Zulieferer aus Friedberg kämpft ums Überleben

Insolvenzantrag der Erich Jaeger GmbH

Seit über 90 Jahren ist die Firma Erich Jaeger Experte für die elektrische Verbindung von Zugfahrzeug und Anhänger.   Foto: Erich Jaeger GmbH

Das Amtsgericht hat den Sanierungsexperten Dr. Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Plathner verfügt über Expertise in der Restrukturierung von Unternehmen der Automobil- und Zulieferindustrie und wird im Verfahren von einem Team von Brinkmann & Partner unterstützt, dem insbesondere die ebenfalls in Automotive-Verfahren erfahrenen Restrukturierungsexperten Christoph Enkler und Sebastian Netzel angehören.

Die Erich Jaeger GmbH entwickelt und produziert als Traditionsunternehmen seit 1927 Steckverbindungssysteme für verschiedene Industriezweige, insbesondere für die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie. Zuletzt erwirtschaftete das Unternehmen einen Jahresumsatz von rund 77 Millionen Euro und beschäftigt weltweit etwa 1.000 Mitarbeiter an elf Standorten: Die vier Produktionsstandorte befinden sich in Deutschland, Mexiko, Tschechien und China, dazu kommen Vertriebsbüros in den USA, Frankreich, Polen und Italien. In Deutschland beschäftigt die Erich Jaeger GmbH 200 Menschen. Der vorläufige Insolvenzverwalter soll gemeinsam mit seinem Team kurzfristig Maßnahmen zur Stabilisierung einleiten und die wirtschaftliche Lage analysieren. Zur Sicherung der Löhne und Gehälter hat Dr. Plathner laut Mitteilung bereits eine Insolvenzgeldvorfinanzierung in die Wege geleitet. Ziel sei es, die Fortführung des Geschäftsbetriebs sicherzustellen und eine nachhaltige Sanierungslösung zu erarbeiten. Dazu gehöre auch die Sicherstellung bestehender Kundenbeziehungen in der Automobilindustrie.

„Unser Fokus liegt zunächst auf der Stabilisierung des Geschäftsbetriebs und der Lieferfähigkeit. Parallel schaffen wir Transparenz über die wirtschaftliche Situation und prüfen Sanierungsoptionen. Ziel ist es, im Rahmen eines strukturierten Prozesses zeitnah eine Investorenlösung für die Unternehmensgruppe oder Teile davon zu realisieren“, erklärt der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Jan Markus Plathner. Der Geschäftsbetrieb läuft an allen Standorten erstmal weiter. Erste Gespräche mit Kunden, Lieferanten und weiteren Stakeholdern wurden nach Angaben von Plathner bereits aufgenommen, um die operative Stabilität des Unternehmens sicherzustellen. Im Jahr 1998 wurde das Unternehmen aus Frieberg von der AdCapital AG übernommen. In der Folge wurde die Internationalisierung der Geschäftsaktivitäten unternommen – unter anderem mit der Gründung des Joint Ventures Jaeger Poway Ltd. in Hongkong mit Produktion in Shenzhen (1999), der Gründung der Tochterniederlassung Erich Jaeger, s.r.o. in Rožnov (Tschechische Republik) als weitere Produktionsstätte sowie der Eröffnung von Repräsentanzen in Frankreich, Italien, Polen und in den USA. 

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