Herr Horvat, Encory ist auf Ersatzteile für Fahrzeuge der Marken BMW und Mini spezialisiert. Welche Anwendungsbereiche deckt das Portfolio ab?
Oliver Horvat: Encory ist der Hidden Champion, wenn es um intelligente Ersatzteillösungen für BMW- und Mini-Fahrzeuge geht. Dabei spielt vor allem unser BMW-Hintergrund eine Rolle, da Encory ein Joint Venture der BMW AG und Interzero ist. Unser Portfolio deckt eine große Bandbreite ab – von klassischen Ersatzteilen wie Anlassern bis hin zu komplexen Baugruppen wie Verteilergetriebe. Wir liefern nicht nur Teile, sondern echte Problemlöser. Wir sind zudem stark im Bereich industriell wiederaufbereiteter Komponenten – nachhaltig, hochwertig und perfekt abgestimmt auf die Fahrzeuge unserer Kunden – angefangen von den frühen E-Baureihen bis hin zu den aktuellen G-Baureihen.
Welche Möglichkeiten eröffnet diese Spezialisierung? Auch hinsichtlich der Abgrenzung gegenüber anderen Anbietern wiederaufbereiteter Teile?
Oliver Horvat: Unsere Spezialisierung ist unser größter Vorteil – denn wir kennen BMW- und Mini-Fahrzeuge bis zur letzten Schraube. Das eröffnet uns die Möglichkeit, Remanteile nicht nur zu liefern, sondern sie gezielt zu optimieren. Wir wissen, welche Teile besonders beansprucht werden, wo typische Schwachstellen liegen und wie man sie besser macht. Im Vergleich zu anderen Anbietern von wiederaufbereiteten Teilen punkten wir mit echter OE-Kompetenz, tiefem Markenverständnis und einem Qualitätsanspruch, der sich an den Standards der Fahrzeughersteller orientiert. Das ist kein Flickwerk – das ist Premium-Wiederaufbereitung.
Auch unsere Perspektive aus der Beratung zum Thema Wiederaufbereitung – von der Produktauswahl, der Lieferantenauswahl, der Beratung zum Make-oder-Buy-Ansatz, der technischen Bewertung der Produkte sowie der kontinuierlichen Betreuung der Produkte durch unser Produktmanagement-Team für andere Kunden, hat uns im Aufbau unseres eigenen Portfolios sehr geholfen.
Nachhaltige Lösungen wie Reman-Teile gewinnen bei vielen Akteuren aus ökologischer wie auch aus ökonomischer Sicht an Bedeutung. Profitiert Encory von dieser Entwicklung? Und wie sieht die preisliche Positionierung der Produkte aus?
Oliver Horvat: Absolut – der Trend zur Nachhaltigkeit spielt uns in die Karten. Reman-Teile sind nicht nur ökologisch sinnvoll, weil sie Ressourcen schonen und CO2 einsparen, sondern auch ökonomisch attraktiv. Unsere Kunden profitieren doppelt: Sie erhalten hochwertige, geprüfte Komponenten in Originalqualität – und das zu einem deutlich günstigeren Preis als bei Neuteilen. Encory positioniert sich hier bewusst im Premiumsegment der Wiederaufbereitung und steht für echte Freude an Nachhaltigkeit: Unsere Produkte sind keine Kompromisslösung, sondern eine smarte Alternative für alle, die bei ihrem Fahrzeug Wert auf Qualität, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit legen.
Gibt es einzelne Produkte mit einer besonders hohen Nachfrage?
Oliver Horvat: Ja, definitiv – es gibt echte Renner in unserem Portfolio. Besonders gefragt sind Komponenten, die stark beansprucht werden und teuer in der Neuanschaffung wären. Dazu zählen unter anderem Turbolader und Getriebekomponenten. Für das Verteilergetriebe beispielsweise, das in Fahrzeugen mit Allrad verbaut ist, haben wir eine attraktive Lösung für den Kunden geschaffen. Unser Produkt ermöglicht der Werkstatt eine deutlich kürzere Durchlauf- sowie Belegzeit der Hebebühne und bietet dem Kunden eine schnellere Reparatur.
