Corzilius gehört dem Vorstand seit August 2023 an und war in den vergangenen Monaten maßgeblich an der Neuordnung der Division Elektrifizierte Antriebstechnologien beteiligt. Das zuletzt geschlossene Restrukturierungsbündnis zwischen Vorstand, Gesamtbetriebsrat und IG Metall wird intern wesentlich mit ihrem Namen verbunden. „Dr. Lea Corzilius hat eine wichtige Rolle in der strategischen Neuausrichtung von ZF übernommen, um das Unternehmen zukunfts- und wettbewerbsfähig aufzustellen“, sagte Aufsichtsratschef Rolf Breidenbach. Die Wiederbestellung sei ein Zeichen für „Kontinuität und Konsequenz in der Weiterentwicklung der ZF Friedrichshafen AG“.
Auch Friedrichshafens Oberbürgermeister Simon Blümcke, Vertreter der Zeppelin-Stiftung als ZF-Hauptanteilseigner, betonte die Bedeutung der Personalvorständin für die aktuelle Transformation. Corzilius habe „einen entscheidenden Beitrag“ zum Restrukturierungsbündnis geleistet. „Ihre Vertragsverlängerung stärkt das Team, das ZF in die Zukunft führen wird. Aufsichtsrat, Vorstand und Betriebsrat tragen gemeinsam Verantwortung für die Zukunft des Unternehmens. Ich freue mich auf die Fortführung der bisherigen Zusammenarbeit“, sagte er. Vorstandschef Mathias Miedreich bezeichnete sie als „strategisch versierte Kollegin“, die wesentlich dazu beitrage, „die Weichen für die Wettbewerbsfähigkeit von ZF zu stellen“.
Die Personalentscheidung ist das Ergebnis eines zweiten Anlaufs. Wie das Manager Magazin berichtet, wollte der Aufsichtsrat bereits im Oktober über die Verlängerung abstimmen, damals legte jedoch die Arbeitnehmerseite geschlossen ihr Veto ein. Aus Gewerkschafts- und Betriebsratskreisen hieß es, Corzilius habe seit ihrem Amtsantritt noch nicht genügend Vertrauen aufgebaut. Zudem kursierten Berichte über angebliche Forderungen nach einer Gehaltserhöhung, die der Konzern inzwischen ausdrücklich zurückweist. Die Blockade führte zu einem Vermittlungsausschuss, der schließlich den Weg für die jetzige Einigung freimachte. Intern wurde der Konflikt teils als „Machtgeplänkel“ eingeordnet.
Unabhängig von der Personalfrage steht ZF vor weiteren schwierigen Entscheidungen. Noch vor Jahresende will der Vorstand festlegen, in welchem Umfang Fertigungsumfänge der Division E ins Ausland verlagert werden. Der Konzern hat bereits angekündigt, bis 2030 rund 7.600 der etwa 30.000 Arbeitsplätze in der Sparte abzubauen. Die jetzt bestätigte Vertragsverlängerung schafft damit zwar Klarheit auf Führungsebene, ändert jedoch nichts an den anstehenden Strukturentscheidungen, die für ZF und seine deutschen Werke weiterhin zentral bleiben.
ZF besetzt Standort- und Geschäftsbereichsleitung in Passau neu
Darüber hinaus teilt ZF mit, dass Alexander Seeliger zum 1. Januar die Leitung des ZF-Standorts Passau und damit die Verantwortung für die Werke in Grubweg und Patriching übernimmt. Parallel dazu wird er Leiter des Geschäftsfeldes Arbeitsmaschinensysteme innerhalb der Division Industrietechnik. In seiner neuen Rolle verantwortet Seeliger die Produktbereiche Baumaschinen-, Landmaschinen-, Stapler- und Testsysteme. Der 55-jährige Diplom-Kaufmann ist seit 1998 im Unternehmen und seit 2012 kaufmännischer Leiter des Geschäftsfelds. Seine Laufbahn umfasst verschiedene Stationen in den Bereichen Finanzen, Controlling und Unternehmensentwicklung sowie Führungsaufgaben an europäischen und asiatischen Standorten.