Motorsport-Saison 2026

Transformation, Stabilität und Spektakel

Im März startet die 77. Saison der Formel 1.  Foto: Pirelli

Die 76. Saison der Formel 1 ist gerade erst mit Lando Norris (McLaren) als Weltmeister zu Ende gegangen, nun bereiten sich die Teams auf den großen Umbruch in der nächsten Ausgabe vor. Mit dem für 2026 angesetzten neuen technischen Reglement wird der Antriebsstrang grundlegend neu definiert. Der elektrische Anteil an der Gesamtleistung der Power Unit steigt deutlich, während gleichzeitig die bisher eingesetzte MGU-H (Motor Generator Unit – Heat) entfällt. Künftig soll die Leistung zu gleichen Teilen aus Verbrennungsmotor und Elektromaschine stammen, wobei der Fokus stärker auf einer effizient nutzbaren elektrischen Leistung liegt. Die Verbrennungsmotoren bleiben als 1,6-Liter-V6-Turbos erhalten, werden jedoch ausschließlich mit synthetischen, vollständig nachhaltigen Kraftstoffen betrieben. Ziel ist es, die technologische Komplexität zu reduzieren, ohne die absolute Leistungsfähigkeit signifikant abzusenken, und zugleich den Einstieg neuer Hersteller zu erleichtern. Parallel dazu verändern sich auch die Fahrzeugdimensionen: Die Autos werden kürzer, schmaler und leichter, das Mindestgewicht sinkt um 4 Prozent auf 768 Kilogramm. Aerodynamisch setzt das Reglement stärker auf aktive Systeme, die situationsabhängig zwischen geringerem Luftwiderstand und höherem Abtrieb wechseln können. Damit sollen Überholmanöver erleichtert und die Abhängigkeit von extremen Flügelkonfigurationen reduziert werden.

Der italienische Reifenhersteller Pirelli präsentierte bereits Anfang Dezember die für die am 8. März 2026 in Melbourne startende 77. Saison entwickelten 18-Zoll-Reifen. Dabei fiel neben der geringeren Größe auf, dass das grafische Design der Reifenbeschriftung auf den Seitenwänden vollständig überarbeitet wurde. Die markanten Kennzeichnungen, die seit Pirellis Rückkehr als exklusiver Reifenlieferant der Formel 1 im Jahr 2011 über 14 Saisons hinweg Bestandteil der Markenidentität waren, wurden neu interpretiert und um ein Zielflaggen-Logo ergänzt. Damit erhalten die neuen Formel-1-Reifen ein eigenständiges Erscheinungsbild, das sich klar von anderen Motorsport- und Straßenreifenprodukten des Unternehmens abhebt.

Alle Neuerungen bei den Reifen im Überblick. Foto: Pirelli

Die neuen Reifen sind schmaler und kleiner. Foto: Pirelli

Unverändert bleiben jedoch die Farben zur Kennzeichnung der jeweiligen Mischungen während der Rennen. Weiß, Gelb und Rot stehen weiterhin für Hard, Medium und Soft, während Grün und Blau auch künftig die Intermediate- und Full-Wet-Reifen markieren. Die P-Zero-Palette für 2026 umfasst fünf Slick-Mischungen von C1 (härteste Mischung) bis C5 (weichste Mischung). Das grundsätzliche Leistungsniveau entspricht dem der aktuellen Reifen, allerdings mit größeren und konstanteren Abständen zwischen den einzelnen Mischungen, um eine größere strategische Bandbreite im Rennen zu ermöglichen. Die Profile der Intermediate- und Regenreifen bleiben gegenüber 2025 unverändert.

Letzte Formel-E-Saison vor dem Umbruch

In der Formel E verläuft die technische Entwicklung in einer anderen Zeitachse, ist jedoch nicht weniger ambitioniert. Während aktuell noch die Gen3-Evo-Fahrzeuge auf Hankook „iON Race“-Reifen eingesetzt werden, richtet sich der Blick bereits auf das für 2026/27 angekündigte Gen4-Reglement und den neuen Reifenlieferanten Bridgestone. Das Reglement sieht eine massive Steigerung der Systemleistung vor, mit Spitzenwerten von bis zu 600 kW und permanentem Allradantrieb. Die Rekuperationwird dabei eine zentrale Rolle spielen: Ein Großteil der im Rennen benötigten Energie soll über Bremsenergierückgewinnung erzeugt werden, was neue Anforderungen an Software, Energiemanagement und Fahrstrategie stellt.

