Zwei Prüfreihen in 185/65 R15 und 225/50 R17

Viel Mittelmaß und einige Ausreißer im ADAC-Winterreifentest 

ADAC-Winterreifentest 2026Wie bei seinem diesjährigen Ganzjahresreifentest hat der ADAC auch für den Winter die Kleinwagendimension 185/65 R15 gewählt.   Foto: ADAC/Marc Wittkowski

Insgesamt sind es je Testgröße 16 Reifen, die das bekannte ADAC-Procedere durchlaufen. 70 Prozent der Note eines Profils macht das Kapitel Fahrsicherheit aus, das sich wiederum aus der Performance auf trockener (30 Prozent), nasser (40 Prozent) und winterlicher (30 Prozent) Fahrbahn zusammensetzt. Die übrigen 30 Prozent der Gesamtwertung werden durch die Umweltbilanz der Kandidaten bestimmt. Auffällig ist hierbei der Vergleich zwischen beiden Testreihen: Die beste Umweltbilanz unter den 15-Zöllern erreicht der Atlas Polarbear HP mit einer 2,7. Diese Note wird von mehr als der Hälfte der 17-Zoll-Kandidaten unterboten, wobei der Dunlop Winter mit einer 1,8 glänzt. Alles in allem zeigt sich ein ähnliches Bild wie in den Vorjahren: Mitunter beeinträchtigt die Umweltbilanz die Gesamtbewertung eines Reifens durchaus, der Hauptgrund für schlechte Beurteilungen bleiben jedoch – wesentlich bedingt durch die Gewichtung von 70 Prozent – Defizite in der Fahrleistung.  

Nur zwei gute 15-Zöller – Linglong und Optimo fallen positiv auf

Souveräner Testsieger in der Größe 185/65 R15 wird der bereits vielfach triumphierende Continental WinterContact TS 870 (Note 2,2). „Er zeigte ausgewogene und durchweg gute Leistungen auf allen Untergründen und eine ordentliche Umweltbilanz”, so das ADAC-Fazit. Halbwegs mithalten kann da nur der Michelin Alpin 7 (Note 2,5), der allerdings „leichte Abstriche beim Handling auf Schnee” machen muss. Abgesehen von immerhin fünf als „befriedigend” eingestuften Profilen – namentlich Hankook Winter i*cept RS3, Linglong Sport Master Winter, Optimo Winter Touring OW41, Goodyear UltraGrip Performance 3 und GT Radial Winterpro2 Evo – fällt die ADAC-Bilanz für diese Testgröße ansonsten recht trist aus. Neun der 16 getesteten 15-Zoll-Gummis kann der Automobilclub nicht empfehlen und disqualifiziert das Trio Sunny Winter-max NW611, Atlas Polarbear HP und Rockblade Rock 868S aufgrund seiner schwachen Nässeperformance gar als „mangelhaft“. Bei den sechs „ausreichenden” Kandidaten – darunter die selbsterklärten Winterexperten von Nokian Tyres – sind es hingegen überwiegend die Leistungen auf trockener Strecke, die bessere Platzierungen verhindern. 

Ein weiterer Faktor für die insgesamt dürftigen Ergebnisse der 15-Zöller findet sich im Unterkapitel Wirtschaftlichkeit. „Die Kleinwagenreifen kommen im Schnitt auf eine prognostizierte Laufleistung von rund 31.000 Kilometern, am unteren Ende der Bewertung landet der Bridgestone Blizzak LM 005 mit mageren 22.000 Kilometern”, kritisiert der ADAC. Der Bridgestone-Pneu fährt damit die schlechteste Umweltbilanz der kleinen Testgröße ein (3,8), die damit zugleich seine Gesamtnote negativ beeinflusst. Als Vergleich führen die Tester die erwartbare Laufleistung der 17-Zöller an: Diese halten im Schnitt mehr als 45.000 Kilometer, weshalb der ADAC konstatiert: „Bei den Kleinwagenreifen legen die Ergebnisse nahe, dass diese Dimension bei den Herstellern nicht so stark im Fokus steht wie andere Reifengrößen.” Der Automobilclub erneuert damit seine Kritik, die er bereits mit Blick auf die Resultate seines Ganzjahresreifentests in der gleichen Größe im Sommer geäußert hatte. 

ADAC-Winterreifentest 2026
Bei winterlichen Bedingungen sind alle 15-Zöller im Test mindestens „befriedigend”. Foto: ADAC/Mark Wittkowski

Falken und Toyo patzen auf winterlicher Fahrbahn

„Etwas besser” sind laut ADAC derweil die Ergebnisse in der zweiten Testdimension 225/50 R17: Gleich vier Reifen verdienen sich das Urteil „gut”. An die Spitze fährt der Nässespezialist Pirelli Cinturato Winter 3 (Note 2,2), der sich knapp vor den Continental WinterContact TS 870 (Note 2,3) und den Goodyear UltraGrip Performance 3 (Note 2,4) schiebt. Ein weiteres Mal einen Platz in der Spitzengruppe sichert sich zudem der Michelin Alpin 7 (Note 2,5). Gleich sechs Reifen sind nach Ansicht des ADAC ferner „befriedigend”, wobei die Kandidaten die entsprechende Einstufung überwiegend aufgrund ihrer Leistungen bei winterlichen Bedingungen erhalten. Vor allem der Bridgestone Blizzak LM 005 sowie der Hankook Winter i*cept RS3 performen in den Nässe- und Trocken-Kategorien ansonsten auf Augenhöhe mit dem Spitzenquartett. Mit dem Dunlop Winter und dem Vredestein Wintrac Pro+ verliert hingegen auch ein „befriedigendes” Duo vor allem auf trockener Piste einige Punkte. 

