Es ist ein Auto mit Legendenstatus. Über 21 Millionen Mal wurde es weltweit verkauft und ziert das ein oder andere Oldtimer-Museum. Markant im Design und nicht zu übersehen, sticht es besonders durch seine rundliche Silhouette mit den hervorstehenden Kotflügeln und der geschwungenen Fronthaube hervor. Die Rede ist natürlich vom VW Käfer. Und auch in Sachen Performance setzt er das ein oder andere Zeichen. Mit 300 PS und einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in nur 4,1 Sekunden rast er seiner Konkurrenz schon mal davon, alles dank Tesla-Antrieb unter der Haube. Ein Tesla-Antrieb in einem Käfer? 300 PS? Das geht! Und möglich macht es ein kleiner Betrieb aus Herford.
Neueste Technik in alter Hülle
Von außen wirkt der Betrieb unscheinbar. Lässt man die vor dem Tor parkenden Porsche außer Acht, könnte es eine beliebige Lagerhalle sein. Doch hinter den Toren arbeiten Ingenieure daran, Oldtimern ein neues, vollelektrisches Leben einzuhauchen. ESDI EV Technologies heißt die noch recht junge Firma, die Elektroingenieur Alexander Lührmann 2022 gegründet hat. Zusammen mit seinem Team stattet er Oldtimer mit Elektroantrieben aus. Die Idee stammt noch aus seiner Zeit an der Universität. Mittlerweile wurde aus der Idee ein kleiner Betrieb mit vier festen Angestellten.
Neueste Technik in alten Hüllen; gebaut wird für den Alltagsbetrieb und nicht nur für die Schönwetterfahrt. Das Angebot reicht von fertig elektrifizierten Oldtimern – sofort fahrbereit mit TÜV-Zulassung – bis zu Umrüstkits zum Selbsteinbau. All das geschieht in der eigenen Werkstatt. Für die Umrüstung nutzt das Team modernste Software, um Bauteile auf das jeweilige Fahrzeugmodell abzustimmen. Vom ersten Konzept bis zur TÜV-konformen Fertigung planen sie jedes Detail digital. Zurzeit befinden sich im Portfolio unter anderem der Porsche 911, der VW Käfer und der VW T1 Bulli. Modelle in der Größe Porsche und Käfer werden mit neuester 400-Volt-Technik ausgestattet, wie sie beispielsweise gerade im Porsche Taycan eingesetzt wird. Verbaut werden Antriebe von Tesla, die des Model S oder Model 3.
„TÜV-Approved“ von Deutschland in die Welt
Was sich erstmal simpel anhört, kann in der Praxis schon einmal dauern. Von der ersten Anfrage bis zur Auslieferung vergehen bis zu vier Monate. „Es kommt darauf an, ob wir das schon mal gemacht haben. Für eine Neuentwicklung brauchen wir ein paar Monate. Schließlich haben wir ja auch nur begrenzte Kapazitäten", berichtet Lührmann. Einen Käfer hätten sie allerdings immer auf Lager, die Lieferzeit betrage vier bis fünf Wochen: „Wenn es technisch anspruchsvollere Autos sind, wie der Porsche 911, dann sind das auch mal drei bis vier Monate. Das sind realistische Rahmen mit TÜV und allen Abnahmen, die man so hat.“ Am TÜV führt natürlich kein Weg vorbei, was aber auch von Vorteil sein kann. "German TÜV-Approved ist eine Besonderheit", so Alexander Lührmann. „Jedes Auto, das wir umbauen, muss vom TÜV abgenommen werden. Das ist natürlich auch ein gutes Selling, auch im Ausland.“ Zurzeit arbeiten sie an einem neuen Projekt, einem Defender, der nach Südafrika geliefert werden soll. „Wir sind in Kooperation mit dem TÜV Nord. Wir haben Prüfer in der Umgebung, mit denen wir das zusammen machen. Auch bei der Entwicklung eines Kits für den Umbau wird eng mit dem TÜV zusammengearbeitet. Simulationen und Analysen – alles wird den Verantwortlichen vorgezeigt“, erläutert Lührmann.