Wie läuft die Zusammenarbeit mit Werkstätten und Großhändlern? Auf welche Vermarktungskanäle setzen Sie?
Oliver Horvat: Unsere Zusammenarbeit mit Werkstätten und Großhändlern ist partnerschaftlich, praxisnah und digital gedacht. Der Dialog mit unseren Kund:innen und Partnern ist zentraler Bestandteil unserer täglichen Arbeit – wir hören genau hin und analysieren die Stimmen aus dem Markt. Dieses direkte Feedback fließt systematisch in unsere Produkt- und Systementwicklungen mit ein. Wir verstehen somit ihre Herausforderungen – Zeitdruck, Kostendruck, Verfügbarkeit und Qualitätsanspruch – und liefern deshalb genau die Lösungen, die sie brauchen. Unsere Produkte sind über etablierte Großhändler verfügbar, aber auch über digitale Plattformen und E-Commerce-Kanäle. Dabei setzen wir auf Transparenz, schnelle Verfügbarkeit und technische Unterstützung. Kurz gesagt: Wir sind da, wo unsere Kunden uns brauchen – ob online oder direkt vor Ort in der Werkstatt.
In welche Richtung soll das Angebot künftig weiterentwickelt werden? Wo sehen Sie Chancen für Encory?
Oliver Horvat: Wir sehen großes Potenzial in der intelligenten Verknüpfung von Daten, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Künftig wollen wir unser Portfolio gezielt erweitern – etwa um weitere Elektronikkomponenten, komplexe Baugruppen, neue Fahrzeuggenerationen und datenbasierte Services rund um den Teilelebenszyklus. Auch der Ausbau unseres internationalen Netzwerks steht auf der Agenda. Die größte Chance für Encory liegt darin, die Kreislaufwirtschaft im Automotive-Bereich aktiv mitzugestalten – mit Produkten, die nicht nur technisch überzeugen, sondern auch ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll sind. Und wie bereits gesagt: wir hören zu! Wir setzen um, was wir an Rückmeldung aus dem Markt bekommen.
Wie Sie bereits angesprochen haben, sind auch Beratungsdienstleistungen rund um die Themenfelder Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft ein Teil des Encory-Angebots. Was beinhalten diese und wen adressiert Encory damit?
Oliver Horvat: Unsere Beratungsleistungen richten sich an Unternehmen, die Nachhaltigkeit nicht nur als Schlagwort verstehen, sondern als strategischen Erfolgsfaktor. Wir unterstützen OEMs, Zulieferer, Logistikpartner und KMUs dabei, zirkuläre Geschäftsmodelle zu entwickeln und umzusetzen – von der Analyse bestehender Prozesse über die Identifikation von Rücknahme- und Wiederverwendungspotenzialen bis hin zur konkreten Umsetzung von Kreislaufwirtschaftsstrategien wie Remanufacturing. Durch unsere Nähe zu BMW liegt der Branchenfokus in der Beratung auf der Automobilbranche – hier sind wir tief in den Wertschöpfungsthemen verankert und kennen die Anforderungen der Industrie aus erster Hand. Gleichzeitig betreuen wir aber auch Kunden aus anderen Branchen, etwa der Gebäudetechnik oder dem Maschinenbau, wo Kreislaufwirtschaft ebenfalls stark an Relevanz gewinnt. Bei vielen unserer Kunden steht der nachhaltige Aspekt im Vordergrund – was wir ausdrücklich begrüßen. Uns ist jedoch ebenso wichtig zu vermitteln: Kreislaufwirtschaft ist nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern ein starkes, wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell mit großem Wachstumspotenzial. In unseren Beratungsleistungen bringen wir nicht nur Know-how, sondern auch echte Praxiserfahrung mit – denn wir leben Kreislaufwirtschaft jeden Tag.