„Zulieferunternehmen kämpfen um ihre Existenz“

wdk wirft Automobilherstellern mangelnde Solidarität vor

Boris_Engelhardt_wdkBoris Engelhardt, wdk-Hauptgeschäftsführer, sieht eine Zäsur in der Beziehung zwischen deutschen Automobilherstellern und ihren Zulieferern.  Foto: Daniel Lorenz

Die deutsche Zulieferindustrie macht seit langem durch Negativschlagzeilen von sich reden. Zuletzt verzeichnete ZF einen Konzernverlust von 2,1 Milliarden Euro, getrieben von der vorzeitigen Beendigung mehrerer Projekte im Bereich der elektrifizierten Antriebstechnologien. Eine signifikante Besserung des Geschäfts ist nicht in Sicht, Personal soll weiter abgebaut werden. Auch der Autozulieferer Aumovio, der seit dem Continental-Spin-off als eigenständiges Unternehmen tätig ist, kämpfte zuletzt mit einer negativen Entwicklung in allen Kernbereichen. Nach einem konzernweiten Umsatzrückgang im Geschäftsjahr 2025 blickt der Automobilzulieferer zudem skeptisch auf das Jahr 2026. Auch das Geschäft der Autohersteller kommt nicht aus der Krise. Laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) wurden im Jahr 2025 in deutschen Pkw-Werken zwar insgesamt 4,15 Millionen Fahrzeuge gefertigt, damit bewegt sich die Pkw-Fertigung allerdings weiterhin deutlich unter dem Niveau des Jahres 2019. Auch 2026 begann bereits schwach. Im ersten Quartal 2026 wurden zuletzt 2 Prozent weniger Autos produziert als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Massive Gewinneinbrüche bei Volkswagen, Mercedes und Co. komplementieren das präkere Bild der Industrie, obschon sie ihre Auslandsproduktion teilweise weiter stärken konnten. Zudem drängt mit Herstellern wie BYD, Xpeng und Co. die chinesische Konkurrenz auf den deutschen Markt und konnte zumindest in Sachen Neuzulassungen bereits an Boden gewinnen.

Die ohnehin angespannte Situation werde zurzeit seitens der Autohersteller gegenüber den Zulieferern noch zusätzlich verschärft, konstatiert der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie. Hauptgeschäftsführer Boris Engelhardt kritisiert die Automobilhersteller entsprechend und wirft ihnen mangelnde Solidarität vor. Er beschreibt eine Zäsur in der Beziehung zwischen deutschen Automobilherstellern und ihren Zulieferern. Erstere würden letztere zunehmend unter Druck setzen: „Unsere Analysen zeigen, dass sich die geschäftliche Entwicklung der Automobilhersteller seit 2025 erstmals von der ihrer Zulieferer in Deutschland abkoppelt. Hersteller wachsen, deutsche Zulieferer schrumpfen. Dass in dieser Situation die Automobilhersteller von ihren Zulieferern massive finanzielle Zugeständnisse verlangen, ist fahrlässig. In jedem Fall aber für diese existenzgefährdend.“

Automobilunternehmen und ihre Zulieferer hätten über viele Jahrzehnte ihre Stärken vereint. Das habe die deutsche Automobilbranche global federführend gemacht. Gemeinsam habe man sich auch der Marktentwicklung angepasst. „Dass die deutschen Automobilhersteller heute rein kostengetrieben agieren, beendet diese erfolgreiche Kooperation und gefährdet die Zukunft Deutschlands als Standort für innovative Kfz-Zuliefer-Produktion“, so Engelhardt weiter. Die vielen disruptiven, globalen Schocks hätten seit 2019 die Zulieferer gezwungen, ihre Kapazitäten zurückzufahren. Dennoch sei man maximal flexibel und lieferfähig geblieben. Die Grenzen des Machbaren seien jetzt aber erreicht. 65 Milliarden Abschreibungen aus 2025 auf Seiten der Automobilindustrie hätten ihre Ursachen in fehlender Technologieoffenheit und Weitsicht staatlicher Mobilitätsregulierung. „Die aktuellen Effekte sollten nicht überraschen. Wir haben schon vor über zehn Jahren davor gewarnt. Die Antwort auf die nun durch die normative Kraft des Faktischen erzwungenen Kapazitätsanpassungen kann es aber nicht sein, massive Preisnachlässe auf laufendes Geschäft von den geschrumpften Zulieferern einzufordern. Jetzt sind die Automobilhersteller am Zug. Solidarität ist keine Einbahnstraße“, so Engelhardt abschließend.

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