Untersuchung von Berylls by AlixPartners

Zulieferer-Studie belegt steigenden Einfluss chinesischer Akteure

AdobeStock_Zulieferer_webChinesische Käufer zahlten 2024 rund 700 Millionen Euro für europäische Automobilunternehmen.  Foto: gopixa - stock.adobe.com

So sollen in den nächsten drei Jahren in Europa 14 Werke entstehen, mit voraussichtlich 38.000 neuen Arbeitsplätzen. „Europäische Automobilzulieferer, insbesondere in Deutschland stehen unter starkem Kostendruck und sehen sich neben enormem Wettbewerb und Überkapazitäten auch einer schwachen Nachfrage gegenüber, was zu zahlreichen Werksschließungen oder -Verlagerungen führt“, erklärt Dr. Jürgen Simon, Partner bei Berylls by AlixPartners. „Die Kürzungen betreffen verschiedenste Warengruppen – Exterior, Interior, Elektronik oder Fahrwerk.“ Die nach Europa drängenden chinesischen Zulieferer konzentrieren sich aktuell vor allem auf neue Technologien wie die Batteriefertigung aber auch auf eher traditionelle Bereiche wie Reifen.

Die Studie zeigt weiterhin, dass sowohl europäische als auch chinesische Zulieferer in eigenständige F&E-Einrichtungen in Europa investieren. Allerdings bewegen sich diese Investitionen auf chinesischer Seite fast ausschließlich im Bereich von Innovationen bei Elektronik und Batterien, wohingegen europäische Zulieferer gleichzeitig ältere F&E-Abteilungen in größerem Umfang schließen müssen. Dazu Stefan Schneeberger, Associate Partner bei Berylls by AlixPartners: „Durch die Kombination von Forschungs- und Entwicklungswachstum, mit den Vorteilen einer lokalen Produktion – wie beispielsweise die Nähe zu OEMs, kürzere Lieferzeiten und die Vermeidung von Zöllen – stärken chinesische Akteure ihre Wettbewerbsposition in Europa.“ Durch diesen Wandel würde der Wettbewerbsdruck in der europäischen Lieferkette verschärft, heißt es in der Zusammenfassung der Studien-Verantwortlichen: Da chinesische Lieferanten eine lokale Präsenz und kosteneffiziente Kapazitäten aufbauen, würden europäische Lieferanten Gefahr laufen, wichtige Differenzierungsvorteile zu verlieren, was den Weg für einen härteren Preiswettbewerb und mögliche Preiskämpfe ebnen würde.

Neben der Neuansiedlung von Fertigungskapazitäten investierten chinesische Unternehmen auch in bereits ansässige europäische Firmen. 2024 zahlten chinesische Käufer rund 700 Millionen Euro für europäische Automobilunternehmen, Europa investierte im selben Zeitraum in China hingegen nur ein Fünftel davon. Nach Einschätzung von Berylls by AlixPartners kann eine Übernahme durch einen chinesischen Industriekonzern für europäische Zulieferer zu Wettbewerbsvorteilen führen. Die beiden wichtigsten Werthebel seien dabei der verbesserte Marktzugang zu China und die damit verbundene Nutzung der OEM-Netzwerke des chinesischen Käufers. Darüber hinaus würden die Firmen auf Einkaufsseite von bevorzugten Beschaffungskanälne sowie einem besseren Zugang zu Rohstoffen profitieren.

Druck auf europäische Zulieferer wird weiter ansteigen

Wie die Studie auch zeigt, erzielten im vergangenen Jahr fast 18.900 chinesische Automobilzulieferer jeweils einen Umsatz von über 2,4 Millionen Euro. Als Beispiel führen Berylls by AlixPartners einen Akteur wie Hasco an, der sich in den letzten Jahren zu einem der globalen Branchenführer entwickelt habe. Allerdings rechnet man damit, dass der Wettbewerb um Marktanteile sich massiv verschärfen würde, auch aufgrund der Überkapazitäten, die die chinesische Automobilindustrie aufgebaut hat. Dadurch steige das Insolvenzrisiko, sodass in den kommenden Jahren eine Konsolidierung auch bei den chinesischen Zulieferern erwartet wird. Man geht davon aus, dass dabei große globale Akteure entstehen werden, die den Druck auf große wie kleine europäische Zulieferer weiter erhöhen.

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