Für das erste Halbjahr 2025 weist die ZF-Bilanz einen Umsatz von rund 19,7 Milliarden Euro auf (-10,3 Prozent). Bereinigt um Wechselkurs- und Sondereffekte – etwa die Übertragung des Geschäftsbereichs Achsmontage in das Joint Venture ZF Foxconn Chassis Modules GmbH – lag der Umsatz organisch um 1,7 Prozent unter dem Wert von 2024. Derweil lagen das bereinigte EBIT des Unternehmens (874 Millionen Euro; +12 Prozent) sowie die zugehörige Marge (4,4 Prozent; + 0,9 Prozentpunkte) oberhalb des Vorjahresniveaus. „Wir haben höhere Ergebnisbeiträge erzielt – trotz sinkender Umsätze. Die global stagnierende Fahrzeugproduktion, der schleppende Hochlauf der Elektromobilität und Unsicherheit durch die US-Zollpolitik bedeuten geringere Umsätze und steigende Kosten. Dem begegnen wir und beschleunigen unser Restrukturierungsprogramm. Damit ist ZF auf einem zwar schwierigen, aber erkennbar richtigen Weg”, ordnet der ZF-Vorstandsvorsitzende Holger Klein die Zahlen ein.
Positiv entwickelte sich darüber hinaus auch der bereinigte Free Cashflow, der nach -494 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2024 nun bei +465 Millionen Euro lag. „Der Free Cashflow hat sich im Jahresvergleich durch eine optimierte Performance sowie stark fokussierte Investitionen um etwa eine Milliarde Euro signifikant verbessert. Dies schafft zusätzliche Handlungsspielräume für unser Unternehmen“, so Finanzvorstand Michael Frick. Dennoch erwirtschaftete ZF in den ersten sechs Monaten des Jahres einen Verlust von 195 Millionen Euro, während sich zudem die Nettoverbindlichkeiten zum 30. Juni 2025 auf weiterhin rund 10,5 Milliarden Euro beliefen.
Das ZF-Management um CEO Holger Klein setzt angesichts dieser Zahlen weiter auf einen drastischen Restrukturierungskurs. Bis zu 14.000 Arbeitsplätze sollen an den deutschen Standorten in den kommenden Jahren entfallen. „ZF befindet sich im umfassendsten Umbau seiner Geschichte”, betont Klein. „Wir sind uns im Klaren, dass wir dabei den Menschen bei ZF viel abverlangen. Wir handeln mit großer Verantwortung und so sozialverträglich wie möglich. Klar ist aber auch, dass sich unsere Industrie in einer historisch schwierigen Lage befindet, die unseren Turnaround erschwert.” Der Vorstandsvorsitzende sieht das Unternehmen dabei auf gutem Wege, etwa durch die inzwischen abgeschlossene operative Ausgliederung von ZF Lifetec, der früheren Division Passive Sicherheitstechnik. „Sie agiert als eigenständiges Unternehmen erfolgreich am Markt. Da für einen Börsengang oder eine Partnerschaft das aktuelle wirtschaftliche Umfeld allerdings nicht ideal ist, hält sich ZF weiterhin alle strategischen Optionen für die bestmögliche Entwicklung des Unternehmens und seiner Mitarbeiter offen”, heißt in einer Konzernmitteilung.
Geschäftsbereiche mit unterschiedlichen Perspektiven
Während Bereiche „mit positiven langfristigen Perspektiven” – darunter die Division Chassis Solutions, die Nutzfahrzeug- und die Industrietechnik sowie das Servicegeschäft –gestärkt werden, bleibt die Antriebssparte ein Sorgenkind. „Ein spezifisches Restrukturierungsprogramm benötigt die Division Elektrifizierte Antriebstechnologien, um wieder in die Erfolgsspur zu kommen und langfristig wettbewerbs- und zukunftsfähig zu sein“, sagte Klein. Das umfasse eine konsequente Ausrichtung der Personalkapazitäten am zukünftigen Bedarf; die Bewertung, an welchem Standort welche Produkte kostendeckend produziert werden können und auch die Entscheidung, welche Produkte selbst gefertigt oder von externen Lieferanten bezogen werden.
Ein im Raum stehender Verkauf der Sparte ist nun allerdings zunächst vom Tisch. Vorstand und Arbeitnehmervertretung haben sich auf ein Bündnis für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung für die Division Elektrifizierte Antriebstechnologien (E) geeinigt. Gemeinsames Ziel sei es, die nachhaltige und zukunftsweisende Neuausrichtung der Division E in gemeinsamer Verantwortung und vereinten Kräften zu meistern. Eine entsprechende Vereinbarung wurde am Rande der Sitzung des ZF-Aufsichtsrats am 30. Juli von Barbara Resch (Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg), Achim Dietrich (Vorsitzender des ZF-Gesamtbetriebsrats), Mathias Miedreich (ZF-Vorstandsmitglied, verantwortlich für die Division E) und Dr. Lea Corzilius (Arbeitsdirektorin) unterzeichnet. Demnach streben beide Seiten an, die Restrukturierungsmaßnahmen bis zum 30. September in konkreten Vereinbarungen mit den zuständigen Gremien festzuschreiben.
Zum Stichtag 30. Juni 2025 beschäftigte ZF weltweit 157.845 Menschen, das sind gut zwei Prozent weniger als am Vorjahresende (161.631). In Deutschland verringerte sich die Mitarbeiterzahl im selben Zeitraum nominell ebenfalls um 2,6 Prozent auf 50.683 (Ende 2024: 52.027). „Wir kommen hier voran und wollen diese Reduzierung weiterhin so weit wie möglich sozialverträglich vornehmen“, sagte Klein. Gleichwohl ließen sich angesichts der hohen Marktdynamik an einzelnen Standorten oder Unternehmensbereichen auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen. Insbesondere dagegen regt sich innerhalb der ZF-Belegschaft massiver Widerstand, der sich in den vergangenen Tagen in verschiedenen Kundgebungen und Protestmärschen an den hiesigen Produktionsstandorten von ZF manifestierte.