„Der ZKF-Branchentreff, bei dem das Netzwerken, der kollegiale Austausch, eine aktuelle Themenauswahl an Fachvorträgen des herstellenden und reparierenden Karosserie- und Fahrzeugbaus sowie Fachbesuche bei Ausstellern der Branche rund um das Automobil im Vordergrund stehen, wird neben der im September stattfindenden Automechanika das größte Event des ZKF-Jahres werden,“ so Arndt Hürter im Vorfeld der Veranstaltung. Die als Veranstaltungsort gewählten MMC Studios in Köln Ossendorf erwiesen sich als passende Location für den fachlichen Austausch der teilnehmenden Akteure aus dem reparierenden Karosserie- und Fahrzeugbau. Das Film- und Fernsehgeschäft wandelt sich aktuell ebenso schnell wie das Karosserie- und Kfz-Servicegewerbe. „Wir haben ein wahnsinniges Tempo im Markt”, bekräftigte ZKF-Präsident Hürter im Rahmen seiner Begrüßungsrede. Die Branche muss sich an neue Marktgegebenheiten anpassen, die besonders durch einen hohen Kosten- und Verordnungsdruck, den Einfluss der Versicherungsunternehmen sowie eine zunehmend schwierige Zusammenarbeit mit den OEMs geprägt sind. „Es ist nicht mehr so partnerschaftlich, wie es mal war”, formulierte Arndt Hürter in Richtung der Erstausrüster.
Gerade diese Partnerschaftlichkeit wurde im Rahmen des ZKF-Branchentreffs in Köln in wiederholter Form beschworen. Der ZKF-Vorstand, bestehend aus Hürter, Claus Evels, Ulrich Schäfer, Maximilian Mayrhofer und Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm, sieht sich aber mit Herausforderungen konfrontiert, die nicht nur aus dem zunehmend schwierigen Verhältnis zwischen Industrie und Werkstatt erwachsen, sondern sich durch die gesamtwirtschaftliche Situation sowie den auf europäischer Ebene gesetzten politischen Handlungsrahmen verschärfen. „Brüssel wird immer wichtiger”, so Hürter, der damit nicht nur die bürokratischen Hürden und Verordnungen zu Dokumentations- und Nachweispflichten meint. Der ZKF will die Bedürfnisse der Karosserie- und Fahrzeugbauer zentral artikulieren und im Sinne der Branche als wirksame Instanz dienen – gegenüber Politik, Industrie und den Versicherern. Dass dies in einem sich konsolidierenden Markt ein Kraftakt ist, wurde auch in Köln deutlich. Neue Allianzen werden gebildet, um dem Kostendruck besser begegnen zu können.
Die Vielzahl an Verordnungen kann für Betriebe ruinös sein, darauf wiesen die ZKF-Verantwortlichen erneut hin. Ihre Wut auf die von der Bundesregierung ins Spiel gebrachte steuer- und abgabenfreie 1.000-Euro-Entlastungsprämie formulierten sie erneut in deutlicher Form. Auch der geladene Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Jörg Dittrich, bezeichnete das Vorhaben als „unredlich” – wie wir mittlerweile wissen, hat der Bundesrat das Instrument gestoppt. Zumindest diesbezüglich haben die politischen Handlungsträger auf Länderebene die Belange des mittelständischen Handwerks erkannt. Auf Bundesebene regiert aber auf wirtschaftspolitischer Ebene weiterhin Ratlosigkeit. Dass hierzulande aber gerade die „Hidden Champions” des Mittelstandes Motoren und Rückgrat der Wirtschaft sind, benannten Dittrich wie auch ZKF-Präsident Hürter. Pessimismus sei keine Option, so der eindringliche Appell der Funktionäre unter Rückbezug auf Generationen, die in früheren Zeiten vor noch größeren Herausforderungen gestanden hätten. Vor den politischen Akteuren, die pessimistische Stimmungen im Land anheizen, warnten beide. Den Populisten dürfe nicht der rote Teppich ausgerollt werden. Europa und der freie Markt bilde seit jeher die Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung. Eine zentrale Frage formulierte Jörg Dittrich: „Können wir einen breiten gesellschaftlichen Konsens finden?” Bedeutsam sei auch der Aspekt der Selbstwirksamkeit: „Wir können selbst etwas bewegen”, so Dittrichs dringlicher Aufruf. Im Handwerk und Karosserie- und Fahrzeugtechnik-Gewerbe zeugen die Unternehmensgeschichten von eben dieser Tatkraft, was das ZKF-Branchenevent und auch das abends gefeierte 100-jährige Jubiläum der Karosseriebauer-Innung Köln im wunderschönen Ambiente des Veranstaltungsortes Flora eindrücklich zeigten.