Es ist 2026 – muss man beim Thema Digitalisierung im Partnernetzwerk noch wachrütteln, oder ist die Bereitschaft zur Veränderung inzwischen gut ausgeprägt?
Phillip Becker: Die Grundbereitschaft ist heute klar vorhanden. Digitalisierung wird im Netzwerk nicht mehr als reines IT-Thema wahrgenommen, sondern als entscheidender wirtschaftlicher Erfolgsfaktor. Der Fokus hat sich dabei spürbar verschoben: Es geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie – also darum, wie effizient und integriert die Lösungen sind.
Natürlich gibt es im Netzwerk noch unterschiedliche Reifegrade, die von Faktoren wie Betriebsgröße, Nachfolgesituation oder bisherigem Investitionsverhalten abhängen. Hier sehen wir uns als Systemzentrale in der Pflicht: Struktur geben, Prioritäten setzen und den Partnern Orientierung im digitalen Dschungel bieten.
Wo liegen bei den Partnerbetrieben die größten Hürden – bei den Kosten, beim Know-how oder bei den personellen Kapazitäten?
Phillip Becker: Die Herausforderungen sind vielschichtig. Ein wesentlicher Punkt ist die Investitionssicherheit: Viele Partner beschäftigen sich mit Fragen zum Return on Investment, zu laufenden Kosten und zu monatlichen Lizenzmodellen. Hinzu kommt, dass das Tagesgeschäft und knappe Personalressourcen oft so viel Energie binden, dass für umfassende Transformationsprojekte kaum Raum bleibt.
Ein weiterer Hemmschuh ist die Komplexität bestehender Strukturen: zu viele Insellösungen, fehlende Schnittstellen und die daraus resultierende Doppelpflege von Daten. Auch der Faktor Mensch spielt eine Rolle – digitale Kompetenz ist unterschiedlich ausgeprägt, und die Veränderung von Arbeitsweisen ist oft anspruchsvoller als die Technik selbst. Nicht zuletzt beeinflussen Sorgen um Datensicherheit und die Angst vor Fehlern oder Cyberangriffen die Entscheidungsbereitschaft.
Welche Unterstützung bieten Sie Ihren Franchise-Partnern an?
Phillip Becker: Wir setzen auf ein ganzheitliches Paket. Das Herzstück bilden unsere integrierten ERP- und Werkstattsysteme, die Warenwirtschaft, Werkstattsteuerung, Abrechnung, Reporting und Kundenkommunikation auf einer zentralen Plattform bündeln.
Darüber hinaus stellen wir Tools für digitale Kundenprozesse bereit – etwa Online-Terminvereinbarung oder digitale Angebots- und Freigabeverfahren. Entscheidend ist für uns aber, dass wir die Betriebe mit der Technik nicht alleinlassen. Schulungen, intensives Onboarding und der Austausch von Best Practices gehören fest dazu. Unser Anspruch ist echter Partnersupport – keine reine Tool-Überlassung.
KI eröffnet auch im Werkstattgeschäft neue Möglichkeiten. Welche Potenziale sehen Sie – und wie wollen Sie diese heben?
Phillip Becker: KI bietet enormes Potenzial, das wir gezielt als Assistenzsystem in bestehende Abläufe integrieren – wobei der Mensch als Experte stets im Mittelpunkt bleibt. Die Einsatzfelder sind vielfältig: In der Werkstatt beschleunigt KI die Fehleranalyse durch intelligente Diagnosehinweise und Predictive Maintenance. Im Hintergrund optimiert sie Prozesse von der Terminsteuerung bis zur Teileverfügbarkeit. Auch kaufmännische Abläufe wie Angebotskalkulation und Preislogiken lassen sich so verfeinern – ergänzt durch automatisierte Statusinformationen und smarte Assistenzsysteme im Kundenservice. Für uns ist entscheidend, dass KI sinnvoll eingebettet wird. Das erfordert in Teilen auch gezielte Prozessanpassungen – nur so lässt sich der Mehrwert wirklich ausschöpfen.
Abschließend: Wie unterstützen Sie Ihre Partner beim Schutz vor digitalen Bedrohungen?
Phillip Becker: Sicherheit hat für uns oberste Priorität. Für alle Partner, die unser zentrales ERP nutzen, bieten wir eine standardisierte Sicherheitsarchitektur – anstelle unsicherer Insellösungen setzen wir auf zentrale IT-Standards mit höchsten Anforderungen. Dazu gehören ein strenges Zugriffs- und Rechtemanagement mit klarer Datentrennung sowie konsequent DSGVO-konforme Prozesse in sicheren Cloud-Umgebungen. Ein ebenso wichtiger Baustein ist die Sensibilisierung: Wir schärfen das Bewusstsein für Gefahren wie Phishing und die Bedeutung von Passwortsicherheit – denn ein resilienter Verbund beginnt beim einzelnen Nutzer.