Auch konstruktiv verändert sich das Fahrzeugkonzept. Die Chassis werden größer und schwerer, um die höhere Leistung, zusätzliche Antriebskomponenten und neue Sicherheitsanforderungen auszugleichen. Gleichzeitig rücken Nachhaltigkeitsaspekte weiter in den Vordergrund. Materialien sollen in höherem Maße recycelbar sein, die Lieferketten transparenter. Mit Bridgestone übernimmt ab dem Gen4-Zyklus ein neuer Reifenpartner die Verantwortung. Vorgesehen sind breitere Slicks sowie ein neu entwickelter Regenreifen, der den steigenden Leistungsanforderungen und unterschiedlichen Streckenbedingungen gerecht werden soll. Die Reifen bleiben weiterhin als Allround-Produkt ohne Heizdecken ausgelegt, was das Energiemanagement zusätzlich beeinflusst.

Gezielte Anpassungen bei der DTM

Die DTM (Deutsche Tourenwagen Masters) verfolgt im Vergleich dazu zum Saisonstart in Österreich am Red Bull Ring am 24. April 2026 einen evolutionären Ansatz. Die Serie bleibt auch in den kommenden Jahren dem GT3-Reglement treu und setzt weiterhin auf seriennahe Rennfahrzeuge mit unterschiedlichen Motorenkonzepten. Technische Revolutionen sind hier nicht vorgesehen, dennoch spielen gezielte Anpassungen eine wichtige Rolle. Insbesondere der Reifen rückt stärker in den Fokus. Pirelli bleibt exklusiver Reifenpartner und entwickelt für die DTM spezifische Slick- und Regenreifen, die unter anderem mit RFID-Technologie ausgestattet sind, um Nutzung, Laufzeiten und Regelkonformität präziser überwachen zu können. Gleichzeitig fließen nachhaltigere Materialien und Produktionsprozesse in die Entwicklung ein.

Die kommende Saison bringt nur wenige Veränderungen bei den DTM-Boliden. Foto: DTM

Auf Fahrzeugseite setzen die Hersteller auf kontinuierliche Weiterentwicklung innerhalb der bestehenden Homologationen. Updates bei Aerodynamik, Kühlung und Fahrwerksabstimmung sollen die Balance zwischen Performance, Haltbarkeit und Kosten wahren. Die technische Vergleichbarkeit der Fahrzeuge bleibt dabei ein zentrales Element, um enge Starterfelder und planbare Budgets zu ermöglichen.

MotoGP und WRC

Am 1. März 2026 startet mit dem Großen Preis von Thailand die MotoGP in ihre 78. Auflage. Hierfür stehen keine grundlegenden Änderungen an, da ein umfassender Regelwechsel erst für 2027 vorgesehen ist. Zentrale Maßnahme ist der Motoren-Entwicklungsstopp: Die 1000-cm³-Aggregate werden für 2026 weitgehend eingefroren, um Kosten zu begrenzen und Planungssicherheit zu schaffen. Aerodynamische Einschränkungen, etwa bei Sitz-Winglets, wurden diskutiert, aber überwiegend auf 2027 verschoben. Die Saison dient damit vor allem der technischen Stabilisierung und der Vorbereitung auf den künftigen Regimewechsel.

Ähnlich sieht es bei der FIA World Rally Championship (WRC) aus. Hier bleiben die technischen Vorschriften im aktuellen Rally1-Reglement bis Ende 2026 weitgehend unverändert, ehe für 2027 ein vollständig neues Reglement vorgesehen ist. Die WRC 2026 umfasst 14 Läufe auf vier Kontinenten und startet Ende Januar traditionell mit der Rallye Monte-Carlo.

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