entwicklung des Free Cashflow auf 160 Millionen Euro, die wir mit unseren Working-Capital-Maßnahmen und dank der guten Performance erreichen konnten, von unserer finanziellen Stärke“, so das durchaus positive Fazit zu den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2025 von Finanzvorstand Frank Weber. Er fährt fort: „Für die künftige Geschäftsentwicklung erwarten wir positive Effekte, unter anderem aus dem Investitionsprogramm der deutschen Bundesregierung. Zudem sind wir zuversichtlich, die angekündigten US-Zölle kompensieren zu können.“

Verbunden mit dem hohen Auftragseingang (ca. 4,45 Milliarden Euro; + 5,8 Prozent) sowie dem Auftragsbestand „nahe Rekordniveau” (ca. 7,33 Milliarden Euro; +7 Prozent) scheint die Richtung für Knorr-Bremse zu stimmen. Aus diesem Grund wurden auch die Jahresprognose für die operative EBIT-Marge (12,5 bis 13,5 Prozent) sowie für den Free Cashflow (700 bis 800 Millionen Euro) bestätigt. Die Umsatzerwartungen wurden hingegen aufgrund von Wechselkurseffekten leicht nach unten korrigiert, auf 7,8 bis 8,1 Milliarden Euro, nach zuvor 8,1 bis 8,4 Milliarden Euro. 

200 Arbeitsplätze am Hauptsitz sollen entfallen 

Dennoch hatte auch der Bremsenspezialist im ersten Halbjahr zu kämpfen, wie der Vorstandsvorsitzende Marc Llistosella berichtet: „Wir steuern erfolgreich durch unruhige Zeiten. Vor allem unser starkes Nachmarktgeschäft und unsere strategischen Maßnahmen tragen dazu bei, dass wir Marktschwächen gut kompensieren und unsere Profitabilität sichern. Die Rail-Division überzeugte erneut mit einer sehr starken Performance und legte bei Umsatz und Profitabilität deutlich zu. Die Truck-Division musste sich erwartungsgemäß in einem schwachen Marktumfeld in Nordamerika behaupten und kam dennoch auf eine operative EBIT-Marge von fast 10 Prozent.“

Der Umsatz der Knorr-Bremse AG lag bis zu Ende Juni mit rund 3,96 Milliarden Euro leicht unterhalb des Vorjahreswertes (-0,8 Prozent). Deutlich stärker fiel jedoch der Rückgang beim operativen Ergebnis aus, das um 9,2 Prozent auf 432 Millionen Euro einbrach. 

Auch vor diesem Hintergrund will das Unternehmen die Zahl seiner Mitarbeitenden hierzulande reduzieren, wie unter anderem die SZ berichtet. Demnach sollen rund 200 Stellen in der Münchner Zentrale gestrichen werden, während zugleich an weiteren Standorten Arbeitsplätze nach Polen verlagert werden sollen. Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, liefen bereits Freiwilligenprogramme. In der Belegschaft und bei den Arbeitnehmervertretern herrscht Unverständnis über die Maßnahme. „Wir behalten uns vor, nach der Sommerpause mit Aktionen gegen den Stellenabbau zu protestieren“, zitiert die SZ Filippos Kourtoglou von der IG Metall München. 

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Knorr-Bremse erweitert seine Präsenz in Indien. Foto: Knorr-Bremse

Globales KI-Center entsteht in Chennai

Derweil gab das Unternehmen bereits Ende Juli bekannt, die eigenen Möglichkeiten im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) auszubauen: Im indischen Chennai entsteht aktuell ein KI-Center, indem künftig etwa 70 Experten an neuen KI-Lösungen arbeiten sollen. Die Verantwortlichen erhoffen sich dadurch Impulse zur Erhöhung von Prozesseffizienz, Performance und Umsetzungsgeschwindigkeit der Organisation. Im Fokus stehen zunächst KI-Agenten für das Rechnungswesen und die Softwareentwicklung. Schritt für Schritt sollen diese auf weitere Bereiche wie Lieferkettenmanagement und Projektsteuerung ausgeweitet werden. 

„KI hält in rasanter Geschwindigkeit Einzug in alle Unternehmensbereiche – ob Beschaffung, Human Resources oder natürlich IT. Vor diesem Hintergrund bietet unsere Präsenz in der Technologiemetropole Chennai heute und künftig ideale Voraussetzungen: Konkret können die hochqualifizierten Fachkräfte vor Ort KI-Modelle mit unseren Firmendaten trainieren und sogenannte KI-Agenten für unsere Bedürfnisse schnell und flexibel anpassen. Die Lösungen werden Teams im gesamten Konzern unterstützen: bei der Verbesserung von Prozessen, Beschleunigung von Arbeitsabläufen und bei der datenbasierten Entscheidungsfindung“, ist Sathees Navaratnam, Chief Digital Officer bei Knorr-Bremse, überzeugt. 

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