Maximilian Loder von delta4x4 im Interview

„Wir sehen unsere Stärke in Bereichen, die für andere zu klein oder zu speziell sind”

Maximilian Loder Maximilian Loder führt das von seinem Vater Josef gegründete Unternehmen delta4x4 gemeinsam mit seiner Mutter Conny.  Foto: delta4x4

Seit 2018 vertreiben Sie unter dem Markennamen Loder Tire ein definiert limitiertes Sortiment an AT-Reifen. Wie lautet der Hintergrund dieser Unternehmung und wo steht delta4x4 heute?

Maximilian Loder: Mit einer Gesetzesänderung in den Jahren 2016/2017 wurde die für delta4x4 essenzielle Reifengröße 305/60 R18 praktisch vom Markt verdrängt. Die geänderten gesetzlichen Anforderungen führten dazu, dass viele Reifenhersteller diese Nischengröße nicht mehr weiterentwickelten oder produzierten. Wir haben daraufhin das Gespräch mit nahezu allen namhaften europäischen Reifenherstellern gesucht und versucht, sie von einer Produktion dieser Größe zu überzeugen. Die Reaktion war meist ernüchternd: Aufgrund der vergleichsweise geringen Stückzahlen wurden wir belächelt und abgewiesen. Doch genau diese Reifengröße ist für viele unserer Umbauten unverzichtbar. 

Aufgeben war daher keine Option. Also haben wir uns weltweit nach Alternativen umgesehen – und sind in Asien fündig geworden. Genau dort fühlen wir uns wohl: in den Nischen, die für große europäische oder amerikanische Hersteller wirtschaftlich nicht interessant sind. Während andere den Massenmarkt bedienen, konzentrieren wir uns auf die Lösungen, die sonst niemand anbietet. Das war schon immer Teil der DNA von delta4x4 – und wird es auch in Zukunft bleiben.

Ein Loder-bereifter Ford Ranger bei einer Testfahrt auf Korsika. Foto: delta4x4

Loder-Profile werden in China produziert. Das Anti-Dumping-Verfahren der EU trifft ihre Geschäftsaktivitäten damit im Kern. Womit rechnen Sie?

Maximilian Loder: Das trifft uns hart. Wir sind lange davon ausgegangen, dass der freie Welthandel die Grundlage internationaler Zusammenarbeit ist. Diese Annahme gilt heute offensichtlich nicht mehr uneingeschränkt. Da moderne Reifenfabriken heute weitgehend automatisiert arbeiten und der Faktor Mensch in der Produktion eine deutlich geringere Rolle spielt als früher, gehen wir davon aus, dass in den kommenden Jahren verstärkt Produktionskapazitäten außerhalb Chinas entstehen werden. Bis sich diese Entwicklung vollzieht, erwarten wir allerdings einige herausfordernde Jahre. Wir stellen uns darauf ein, flexibel zu bleiben und unsere Lieferketten entsprechend anzupassen.

delta4x4 konzentriert sich auf das Segment der AT-Reifen. Wodurch charakterisiert sich der aktuelle Markt? Kommt es Ihnen zugute, dass derartige Produkte zunehmend auch für SUVs, Vans und Camper interessant sind?

Maximilian Loder: delta4x4 kommt ursprünglich aus dem klassischen 4x4-Segment mit Fahrzeugen auf Leiterrahmenbasis. Dieses Marktsegment wird jedoch seit Jahren kleiner, weil immer weniger solcher Fahrzeuge neu auf den Markt kommen. Umso mehr profitieren wir davon, dass der Overlanding-Trend immer stärker auch Besitzer von SUVs, Vans und Campern begeistert. Viele dieser Kunden suchen heute Reifen, die nicht nur auf der Straße komfortabel sind, sondern auch auf Schotterpisten, Waldwegen oder Fernreisen zuverlässig funktionieren. Diese Entwicklung eröffnet uns neue Zielgruppen und bestätigt unsere Strategie, uns auf hochwertige AT-Reifen und spezialisierte Offroad-Lösungen zu konzentrieren.

delta4x4 ist zumindest mit Blick auf die Anzahl der Mitarbeitenden ein eher kleiner Player im Markt. Welche Chancen bietet diese schlanke Struktur?

Maximilian Loder: Das ist gleichermaßen ein Vor- und ein Nachteil. Unsere schlanke Organisation ermöglicht es uns, sehr schnell auf neue Trends und Entwicklungen zu reagieren. Wir haben extrem flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege. Während bei größeren Unternehmen teilweise noch Vertraulichkeitsvereinbarungen (NDAs) geprüft und interne Abstimmungen geführt werden, haben wir häufig bereits erste Ergebnisse vorliegen. Der Nachteil dieser Struktur ist natürlich, dass die Kapazitäten begrenzt sind. Gerade in Phasen mit sehr hoher Auslastung kann es vorkommen, dass eine Rückmeldung etwas länger dauert. Dafür stehen wir aber für persönliche Betreuung, kurze Wege und eine hohe Flexibilität – genau das schätzen unsere Kunden und Partner an uns.