Der reguläre Kunde ist entsprechend exklusiv: Oldtimer-affin, über 50 Jahre alt und mag E-Mobilität. Für Alexander Lührmann ist das kein Widerspruch. Manchmal gebe es auch jüngere Interessenten, die kämen aber eher aus der Tech-Branche. Zwar ließen sich auch schon Frauen für die E-Oldtimer begeistern, aber: „Wir haben noch nicht eine einzige Frau als Rechnungsadresse gehabt“, so der Geschäftsführer. Aber nicht jede Anfrage ist erfolgreich und endet in einem Kauf: „Manchmal ist es halt der Preis.“ Ein Umrüstkit für den VW-Käfer, exklusive Montage, startet mit Preisen ab rund 30.000 Euro, beim Porsche geht es bei rund 45.000 Euro los.
Social Media ist ein „No-Brainer“
Um die Wägen an den Mann zu bringen, ist das Team maßgeblich online unterwegs, wie Lührmann erzählt. Auf YouTube und Instagram berichten sie aus der Werkstatt oder von der Straße, und das auch schon mal von der Rennstrecke. Mit einem elektrifizierten Porsche 911 starteten sie 2025 bei der ADAC 24h e-competition auf dem Hockenheimring und teilten ihr Erlebnis auf dem YouTube-Kanal. Dieser zählt zurzeit rund 8.400 Abonnenten und habe sich zu einem wichtigen Vertriebskanal entwickelt; ohnehin ist Social Media mittlerweile ein entscheidender Faktor für die Bekanntheit des jungen Unternehmens. Da der Kundenkreis aber oft eher analog bzw. offline unterwegs sei, spielen auch klassische Formate wie Printmedien eine Rolle. „Wir haben es auch mal im Fernsehen versucht“, so Lührmann. Ansonsten scheue man auch nicht den direkten Kontakt mit der Szene auf Porsche- und Käfertreffen. Messen sind zwar für das kleine Team nicht unwichtig, sie bringen aber auch Probleme mit sich. „Messen legen den Betrieb immer relativ lange lahm und kosten viel Geld", konstatiert der Firmenchef. Doch nicht nur finanziell erwiesen sie sich bereits als schwierig.
„E-Auto-Fahren ist wie Bonbon essen mit Papier“
Das E-Auto ist nach wie vor ein politisches Thema, hier scheiden sich bekanntlich die Geister. Und wenn E-Mobilität auf Oldtimer trifft, macht man sich nicht nur Freunde, wie es auch das Team von ESDI EV Technologies erfuhr. Mit der Zeit bekam Alexander Lührmann durchaus Zuspruch für sein Projekt: „Ein paar Skeptiker konnten wir mittlerweile überzeugen.“ Aber die Konfrontation blieb ihm nicht erspart, sowohl online, als auch im direkten Kontakt auf Messen: „Euch sollten sie einsperren, Berufsverbot erteilen. E-Auto-Fahren ist wie Bonbon essen mit Papier!“ Einige Anmerkungen gingen auch deutlich unter die Gürtellinie, wie Lührmann erzählt. Bis heute muss er sich die eine oder andere Anfeindung anhören. „Entweder man liebt es oder man hasst es, dazwischen ist wenig", resümiert er. Gerade für die Porsche-Modelle kam online wenig Begeisterung auf, die Kommentare auf Social Media waren wenig positiv. Der VW Käfer komme mittlerweile besser an: „Wir haben jetzt auch schon viele Käfer umgebaut, jeder hat es mal mitbekommen, und sie machen auch viel Spaß.“ Zur generellen Skepsis kam ihm mit der Zeit auch die politische Lage in die Quere. Im Zuge der Präsidentschaftswahlen in den USA polarisierte Tesla-CEO Elon Musk und schadete damit der Marke an sich, insbesondere im europäischen Raum. Das spürte auch das Team von Alexander Lührmann: „Es ist sehr krass geworden. Früher war der Tesla-Antrieb ein Selling-Point.“ Nun würden Kunden vereinzelt auch fragen, ob es wirklich ein Tesla-Antrieb sein muss. Daher bestand auch schon die Idee, den Namen anzupassen: „Unsere Drive-Unit auf Basis eines Tesla-Motors.“ Wenn die Marktreife kommt, könne er sich auch vorstellen, Antriebe von VW in Fahrzeuge zu verbauen, beispielsweise den des ID.7. Trotz aller Leidenschaft zieht aber auch Alexander Lührmann bei manchen Fahrzeugen eine rote Linie. Draußen vor der Halle steht ein alter Ferrari. Die Frage, ob sein Team diesen auch umbauen wird, verneint er lachend. „Wenn wir das tun, steht einen Tag später wahrscheinlich die italienische Mafia vor unserer Tür.“