Podcast-Episode mit Schwerpunkt Weiterbildung

„Unser Angebot reicht von A wie Airbag bis Z wie Zahnriemen“

Trainmobil-Jubiläum_Die Trainmobil GmbH feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Auch darüber sprachen wir im Podcast mit Geschäftsführer André Götze (r.).  Foto: Trainmobil

André, zum Start bitte einmal in aller Kürze: Was ist die Mission von Trainmobil und wer ist eure Kernzielgruppe? 

André Götze: Trainmobil unterstützt Handel, Industrie und natürlich in erster Linie die Werkstätten mit Know-how in jeglicher Form. Das reicht von Präsenztrainings in Deutschland und Österreich über digitale Produkte in verschiedenen Formen bis hin zur Remote-Diagnose, die wir hier aus Hamburg betreiben.

Wie vielfältig ist euer diesbezügliches Angebot und gibt es bestimmte Klassiker, die immer wieder gefragt sind?

Philipp Benstein: Bei den verschiedenen Themen habe ich bei 70 aufgehört zu zählen. Das reicht von A wie Airbag bis Z wie Zahnriemen und deckt alles ab, was der Mechaniker oder die Mechanikerin im Werkstattalltag braucht. Zudem bieten wir Trainings rund ums Thema Unternehmensführung an. Zu den wiederkehrenden Trainings kann man sagen, dass vor allem die zertifizierten Trainings besonders gefragt sind. Das betrifft vor allem das Thema Hochvoltfahrzeuge oder auch den Bereich Klimasachkunde, wo bestimmte Zertifikate notwendig sind. Ansonsten ist natürlich alles rund um FAS/ADAS, Kamerakalibrieren und moderne Fahrzeuge im Allgemeinen immer gefragt.

Trainmobil feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Wie sehr hat sich denn in den letzten Jahren eure Arbeit und euer Angebot geändert?

André Götze: Unsere Präsenztrainings haben wir seit dem Jahr 2000 im Programm. Heute allerdings in komplett anderer Form, weil die Technik damals noch eine gänzlich andere war. Grundsätzlich kann man sagen, dass wir natürlich in den 25 Jahren deutlich digitaler geworden sind und heute Bausteine wie E-Learnings, Online-Schulungen oder auch digitale Reparaturanleitungen zu unserem Angebot zählen. Also es gibt mittlerweile ein breites Spektrum, das außerhalb der eigentlichen Praxistrainings liegt, was aber trotzdem auf unser Ziel einzahlt, Werkstätten mit Fachwissen bei der täglichen Reparatur zu unterstützen.

Pünktlich zu eurem Jubiläum habt ihr auch digital nochmal nachgelegt und ein neues Portal an den Start gebracht. Was beinhaltet das und welche Überlegungen standen dahinter?

André Götze: Vor diesem neuen Portal hatten wir zwei verschiedene Ansatzpunkte. Wir hatten einmal einen Trainingsfinder für all unsere Trainings. Und wir hatten einen Shop, über den Reparaturanleitungen oder auch So-gehts-Hefte erhältlich waren. Das waren zwei verschiedene Portale, die wir jetzt – um es der Werkstatt noch einfacher zu machen – in einem Portal fusioniert haben. Unter www.trainingsfinder.de ist jetzt unser komplettes Angebot gebündelt verfügbar.

Das ist dann auch eine wunderbare Überleitung zu euren sonstigen digitalen Angeboten. Gibt es bestimmte digitale Formate, die für eure Arbeit eine besonders große Bedeutung haben?

André Götze: Absolut, alleine die Online-Schulungen helfen uns sehr. Natürlich wollen wir am liebsten Praxistrainings durchführen, aber wir müssen auch den Alltag einer Werkstatt im Blick haben. Die dortige Arbeit geht natürlich vor. Und da ist eine Online-Schulung mit 60 bis 75 Minuten optimal, um in neue Themen reinzukommen, oder um altes Wissen aufzufrischen und einfach am Ball zu bleiben. Das ergänzt unsere Praxistrainings optimal.