Hinter den zehn „guten” und „befriedigenden” – und damit vom ADAC empfohlenen – Profilen klafft eine deutliche Lücke. Der Wertungskorridor „ausreichend” ist in 225/50 R17 nicht besetzt, weil die Leistungen der übrigen Kandidaten von den Testern als schlicht „mangelhaft” bewertet werden. Kritisiert wird dabei insbesondere die fehlende Ausgewogenheit. Zu den vom ADAC abgestraften Reifen gehören der Falken Eurowinter HS02 Pro (Note 4,8) und der Toyo Observe EWS1 (Note 5,3), die beide auf winterlicher Piste ins Abseits fahren. Bei diesen Bedingungen hat auch der Tracmax Ice-Plus S210 so seine Probleme, kann darüber hinaus aber auch bei Nässe nicht überzeugen (Note 5,4). Auch der Royal Black Royalwinter UHP (Note 5,5) erweist sich auf nasser Piste als nicht konkurrenzfähig, während beim Aptany RW211 (Note 5,4) und beim Sunwide Snowide (Note 5,5) die vom ADAC bemängelte Unausgewogenheit exemplarisch deutlich wird: Spitzenleistungen auf winterlicher Strecke stehen Schwächen im Trockenen und „gravierende Defizite” auf nasser Fahrbahn gegenüber. 

Weniger Profiltiefe gleich weniger Leistung?

Im Zuge der Veröffentlichung seines großen Winterreifentests erinnert der ADAC zudem an seine Empfehlungen zum Austausch von Winterreifen: Diese sollten laut den Experten nicht älter als acht Jahre sein und ferner bei weniger als vier Millimetern Profiltiefe ersetzt werden. Die letztgenannte Einschätzung sehen die Verantwortlichen durch eine eigene Untersuchung bestätigt: Mehrere Vertreter der getesteten Kleinwagengröße 185/65 R15 wurden im Neuzustand (ca. 8 Millimeter) sowie mit 4 und 2 Millimetern Restprofil eingehend geprüft. In dieser speziellen Anordnung angetreten sind die Modelle Bridgestone Blizzak LM 005, Kumho WinterCraft WP52+, Linglong Sport Master Winter, Michelin Alpin 7 und Vredestein Wintrac, wobei es laut ADAC „nicht in erster Linie darum ging, den Verschleiß bei einer bestimmten Marke zu bewerten, sondern vielmehr darum, grundsätzliche Tendenzen zu erkennen, ob und wie sich zunehmende Abnutzung auf die Fahrsicherheit auswirkt”.

ADAC-Test
Performance-Veränderungen von Winterreifen mit nur noch 4 respektive 2 Millimeter Restprofil. Foto: ADAC-Screenshot

Und diese Tendenzen fallen laut ADAC eindeutig aus: „Wichtige Sicherheitsreserven gehen bereits lange vor der gesetzlichen Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern verloren”, so das Fazit. Der Automobilclub führt auf seiner Seite aus: „Es ist zwar so, dass die getesteten Winterreifen auch auf schneebedeckter Fahrbahn nachlassen. Die Untersuchung zeigt aber: Die stärksten Sicherheitseinbußen treten auf nasser Fahrbahn auf, insbesondere beim Aquaplaning kann es kritisch werden. Und: Während sich einzelne Werte wie die Seitenführung oder der Bremsweg oft nur moderat verschlechtern, nehmen die Sicherheitsreserven in komplexen Fahrsituationen deutlicher ab.” An seiner Empfehlung, Winterreifen ab weniger als vier Millimetern Profiltiefe auszutauschen, hält der ADAC daher fest. 

ADAC-Winterreifentest 2026
ADAC-Winterreifentest 2026

Ähnliche Artikel

04.03.2026, 06:05 8 Min.
Spitzenplätze für Hankook Ventus evo und Conti SportContact 7 
Test-Doppelpack der AutoBild-Gruppe
ADAC Sommerreifentest
25.02.2025, 01:11 3 Min.
Zwei Reifen mit “sehr guter” Bilanz im Bereich Fahrsicherheit
ADAC-Sommerreifentest 2025: Elf Reifen überzeugen
SUV_Winterreifentest_Allrad
10.10.2024, 02:05 3 Min.
“Billigprofil” Imperial Ice-Plus S210 ist keine Allrad-Option
Autobild Allrad testet 12 Winterreifen
23.09.2026, 07:30 4 Min.
Pirelli Cinturato Allseason SF3 ist „Referenz im Allseason-Segment“
AutoZeitung-Ganzjahresreifentest 2026