Am Vortag des Hauptrennens reisen wir mit einem Bus in Richtung Rennstrecke, auf- und abwärts durch geschlungene Pfade entlang der hügeligen Landschaft der Eifel. Je näher wir dem Geschehen kommen, desto dichter wird der Verkehr. Nicht nur Autos stauen sich, auch Fans, die die Windungen der Landstraße entlangschreiten, mit teilweise von Schlamm bedeckten Beinen. Zwei Jugendliche filmen die Autokarawane, warten auf den ein oder anderen Sportwagen, erstrahlen, als ein Porschefahrer den Motor aufdreht. Die ersten Camps sind zu sehen, die sich alljährlich rund um die Strecke zusammenfinden. Campingwagen an Campingwagen, Zelte – je näher wir der Strecke kommen, desto dichter sind die Plätze besetzt. Bässe der Musikanlagen schallen durch die Luft, darunter mischen sich die dröhnenden Motoren. Direkt vor dem Nürburgring ist jeder Parkplatz besetzt.
Dicht an dicht
Nach rund einer Stunde steigen wir aus und werden Teil der Menschenmasse, die sich auf das Gelände zubewegt. Der Lärm ist nun auch körperlich zu spüren, die Deutsche Historische Langstrecken-Meisterschaft ist im vollen Gange. Direkt hinter dem Einlass werden Rennwagen zur Schau gestellt, die Unterführung zum Hauptgelände selbst ist zum Bersten voll. Menschen drängen dicht an dicht über den schmalen Bürgersteig auf der rechten Seite, Ordner versuchen, die Straße daneben frei zu halten.
Auf dem Hauptgelände sind zahlreiche Reifenhersteller präsent – darunter Goodyear, Hankook und Michelin. Bei letzterem können Schaulustige dem Personal dabei zusehen, wie es die Reifen der Teams präpariert. Am Vorabend des offiziellen Rennens verstummen die Motoren schließlich. Doch bevor sich die Pforten schließen, stürmen die Fans vor die Boxengassen und versuchen, ein Autogramm ihres Lieblingsfahrers zu erhaschen. Unter den dicht belagerten Motorsport-Profis ist auch das Team von Falken, das dieses Jahr mit der Nummer #44 im türkisblauen Porsche 911 GT3 R (992) Evo26 an den Start geht.
Die Stimmung am Renntag ist spürbar ausgelassener, die Tribünen bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch die Box von Team Verstappen Racing wird belagert – jeder will einen Blick auf Max Verstappen erhaschen. Unterdessen laufen die Rennvorbereitungen auf Hochtouren. „Aus dem Weg! Reifen!“, hallt es immer wieder durch die engen Gänge, während die emsigen Reifenservice-Kräfte die Mechaniker mit neuen Pneus versorgen. Bald beginnt das Rennen. Die Fahrzeuge werden in den Startbereich gerollt, Räder ein letztes Mal kontrolliert. Rennteams machen Selfies, vereinzelt werden Interviews geführt und dann wieder eine Menschentraube. Ist dort jetzt Max Verstappen? Nein. Markus Rühl. Der ehemalige Profi-Bodybuilder und Internet-Star schart die Massen um sich. Schließlich müssen die Fans den Startbereich verlassen, denn der Start der 54. Auflage des 24h-Rennens steht unmittelbar bevor.
Ups und Downs in der Grünen Hölle
Während der Formationsrunde stehen die Fans auf der Rennstrecke nur wenige Zentimeter neben den rollenden Wagen, grölend, begeistert. Um 15 Uhr dann der offizielle Start. Die Maschinen heulen auf, ein ohrenbetäubender Lärm entsteht direkt neben der Strecke, und die erste Runde läuft direkt ereignisreich ab. Team Rowe, der Vorjahressieger, ist doppelt im Hauptfeld vertreten – mit den Nummern #1 und #99, jeweils im BMW M4 GT3 Evo. Doch noch bevor die Nordschleife zum ersten Mal passiert wird, dreht sich der Rowe-BMW #99 und landet weit abseits der Spitze. Ein böses Omen? Kurz darauf touchiert Team Verstappen Racing den Red Bull Team Abt #84. Dessen Reifen wurde dabei stark beschädigt, sodass er in die Box muss.
Team Verstappen Racing verdeutlicht seine Dominanz nach knapp drei Stunden und wird für lange Zeit in Führung gehen. Unterdessen nehmen die Unfälle auf der Strecke ihren Lauf. Arjun Maini von Team HRT Ford Racing zerlegt die Front seines Ford Mustang komplett. Und dann erwischt es auch Team Falken. Gerade erst hatten sie sich auf Platz 6 vorgearbeitet, am Steuer mittlerweile der erst 21-jährige Morris Schuring. Doch dann kollidiert er mit einem BMW Z4 GT3, dreht sich, kommt zum Stehen. Zunächst rollt der Wagen noch weiter und es scheint, als wolle er es in die Boxengasse schaffen. Dann hält er an. Das Rennen für Team Falken ist vorbei. Auch der Titelverteidiger, #1 Rowe-BMW M4 GT3, hat da bereits wegen eines Tankproblems aufgeben müssen. Gegen 1 Uhr nachts schlägt schließlich auch der Dunlop-Porsche frontal in die Leitplanke ein.
An Tag drei erreichen wir das Gelände gegen 10 Uhr. Wer nicht mehr im Rennen ist, baut ab. Ausrüstung wird verladen, Mechaniker räumen auf. Auf dem Gelände stehen derweil einige der demolierten Rennwagen zur Schau. Max Verstappen werden wir schließlich nicht mehr mit der Kamera einfangen können, weder in noch vor der Box. Auch dem Podest wird er letzten Endes fernbleiben. Trotz starker Leistung von Team Verstappen Racing kam es nur wenige Stunden vor dem Ende des Rennens zum Super-GAU. Ein „Schaden an der Antriebswelle“ zwang das Team in die Knie. Die knappe Führung war in kürzester Zeit dahin – verloren an den Mercedes-AMG GT3 von Team Ravenol, den späteren Sieger.
Nach zahlreichen Crashs und einem Besucherrekord verlassen wir die Grüne Hölle erschöpft, aber beeindruckt, zum nächsten Termin. Die 55. Ausgabe findet vom 27. bis 30. Mai 2027 statt, wie die Veranstalter bereits mitteilten. Ob Max Verstappen dann wieder am Start steht, bleibt offen. Aber der Besucherandrang der vergangenen Jahre legt nahe: Das Rennen zieht auch so.