Investorensuche in Fürstenwalde läuft weiter

Sozialpläne für Goodyear-Standorte vereinbart

Goodyear FuldaGoodyear will sein Reifenwerk in Fulda bis Ende 2025 schließen.  Foto: Goodyear

„Goodyear hatte Ende letzten Jahres seine Kahlschlagpläne für drei Standorte ausgerufen: die Produktion in Fulda, die Business Transformation in Hanau und Fürstenwalde”, blickt Peter Weiser, der Betriebsratsvorsitzende von Goodyear in Fürstenwalde, zurück. Rund 1.050 Beschäftigte sollen mit der Einstellung der Produktion im hessischen Fulda bis Ende 2025 ihre Jobs verlieren, das Aus für die Reifenherstellung in Fürstenwalde beträfe 700 Mitarbeitende. Weitere 550 Arbeitsplätze entfallen ferner am Standort Fulda. 

Trotz heftiger Kritik aus der Belegschaft und verschiedener Protestaktionen hält Goodyear an den Maßnahmen fest. Die Arbeitnehmerseite um die Gewerkschaft IG BCE kann nun zumindest die Vereinbarung von Sozialplänen mit “sehr guten Bedingungen” als Erfolg für sich verbuchen. “Wir haben uns bei den Sozialplanverhandlungen nicht auseinanderdividieren lassen und auf eine gemeinsame Berechnungsgrundlage für das Budget für jeden Standort bestanden. Für uns hier in Fürstenwalde hat dieses gemeinsame Vorgehen enorme finanzielle Vorteile gebracht“, berichtet Peter Weiser. “Mit Abfindungen in beträchtlicher Höhe, verschiedenen Zuschlägen und vom Unternehmen finanzierten Qualifizierungsprogrammen in der Transfergesellschaft sichern wir die Beschäftigten finanziell ab und eröffnen ihnen die Möglichkeit zur Weiterentwicklung.“

Investoreneinstieg noch bis Ende März 2025 möglich

Die laut IG BCE “monatelangen, intensiven und harten Verhandlungen” sehen an allen drei betroffenen Standorten die Einrichtung einer Transfergesellschaft vor. Dafür steht “eine extrem hohe Summe zur Verfügung”, wie Anne Weinschenk, Bezirksleiterin Mittelhessen der IG BCE, gegenüber der dpa erläuterte. Bei den Verhandlungen über den Sozialplan habe sich die Gewerkschaft bereiterklärt, auf einen Arbeitskampf zu verzichten, sagte Weinschenk der Nachrichtenagentur. Auf dpa-Anfrage teilte ein Goodyear-Sprecher mit: “Wir haben faire Lösungen für unsere Mitarbeiter gefunden und sind voll und ganz darauf eingestellt, diejenigen, die betroffen sind, bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen oder beim Übergang in den Vorruhestand zu unterstützen.”

Das “komplexe Vereinbarungspaket” beinhaltet für den Standort Fürstenwalde nach Angaben der Gewerkschaft sowohl Anreize zum frühzeitigen Austritt aus dem Unternehmen in Form von Freiwilligenprämien als auch eine Motivationsprämie für die Beschäftigten, die den Betrieb bis zum planmäßigen Ende 2027 aufrechterhalten. Bei der Berechnungsgrundlage für die Abfindung wurde ferner der bestehende Tabellenunterschied zu den Tarifen in Hessen ausgeglichen und für Fürstenwalde um den entsprechenden Prozentsatz erhöht.

Parallel zu den Verhandlungen haben die IG BCE und der Betriebsrat in Fürstenwalde auch nach Möglichkeiten für den Erhalt der Reifenproduktion gesucht. Der Verkauf des Werkes an einen Investor war dabei eine zentrale Option. Noch ist diese Möglichkeit auch nicht gänzlich vom Tisch, wie Peter Weiser im Rahmen einer Betriebsversammlung am 26. Juni gegenüber der Belegschaft erklärte: Bis zur ersten geplanten Austrittswelle Ende März 2025 bleibt Zeit, um mit einem Investor eine verbindliche Vereinbarung zu treffen. Der Sozialplan würde dann außer Kraft gesetzt.

„Der Betriebsrat in Fürstenwalde hat über Monate den Spagat geschafft, einerseits die Investorensuche voran zu treiben und zugleich in harten Verhandlungen mit dem Unternehmen eine sehr gute Absicherung der Belegschaft zu erreichen. Dafür gebührt allen Beteiligten großer Respekt”, bilanziert Boris Loew, stellvertretender Landesbezirksleiter der IG BCE Nordost und Mitglied im Goodyear-Aufsichtsrat. Er ergänzt: “Die IG BCE ist weiterhin davon überzeugt, dass Fürstenwalde beste Bedingungen bietet, um die Reifenproduktion an diesem Traditionsstandort mit exzellent ausgebildeten Fachkräften und gut ausgestatteter Infrastruktur weiterzuführen. Die Investorensuche geht in den kommenden Monaten weiter.” Dabei setzen die Arbeitnehmervertreter auch weiterhin auf den Schulterschluss mit Politikern auf Landes- und Bundesebene.

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