Spin-off in finaler Phase

Contis Automotive-Division wird zu Aumovio

philipp_von_hirschheydt_aumovioPhilipp von Hirschheydt, CEO Automotive, steht vor einer gewaltigen Aufgabe.   Foto: Continental

Innerhalb des Conti-Konzerns hatte die Automotive-Sparte keine Zukunft mehr. Der Hannoveraner Automobilzulieferer schrumpft sich ja bekanntlich auf das Geschäftsfeld Reifen zurück, denn auch das Industriegeschäft ContiTech soll im Laufe des Jahres 2026 in die Eigenständigkeit überführt werden. Als technologischer Taktgeber und führender Akteur im Bereich Mobilität wird Continental im globalen Automobilgeschäft wohl kaum mehr erscheinen. Äußerst fraglich ist auch das Powerhouse-Potenzial von Aumovio, das Philipp von Hirschheydt als CEO Automotive im Rahmen der Auto Shanghai nun beschwört. Im erwartet beschönigendem Manager-Sprech ist die Rede davon, die starke Marktposition, Tradition und technologische Expertise mit dem Anspruch zu verbinden, die Mobilität der Zukunft mit Innovationen zu gestalten. Aumovio will als Anbieter von Elektronikprodukten und modernen Mobilitätslösungen für das software-definierte Fahrzeug in der vernetzten und autonomen Mobilität der Zukunft eine relevante Rolle spielen. Als Teil der Continental AG gab es diese Perspektive offensichtlich nicht. 

Wie das Management auf der Auto Shanghai gestützt durch eine Marktanalyse von Berylls mitteilt, soll der Wert der Lösungen pro Fahrzeug in den adressierten Segmenten bis 2029 jährlich um durchschnittlich 4,7 Prozent wachsen – dynamischer als die Anzahl weltweit produzierter Pkw und leichter Nutzfahrzeuge, wie es in einer Unternehmensmeldung heißt. Der chinesische Markt soll auch künftig von zentraler Bedeutung sein. Im Geschäftsjahr 2024 hat der Bereich Automotive rund 14 Prozent seines weltweiten Umsatzes in China generiert. China ist der weltweit größte Automobilmarkt und er wird laut Einschätzung einiger Analysten in den kommenden fünf Jahren voraussichtlich schneller als der globale Markt wachsen. Für Aumovio ist die Fahrtrichtung erstmal gesetzt. Nach der erwarteten Zustimmung auf der Continental-Hauptversammlung am 25. April 2025 ist die Börsennotierung von Aumovio an der Frankfurter Wertpapierbörse laut den Verantwortlichen für September 2025 vorgesehen. Die aktuelle Marktposition fußt auf Sensorlösungen und Displays, Brems- und Komfortsystemen, aber auch auf Lösungen im Bereich Software, Architekturplattformen und Assistenzsystemen. Besonders das digitale Leistungsspektrum soll künftig noch stärker fokussiert werden – der Zukunftsmarkt für Aumovio sind software-definierte und autonome Fahrzeuge. 

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Mit Bekanntgabe des neuen Namens Aumovio auf der Auto Shanghai 2025 unterstreicht Philipp von Hirschheydt die Bedeutung des Wachstumsmarkts China. Foto: Continental

„Als eigenständiges Unternehmen gewinnen wir deutlich mehr Gestaltungskraft und Geschwindigkeit. Aumovio wird sich durch einen Dreiklang aus technologisch führenden Produkten, einer konsequenten Wertsteigerungsstrategie und einem globalen synergetischen Netzwerk, verbunden mit starker lokaler Präsenz für unsere Kunden, auszeichnen. Unser Anspruch ist es, unsere Position in den Zukunftsfeldern und Wachstumsmärkten der Mobilität weiter auszubauen. Gerade in China wird diese Strategie deutlich. Hier setzen wir unter anderem auf unsere starke lokale Präsenz, indem wir vor Ort für den chinesischen Markt produzieren und entwickeln“, so Philipp von Hirschheydt. Der Unternehmensbereich Automotive ist seit 30 Jahren in China präsent und beschäftigt derzeit dort rund 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Division hat ihre Wertschöpfungskette in China in den vergangenen Jahren lokal ausgebaut, um chinesische und internationale Automobilhersteller mit Fertigung vor Ort und lokalen Lieferketten bedienen zu können. Auf der Auto Shanghai stellt die Sparte aktuell unter anderem die Fahrassistenzsysteme Luna und Astra vor. Beide wurden in dem Joint Venture Horizon Continental Technology für den chinesischen Markt entwickelt. Aumovio will mit der vorhandenen Expertise als eigenständiger Player mehr Durchschlagskraft entwickeln. „Wertschöpfung und Kostenwettbewerksfähigkeiten leben wir als Teil unserer Führungskultur – wir sind entschlossen, unsere Strategie umzusetzen”, bekräftigt Philipp von Hirschheydt. Die Ankündigungen sind vollmundig, nun müssen sie auf der Handlungsebene und in Zahlen ihre Verwirklichung finden. 

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