André Götze ist seit 2015 bei Trainmobil und seit 2023 Geschäftsführer.
André Götze ist seit 2015 bei Trainmobil und seit 2023 Geschäftsführer. Foto: Trainmobil

Und wie verhält sich das in der Praxis, Philipp? Gibt es bestimmte Formate oder Bausteine, wo du sagst, die helfen einfach auch Dinge ganz besonders gut zu veranschaulichen?

Philipp Benstein: Natürlich beruhen die Praxistrainings erstmal auf praktischen Erfahrungen: Ich muss die Bauteile anfassen, ich muss die Messungen selbst durchführen, ich muss vielleicht auch das Benzin riechen, um das Ganze vernünftig zu verstehen. Aber zur Veranschaulichung nutzen wir als Trainer durchaus auch digitale Assistenten, etwa aus den Bereichen AR und VR. Wir haben eine 3D-Abteilung, die Bauteile zerlegt und jedes einzelne Bestandteil dieser Komponenten einzeln zeichnet. Dann wird das Ganze digital wieder zusammengefügt und wir können dieses Bauteil als 3D-Modell während der Trainings zeigen. 

Mit Augmented Reality können die Teilnehmer dieses Bauteil dann beispielsweise vor sich auf dem Tisch platzieren und mit ihrer Handykamera das Innenleben erkunden. Virtual Reality wiederum hilft uns, potenziell gefährliche Arbeiten etwa im Bereich der Hochvolt-Trainings zu üben. So kann man zum Beispiel eine Freischaltung mittels einer VR-Brille einmal Schritt für Schritt in sicherer Umgebung durchführen. Auch beim Kamerakalibrieren hilft uns VR, weil die Teilnehmer unter Umständen andere Geräte in ihrem Betrieb haben als die, die wir dabeihaben. Dank VR kann aber jeder den Ablauf trotzdem mit dem ihm vertrauten Equipment erleben. Unsere Trainer sind also mit einem Fahrzeug vor Ort, haben aber in der virtuellen Welt noch sehr, sehr viel mehr Equipment dabei.

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Auch AR- und VR-Konzepte kommen bei den Trainings von Trainmobil zum Einsatz. Foto: Trainmobil

Wie bereits erwähnt spielt auch die Remote-Diagnose für euch eine große Rolle. Wo genau hilft die euch? 

Philipp Benstein: Ja, die Remote-Diagnose ist eine der Unterstützungen, die wir den Werkstätten anbieten. Um einen Schlüssel anzulernen, eine Anhängerkupplung nachzucodieren oder eine Fehlermeldung beim NOx-Sensor zurückzusetzen, müssen Werkstätten damit nicht mehr wie früher den Weg über den Hersteller gehen. Möglich macht das ein VCI (Vehicle-Communication-Interface), das in unserem Shop erhältlich ist. Wir haben in Hamburg ein Remote Center mit über 40 OE-Portalen und Software, auf die wir zugreifen können. Und damit können wir im Grunde genommen alles machen, was auch der Hersteller selbst machen kann. Das spart den Werkstätten enorm Zeit.

Als Teil digitalisierter Prozesse wird auch Künstliche Intelligenz immer mehr zum Faktor. Bei Trainmobil habt ihr mittlerweile eine KI-Assistenten namens Trainbot. Was kann man den fragen und bei welchen Sachverhalten soll der unterstützen?

