Ihr Vorgänger Wolfgang Reitzle hat den Aufsichtsrat 16 Jahre lang geprägt. Was nehmen Sie aus seiner Amtszeit mit?
Sabrina Soussan: Ich habe großen Respekt vor der Leistung von Wolfgang Reitzle. Er hat Continental über 16 Jahre mit Weitblick und Bestimmtheit begleitet und wesentlich zur Transformation des Unternehmens beigetragen. Auf diesem Fundament werden wir aufbauen. Gleichzeitig stehen wir heute vor anderen Voraussetzungen: Continental wird erstmals in ihrer Geschichte ein reiner Reifenhersteller. Es sind also andere Antworten gefragt als in der Vergangenheit.
Sie sind seit September 2025 im Aufsichtsrat – wie haben Sie Continental seither wahrgenommen?
Sabrina Soussan: Ich mache mir gern selbst ein Bild und habe die Zeit im Aufsichtsrat von Continental entsprechend genutzt. Auf der ganzen Welt habe ich Standorte und Werke besucht und mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gesprochen – in Deutschland, in China, Portugal oder in den USA. Überall haben mich die Technologien begeistert, die Qualität und der Innovationsgeist. Beeindruckt haben mich die Menschen. Die Leidenschaft der Teams und der Continental-Spirit sind überall spürbar. Das stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft.
Was haben Sie sich für Ihre neue Rolle vorgenommen?
Sabrina Soussan: Ich starte ja in einem ganz besonderen Jahr für das Unternehmen. Continental wird nach dem geplanten Verkauf von ContiTech erstmals ein reiner Reifenhersteller. Globale Entwicklungsmöglichkeiten liegen vor, gleichzeitig erleben wir eine Zeit großer geopolitischer und wirtschaftlicher Herausforderungen. Ein starker und moderner Aufsichtsrat ist nach meiner Überzeugung ein wichtiger Partner für unternehmerischen Erfolg. Ich werde auf dem Erreichten aufbauen und Continental auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft aktiv begleiten. Mit Unternehmergeist, kontinuierlichem Dialog und einem klaren Blick darauf, wo Continental mittel- und langfristig stehen kann.
Verstehen Sie sich in Ihrer Rolle als Aufsichtsratsvorsitzende denn eher als Kontrolleurin oder als strategische Sparringspartnerin des Managements?
Sabrina Soussan: Sowohl als auch. Ich strebe eine Aufsicht an, die hinterfragt und begleitet, die kontrolliert und verbindet, die nah am Geschäft ist, ohne die nötige Distanz zu verlieren. Dafür braucht es Verständnis und Verständigung. In diesem Sinne freue ich mich auf die Arbeit im Gremium und auf den vertrauensvollen Austausch mit dem Vorstandsvorsitzenden Christian Kötz und dem Vorstand. Und natürlich auf den Dialog mit den Vertreterinnen und Vertretern der Beschäftigten. Denn die Mitbestimmung ist mir besonders wichtig. Und eines liegt mir besonders am Herzen: Beiträge zu leisten für die Weiterentwicklung von Menschen – sodass sie ihr Potenzial voll entfalten können und die richtigen Persönlichkeiten an den richtigen Stellen wirken.
Was macht Sie aus Ihrer Sicht besonders geeignet für diese Aufgabe?
Sabrina Soussan: Als ausgebildete Luft- und Raumfahrt- sowie Maschinenbauingenieurin habe ich ein tiefes Verständnis von Technik. Neue Technologien und Nachhaltigkeit begeistern mich. Ich bringe mehr als 20 Jahre Erfahrung in internationalen Führungspositionen und eine entsprechende Vernetzung mit, in der Automobilbranche und aus anderen Industrien wie Gebäudetechnik oder Wasser- und Kreislaufwirtschaft. Ich kenne das operative Geschäft als CEO beispielsweise bei Siemens Mobility, aber eben auch die Arbeit in Aufsichtsgremien, zum Beispiel bei Henkel. Veränderung ist für mich normal. Ich habe sie in mehreren Unternehmen gestaltet, wie bei Siemens oder Suez. All das werde ich einbringen.
Welche Herausforderungen sehen Sie für Continental in den kommenden Jahren?
Sabrina Soussan: Das Umfeld ist komplex und bleibt herausfordernd. Künstliche Intelligenz verändert die Produktion und Entwicklung grundlegend. Wettbewerber aus Asien drängen auf den Reifenmarkt. Und die geopolitischen Spannungen machen den weltweiten Handel schwieriger. Aber aus Erfahrung weiß ich: Wer mutig ist, resilient bleibt, die Fakten klar im Blick behält und das richtige Team um sich herum hat, wird auch in anspruchsvollen Zeiten erfolgreich sein.