Vor dem Hintergrund massiver Konzernumstrukturierungen stand die Continental-Hauptversammlung auch in diesem Jahr im Zeichen gedämpfter Erwartungen. Die Zahlen sprachen für sich: Der Konzernumsatz lag im abgelaufenen Geschäftsjahr bei 19,7 Milliarden Euro und damit unter den rund 20 Milliarden Euro aus dem Jahr 2024. Kurzfristig ist keine Besserung in Sicht. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet die Konzernspitze lediglich mit einem Umsatz zwischen 17,3 und 18,9 Milliarden Euro. Der Reifenbereich hielt sich unterdessen vergleichsweise stabil. Das Tires-Segment lag im Jahr 2025 mit 13,8 Milliarden Euro in etwa auf dem Niveau des Vorjahres, auch die bereinigte EBIT-Marge lag mit 13,6 Prozent auf gleichem Niveau. Für 2026 rechnet Continental bei Tires mit 13,2 bis 14,2 Milliarden Euro Umsatz und einer bereinigten EBIT-Marge zwischen 13,0 und 14,5 Prozent. Und es sind die Reifen, die es künftig richten sollen. Das Stichwort lautet Fokussierung.
„Zum ersten Mal in unserer Geschichte wird Continental ein reiner Reifenhersteller“, unterstrich Continental-Chef Christian Kötz das Vorhaben des traditionsreichen Unternehmens. Auf Bilanzseite kamen die restlichen Geschäftsbereiche ohnehin nicht gut weg. Der Automobilzulieferer Aumovio, der bis zum Spin-off im Jahr 2025 noch zum hannoverschen Unternehmen gehörte, macht regelmäßig negative Schlagzeilen, und auch die Sparte ContiTech überzeugt schon länger nicht mehr. Bei letzterer erwartet die Geschäftsführung im Jahr 2026 einen Umsatz von maximal 4,8 Milliarden Euro, ein weiterer Rückgang im Vergleich zu dem bereits enttäuschenden Ergebnis des Gesamtjahres 2025. Damals betrug der Umsatz noch rund 6 Milliarden Euro. Der zuletzt hinter den Erwartungen zurückgefallene Konzernbereich soll nun ohnehin bald veräußert werden. „Für den Unternehmensbereich ContiTech führen wir derzeit intensive Verhandlungen mit potenziellen Käufern“, so der Vorstandsvorsitzende Kötz. Durch den geplanten ContiTech-Verkauf sowie durch Kapitalzuflüsse aus dem Reifengeschäft soll unter anderem die Verschuldung des Konzerns reduziert werden.
Im Rahmen der neuen strategischen Ausrichtung auf Reifen lege man künftig besonderen Wert auf UHP-Profile – also Reifen in der Größe ab 18 Zoll, die vor allem bei SUVs und E-Auto-Modellen zum Einsatz kommen. „Im vergangenen Jahr machten UHP-Reifen 62 Prozent unseres Umsatzes mit Pkw-Reifen der Marke Continental aus – zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Über alle Marken hinweg sind es 55 Prozent unserer Pkw-Reifen“, so Kötz. Auch künftig sehe man hier großes Potenzial. In den kommenden Jahren werde der UHP-Markt im Durchschnitt voraussichtlich um rund 8 Prozent jährlich zulegen.
Globale Krisen und Konkurrenz aus Fernost
Trotz aller Zuversicht auf Seiten der Geschäftsführung zeigte sich die Stimmung bei den Aktionären verhaltener. Mit Blick auf die wachsende Konkurrenz aus Fernost zeigten sich Aktionärsvertreter besorgt über die Fokussierung auf das reine Reifengeschäft. Reifen aus Fernost würden qualitativ immer näher an Continental heranrücken, bei gleichzeitig günstigeren Preisen. Conti-Chef Kötz sieht allerdings wenig Grund zur Sorge. Besagte chinesische Hersteller seien überwiegend im Budgetbereich positioniert, Conti hingegen fokussiere das Premiumreifensegment. Man sei zudem zuversichtlich, die eigene Position im Premiumsegment ausbauen zu können. Angesichts aktueller weltwirtschaftlicher Verwerfungen, unter anderem bedingt durch den geopolitischen Konflikt im Nahen Osten und dadurch steigende Rohstoffpreise, zeigte sich Konzernchef Kötz überzeugt, diese Herausforderungen zu meistern, auch wenn man im Zuge dessen zunächst kaum Wachstum in den Reifenmärkten erwarte.
Sabrina Soussan zur Aufsichtsratsvorsitzenden von Continental gewählt
Mit dem Ende der Hauptversammlung geht auch eine Ära zu Ende. Nach über 16 Jahren als Aufsichtsratsvorsitzender schied Wolfgang Reitzle aus seinem Amt aus. An dessen Stelle trat die Ingenieurin und Managerin Sabrina Soussan, die zuvor unter anderem als Co-CEO von Siemens Mobility tätig war und über 25 Jahre Erfahrung in der Automobil- und Transportbranche verfügt. In ihrer neuen Rolle als Vorsitzende des Aufsichtsrats möchte sie Continental auf dem Weg in die Zukunft begleiten: „Eine erfolgreiche Zukunft möglich machen, das ist mein Anspruch“, so die Managerin.