Philipp Benstein: Grundsätzlich kann ich Fragen stellen und bekomme Antworten, wie bei anderen KI-Agenten auch. Was unseren Trainbot allerdings von anderen unterscheidet, ist, dass er nur auf unser Wissen zurückgreift – sprich auf unsere Datenbank, die wir seit 25 Jahren aufgebaut haben. Einträge in irgendwelchen Internetforen oder sonstigen Quellen bleiben außen vor. Die Antworten, die der Trainbot ausgibt, sind also auf jeden Fall durch unsere Redaktion geprüft. Und dementsprechend kann man sich darauf verlassen, dass es stimmt. Außerdem gibt der Trainbot nicht nur in Textform Antworten, sondern verweist auch auf unsere digitalen Produkte. Das kann eine Schritt-für-Schritt-Anleitung sein oder Bilder eines 3D-Modells oder Videos aus unserer Datenbank. 

Philipp Benstein kümmert sich bei Trainmobil als Projektleiter Trainings um alles, was den Bereich Trainings angeht
Philipp Benstein kümmert sich bei Trainmobil um alles, was den Bereich Trainings angeht Foto: Trainmobil

Ebenfalls Teil der Trainmobil-Zukunft ist ab dem kommenden Jahr ein Baustein, der sich Blended Learning nennt. Wie genau ist der ausgestaltet?

André Götze: Aus unseren Gesprächen mit Werkstätten wissen wir, dass für viele die Zeit der limitierende Faktor beim Thema Weiterbildung ist. Mit dem Blended Learning wollen wir diesem Problem begegnen und haben daher für die Hochvoltstufe S2 ein E-Learning konzipiert, das die acht Einheiten Theorie in Häppchen aufteilt. Die kann sich der Teilnehmer abends zu Hause oder auch in der Mittagspause im Betrieb vorab anschauen, über den KI-Assistenten Fragen stellen und bereits einen Teil der Schulung abschließen. Wenn wir dann zu unseren Großhandelspartnern fahren, brauchen wir gar keinen Theorieraum mehr. Wir gehen sofort ans Fahrzeug, an die Motorenmodelle und arbeiten direkt in der Praxis. Unter dem Strich sparen wir uns einen Tag Abwesenheit in der Werkstatt. 

Lasst uns auch nochmal über eure Partnerschaften sprechen, wie ihr sie unter anderem mit Akteuren wie LKQ, Bosch oder auch mit dem wdk unterhaltet. Wie entstehen diese und wie sieht der gegenseitige Nutzen davon aus?

André Götze: Genau, wie erwähnt arbeitet Trainmobil eng mit dem Großhandel zusammen. Gemeinsam mit dem Großhandelspartner trainieren wir deren Werkstattkunden. Der Großhandel kann seine Kompetenz unter Beweis stellen und sorgt zugleich dafür, dass die Werkstatt seine Teile auch einbauen kann. Das ist also eine Win-Win-Win-Situation: Die Werkstatt wird trainiert, der Großhandel kann seine Teile verkaufen und Trainmobil kann ein Training durchführen. Solche Partnerschaften sind für uns sehr, sehr wertvoll. 

Auch mit Bosch verbindet uns eine Partnerschaft. Trainmobil ist offiziell Bosch-zertifiziert, sodass unsere Trainer im Namen von Bosch Trainings in Deutschland und Österreich geben dürfen. Das ist für uns eine tolle Form der Anerkennung. auf die wir – ähnlich wie auch auf unseren sonstigen Partnerschaften wie etwa die mit dem wdk – sehr stolz sind. 

Zum Unternehmen & zu den Personen
André Götze ist seit 2015 bei Trainmobil tätig. Er war zunächst Leiter des Kundencenters und zuständig für die Planung und den Vertrieb. Als Geschäftsführer agiert er seit 2023. Philipp Benstein kümmert sich als Projektleiter Trainings um alles, was den Bereich Trainings angeht. Bevor er diese Rolle im Jahr 2023 antrat, war er selbst als Mechatroniker in der Werkstatt aktiv. Trainmobil hat insgesamt 35 Mitarbeiter. Davon sind 18 Trainer, die täglich in Deutschland und Österreich Praxistrainings durchführen – und zwar knapp 2.000 Trainings im Jahr bei rund 20.000 Teilnehmern.

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