Im Rahmen eines aktuellen Projekts hat delta4x4 einen Toyota Land Cruiser 250 unter anderem mit einer Höherlegung, einem Unterfahrschutz sowie Zusatzscheinwerfern und einem Dachträger ausgestattet. Foto: delta4x4

Von Pfaffenhofen an der Glonn bei München aus adressiert delta4x4 auch internationale Märkte. Welche Länder stehen dabei im Fokus und wie erfolgt die entsprechende Marktbearbeitung?

Maximilian Loder: Unser stärkster Markt ist nach wie vor die DACH-Region, gefolgt vom europäischen Ausland. Dort haben wir eine gewachsene Kundenbasis und eine starke Markenbekanntheit im 4x4- und Offroad-Bereich. Darüber hinaus erreichen uns regelmäßig Anfragen aus der ganzen Welt. Wir verfolgen dabei jedoch keine klassische Strategie, einzelne Länder gezielt zu bearbeiten, sondern reagieren auf die Nachfrage aus den jeweiligen Märkten. Wenn ein Kunde oder Partner unsere Produkte benötigt, finden wir gemeinsam eine Lösung – unabhängig davon, wo auf der Welt er sich befindet.

Neben Reifen der Marke Loder Tire finden sich Produkte wie Felgen und Fahrwerke in Ihrem Portfolio. Was sind die wichtigsten Produktgruppen und in welche Richtung sind möglicherweise Updates im Sortiment geplant?

Maximilian Loder: Wir verstehen uns als Komplettausstatter für individuelle Fahrzeugumbauten. Das Herzstück unserer Arbeit ist dabei der komplette Radsatz – also die Kombination aus Reifen und Felge –, da dieser maßgeblich den Charakter und die Leistungsfähigkeit eines Fahrzeugs beeinflusst. Gleichzeitig bauen wir unsere Kompetenz im Defence-Bereich weiter aus. Im Laufe des Jahres werden wir zwei neue Felgen und zwei neue Reifen vorstellen, die speziell für den Heavy-Load-Bereich im Defence-Segment entwickelt werden. Darüber hinaus verstärken wir unser Engineering-Angebot für OEM-Projekte, Sonderserien und individuelle Fahrzeuglösungen. Genau dort sehen wir unsere Stärke: in Bereichen, die für große Hersteller oft zu klein oder zu speziell sind. Wir fühlen uns in diesen Nischen wohl und können dort unsere Flexibilität und unser Know-how optimal einbringen.

Auch für delta4x4 gewinnt der Defence-Bereich an Bedeutung: Die 20-Zoll-Felge „Guard“ wurde speziell für gepanzerte Limousinen entwickelt. Foto: delta4x4

Eine zentrale Plattform ist alljährlich die Messe Abenteuer & Allrad. Wie fällt Ihr Fazit für dieses Jahr aus und was steht für den restlichen Jahresverlauf auf der Agenda? Haben Sie das 50-jährige Firmenjubiläum 2030 bereits im Blick?

Maximilian Loder: Die Abenteuer & Allrad ist für uns die wichtigste Messe des Jahres. Für uns beginnt der Erfolg dieser Veranstaltung bereits vor der eigentlichen Eröffnung der Tore, denn die Messe setzt jedes Jahr enorme kreative Energie frei. In kürzester Zeit realisieren wir zahlreiche Projekte, um unseren Besuchern außergewöhnliche und inspirierende Fahrzeuge zeigen zu können. Eine weitere wichtige Plattform ist der Caravan Salon in Düsseldorf. Darüber hinaus werden wir auch auf den Defence-Messen Enforce Tac in Nürnberg sowie auf der Eurosatory in Paris vertreten sein. Parallel dazu bauen wir unsere Aktivitäten im Geländesport weiter aus und werden unser Engagement rund um die Dakar intensivieren. Unser 50-jähriges Firmenjubiläum im Jahr 2030 haben wir natürlich im Blick, aber wir werden daraus keine große Selbstinszenierung machen. Wir sind keine Freunde von Selbstbeweihräucherung. Entscheidend ist für uns, weiterhin spannende Produkte und Lösungen zu entwickeln, die Emotionen wecken – und damit das „Kind im Manne“ unserer Kunden und auch von uns selbst lebendig halten.

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