Prüfmethodik

TÜV Süd simuliert Reifenverschleiß mit neuem Prüfstand

TÜV Süd_Offizielle Inbetriebnahme Tread Wear TesterKlaus Baltruschat (m.), Reifenexperte bei TÜV Süd, erläuterte die Möglichkeiten des neuen Prüfstandes.   Foto: TÜV Süd

Die Münchener Prüfgesellschaft nennt den neuen Prüfstand einen “Meilenstein für mehr Planungssicherheit bei OEMs und Reifenherstellern”. Bei realen Fahreinheiten zur Ermittlung des Abriebverhaltens entstehen sogenannte Tire and Road Wear Particles (TRWP), die künftig unter die Euro-7-Regulierung fallen sollen. TÜV Süd geht mit dem neuen “Tread Wear Tester” eigenen Angaben zufolge einen zukunftsweisenden Schritt: Das Unternehmen verlagere die Erprobung von der Straße ins Labor – kontrollierter, effizienter und ressourcenschonender. „Mit dem neuen Prüfstand sind wir in der Lage, den Reifenabrieb realitätsnah und wiederholbar zu simulieren, ohne aufwändige Testflotten oder Prototypenfahrzeuge“, versichert Klaus Baltruschat, Reifenexperte bei TÜV Süd. Der neue Prüfstand wurde Ende 2024 angeliefert und installiert. Die Verantwortlichen berichten, dass das 27 Tonnen schwere System mit einem Schwerlastkran mit einem Ausleger von 30 Metern über das Dach in den Prüfstandraum gehoben werden musste.

Anlässlich der erfolgreichen Inbetriebnahme lud TÜV Süd nun Partner, Kunden und Branchenvertreter zum Open Lab Day nach Garching bei München ein. Der von ZF Test Systems entwickelte “Tread Wear Tester” der neuesten Generation arbeitet mit einer 3-Meter-Trommel. Damit lassen sich laut Unternehmensangaben Abriebtests nach UN ECE R117 Annex 10 („Drum method“) ebenso durchführen wie individuell angepasste Nachfahrprofile. Verschiedene Trommelbeläge können verwendet werden, um unterschiedliche Straßenoberflächen nachzubilden. Das System soll eine Vielzahl von Fahrmodi mit Geschwindigkeiten bis zu 140 km/h mit künstlichen Fahrbahnbelägen (z.B. Realasphalt) bzw. 200 km/h mit Standardoberflächen (Sandpapier) ermöglichen. Mit einer Lasteinwirkung von bis zu 25 kN (Pkw) und einem Schräglaufwinkel von bis zu +/- 10 Grad können auch Kurvenfahrten simuliert werden.

TÜV SÜD_Tread Wear Tester
In Garching zeigte TÜV Süd seinen “Tread Wear Tester”. Foto: TÜV Süd

Wie auch die Reifenindustrie verlagern Prüforganisationen ihre Kapazitäten immer mehr in den digitalen Bereich. TÜV Süd wird dies durch die Strategie „Road2Rig“ vorangetrieben. Der “Tread Wear Tester” ist ein zentraler Baustein. Reale Fahrversuche sollen zunehmend durch Laborprüfungen ersetzt werden. Es gehe darum, weniger Ressourcen zu verbrauchen. Zudem sei der Benefit für die Fahrzeughersteller signifikant: Tests könnten auf Basis von Simulationsdaten frühzeitig, ohne verfügbare Prototypenfahrzeuge durchgeführt werden. Dies sorge für planbare Entwicklung, schnellere Ergebnisse und geringere Kosten. „Unsere substanzielle Investition im siebenstelligen Bereich ist ein klares Commitment zur Zukunft der Reifenprüfung. Gemeinsam mit ZF wollen wir zukünftig eine integrierte Lösung zur Erzeugung und Messung von TRWP im Laborbetrieb entwickeln. Damit tragen wir zur technischen Weiterentwicklung bei und auch zur Erfüllung künftiger Umweltauflagen“, so Klaus Baltruschat.

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