Von Raunheim bei Frankfurt aus steuert das neu formierte Geely-Deutschland-Team um Managing Director Zack Zhang und Executive Director Philipp Hempel die hiesigen Geschäfte. Am dortigen Standort ist Geely bereits seit 2018 aktiv, wobei die Niederlassung ebenso wie die Engineering-Standorte im schwedischen Göteborg sowie im britischen Coventry zur Einheit Geely Technology Europe (GTEU) – der europäischen F&E-Organisation – gehört. Diese Struktur sowie die in den letzten Jahren gesammelten Erfahrungen werden seitens der Verantwortlichen dezidiert hervorgehoben, wenn es um die Ambitionen in Deutschland und Europa geht. Gleiches gilt auch für die strategische Ausrichtung und das auf Konstanz ausgerichtete Vorgehen der Marke. „Deutschland ist für Geely einer der wichtigsten Märkte in Europa. Unser Ziel ist es, langfristiges Vertrauen aufzubauen – mit innovativen Produkten, hoher Qualität, starken Handelspartnern und einem kundenorientierten Vertriebs- und Servicekonzept. Wir kommen nicht mit einer kurzfristigen Perspektive, sondern mit dem klaren Anspruch, uns nachhaltig als relevanter Akteur im deutschen Automobilmarkt zu etablieren“, betont Zack Zhang.
Vollfunktionsbetriebe im Fokus
In puncto Vertrieb setzt Geely dabei auf klassische Autohausgruppen. „Wir wollen Händler mit Lust auf uns und auf Wachstum”, gibt Philipp Hempel die Richtung vor. Mit der Aachener Kohl-Gruppe wurde der erste Vertriebspartner bereits gefunden, weitere zehn gehen laut Hempel bis Ende des Monats ans Netz. Hinzu kommen 30 Akteure, die bereits entsprechende Verträge unterschrieben haben. Die Zielmarke von 50 Partnern bis Ende dieses Jahres erscheint damit absolut erreichbar. Bis Ende 2027 soll diese Zahl dann auf 150 verdreifacht werden. „Der Fokus liegt auf Vollfunktionsbetrieben, die Verkauf und Service aus einer Hand anbieten”, führt Philipp Hempel aus. Daher gelte: kein Neuwagenvertrag ohne Servicevertrag! Als vertrauensförderndes Signal – insbesondere gegenüber dem Handel – betrachten die Verantwortlichen die geplante Einrichtung eines Zentrallagers in Deutschland. Passende Standorte werden aktuell geprüft, um noch in diesem Jahr Vollzug zu melden. Noch erfolgt die Teileversorgung über das europäische Zentrallager in Amsterdam.
Zügiger Ausbau der Modellpalette
Modellseitig setzt die Marke zum Start zunächst auf den vollelektrischen E5 sowie den Plug-in-Hybrid Starray EM-i. Letzterer soll laut Senior Product Manager Michael Jürgens die vielfach noch vorhandene „Reichweitenangst” auf Kundenseite minimieren: Mehr als 1.000 Kilometer soll das Modell vollgeladen und vollgetankt absolvieren können. Philipp Hempel bezeichnete die Fahrzeuge als – im positiven Sinne – „Brot-und-Butter-Autos”. Noch im dritten Quartal wird das Portfolio zudem um den E2 – „unseren Superstar in China”, wie Zack Zhang ihn nennt – ergänzt. „Damit erweitern wir unser Sortiment gezielt nach unten”, erläutert Michael Jürgens. Zwei weitere PHEV stehen ferner für Ende dieses Jahres respektive Anfang kommenden Jahres in den Startlöchern. Durch die sukzessive Einführung weiterer Neuheiten will Geely in fünf Jahren eine komplette Produktpalette über alle Fahrzeugsegmente hinweg anbieten können.
Dieser Schritt soll dabei auf das übergeordnete Ziel von Geely einzahlen, bis 2030 ein Drittel des Geschäfts außerhalb Chinas zu machen. Im ersten Quartal 2026 standen 709.358 abgesetzte Einheiten auf dem Heimatmarkt rund 203.000 exportierten Fahrzeugen gegenüber. Mit diesem Start zeigen sich die Verantwortlichen überaus zufrieden. Um daran anknüpfen zu können, laufen in Kürze umfangreiche Marketing-Kampagnen an, um die insbesondere endkundenseitig noch kaum vorhandene Bekanntheit zu fördern. Die im Gespräch mit potenziellen Handelspartnern durchaus wirksame Zugehörigkeit zur Geely Holding Group – mit ihren weiteren Marken Zeekr, Lynk & Co, Volvo und Polestar sowie Joint Ventures mit Mercedes-Benz und Renault – ist auf B2C-Ebene kein Faktor.