Maßnahmen betreffen rund 580 Arbeitsplätze

Fünf ContiTech-Standorte sollen schließen

ContiTech Bad BlankenburgBei ContiTech in Bad Blankenburg entfallen durch die Schließung 185 Arbeitsplätze.   Foto: Continental

Contis Geschäftsbereich ContiTech arbeitet seit Anfang 2024 in einer neuen Organisationsstruktur, die – insbesondere mit Blick auf die geplante Abspaltung des Automotive-Segments – als Basis für den Ausbau des Industriegeschäfts dienen soll. Mit dem Ziel „sich zu fokussieren, wirtschaftlich resilientere Standorte zu schaffen und das Produktportfolio an die Nachfrage anzupassen” wurden nun weitere strukturelle Maßnahmen beschlossen. Von diesen sind folgende Standorte in unterschiedlichem Umfang betroffen: 

  • Bad Blankenburg (Thüringen): Abbau von 185 Arbeitsplätzen, Schließung
  • Stolzenau (Niedersachsen): Abbau von 110 Arbeitsplätzen, Schließung
  • Moers (Nordrhein-Westfalen): Abbau von 47 Arbeitsplätzen, Schließung
  • Frohburg und Geithain (Sachsen): Abbau von 58 Arbeitsplätzen, Schließung
  • Hannover-Vahrenwald: Verlagerung von 126 Arbeitsplätzen
  • Hamburg: Abbau von 53 Arbeitsplätzen

Philip Nelles, Mitglied des Continental-Vorstands und Leiter des Unternehmensbereichs ContiTech
Will den Stellenabbau möglichst sozialverträglich umsetzen: ContiTech-Chef Philip Nelles. Foto: Continental

Nachfragerückgänge und Vorbereitungen für den Spin-off

In Bad Blankenburg werden Transportbandsysteme produziert, die nach dem Braunkohleausstieg in Europa vor allem auf dem südamerikanischen Markt gefragt sind. Diese Region wird aktuell bereits vom ContiTech-Standort in Ponta Grossa (Brasilien) versorgt, weshalb die thüringische Fertigungseinheit schließen soll. Eine zu geringe Auslastung attestieren die Conti-Verantwortlichen auch dem Werk in Stolzenau. Dort werden ausschließlich Laderaumabdeckungen produziert, deren Nachfrage stark eingebrochen sei. Unternehmensangaben zufolge ließen sich weder eine Verlagerung noch ein Verkauf realisieren, sodass nun das Aus droht. Ähnlich verhält es sich in Moers, wo Spezialgurte gefertigt werden. Aufgrund des rückläufigen Geschäfts nimmt ContiTech das Nischenprodukt gänzlich aus seinem Programm und stellt die örtliche Produktion ein. Eine zu geringe Nachfrage nach Blasformwerkzeugen wird schließlich als Grund für die Schließung der beiden Standorte Geithain und Frohburg genannt. 

ContiTech Moers
Auch den Standort Moers will Continental schließen. Foto: Continental

Des Weiteren plant Continental die Reduzierung der Aktivitäten des künftig eigenständigen Geschäftsfeldes Original Equipment Solutions (OESL) am Standort Hamburg. Um Synergien zu schaffen, werden die TechCenter-Aktivitäten nach Hann. Münden, dem künftigen OESL-Hauptlaborstandort, verlagert. In diesem Zuge halbiert sich die Zahl der Beschäftigten in Hamburg. Parallel dazu wird eine Produktionslinie für Luftfederbälge für Pkw-Luftfedern vom ContiTech-Standort Hannover-Vahrenwald an den Automotive-Standort Jičín in Tschechien überführt. Das Beenden der bereichsübergreifenden Zusammenarbeit geschieht mit Blick auf die geplante Verselbstständigung des Unternehmensbereichs Automotive. Geplant ist das Auslaufen der entsprechenden Produktion in Hannover-Vahrenwald in der ersten Jahreshälfte 2026. Das Werk bleibe jedoch ein zentraler Standort in der Gesamtbetriebsstrategie von ContiTech, heißt es seitens des Konzerns. 

ContiTech Hannover Vahrenwald
Der Standort Hannover Vahrenwald soll für ContiTech weiter eine zentrale Rolle spielen. Foto: Continental

„Mit den geplanten Maßnahmen reagieren wir auf eine veränderte Marktsituation, die in einigen Kundenbranchen von starken und anhaltenden Nachfragerückgängen geprägt ist. Die schmerzhaften Schritte, die wir jetzt einleiten, sind notwendig, um das Unternehmen nachhaltig wirtschaftlich aufzustellen. Denn wir müssen trotz des aktuellen wirtschaftlichen Gegenwinds, in einer Zeit beschleunigten technologischen Wandels, unsere Zukunft sichern und unsere strategische Neuausrichtung forcieren“, erklärt Philip Nelles, Mitglied des Continental-Vorstands und Leiter des Unternehmensbereichs ContiTech. „Es ist unser erklärtes Ziel, die geplanten Maßnahmen so sozialverantwortlich wie möglich zu gestalten und insbesondere möglichst vielen Beschäftigten einen Wechsel in andere Unternehmensteile zu ermöglichen.“ Dafür setzt der Zulieferer unter anderem auf das unternehmenseigene Institut für Technologie und Transformation (CITT)

Kritik von Betriebsräten und IG BCE

Unmittelbar nach Bekanntwerden der neuerlichen Stellenstreichungspläne regte sich aufseiten der Arbeitnehmervertreter bereits deutliche Kritik: „Seit Jahren taumelt Continental von einer Restrukturierung zur nächsten. Die Belegschaften haben immer wieder Zugeständnisse machen müssen. Und trotzdem biegt der Konzern alle paar Monate mit neuen Streichplänen um die Ecke. Das ist hilflos, destruktiv und demotivierend”, teilt IG-BCE-Konzernbetreuer Michael Linnartz mit. „Wir haben 2023 ein Eckpunktepapier zur Zukunftssicherung von ContiTech in Deutschland abgeschlossen. Jetzt erfolgt der Test, was solche Papiere überhaupt wert sind.“ 

„Wir sind zutiefst betroffen und bestürzt", ergänzt der Vorsitzende des Conti-Gesamtbetriebsrats Rubber, Matthias Tote. Er sieht zudem wenig Chancen für Beschäftigte für einen Wechsel in andere Unternehmensteile. „Wie soll das zum Beispiel in Bad Blankenburg aussehen, wie in Stolzenau?” fragt Tote. Für ihn ist klar: „Deshalb fordern wir ein starkes Auffangnetz für die Kolleginnen und Kollegen, insbesondere finanziell. Es darf hier keine Zwei-Klassen-Gesellschaft geben!" 

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