Gespräche mit Sozialpartnern in Deutschland

Neunmonats-Umsatz von Michelin steigt um zwei Prozent

Die Geschäfte außerhalb des Reifenbereichs gewinnen für Michelin an Bedeutung.  Foto: Michelin

Nach Angaben der Michelin-Verantwortlichen waren die Sell-in-Märkte in Europa sowie in Nord- und Südamerika im bisherigen Jahresverlauf von einem Abbau der Lagerbestände geprägt. Im Consumer-Segment konnte die robuste OE-Nachfrage den in den meisten Regionen rückläufigen Ersatzmarktbedarf ausgleichen. Ähnlich hat sich laut Unternehmensangaben auch das Commercial-Geschäft entwickelt, wenngleich hier das Erstausrüstungsgeschäft die schwache Ersatzmarktnachfrage nicht habe ausgleichen können. Insgesamt gingen die Lkw-Reifenmärkte außerhalb Chinas um fünf Prozent zurück. Positiv entwickelten sich hingegen der Bergbau- und der Flugzeugreifenmarkt sowie das OE-Geschäft mit Landwirtschaftsreifen. Der Ersatzmarkt für landwirtschaftliche Produkte gab allerdings ebenso nach wie die das Bau- und Zweiradreifengeschäft. Michelin rechnet damit, dass der Abbau von Lagerbeständen auf dem Ersatzmarkt bis Ende des Jahres abgeschlossen sein wird. 

Unterm Strich bilanziert der Konzern für die Monate Januar bis September ein geringeres Reifenabsatzvolumen von 3,6 Prozent. Deutlich positiver gestalteten sich die Nicht-Reifen-Geschäfte für die Franzosen, wo der Umsatz bei konstanten Wechselkursen um 13 Prozent anstieg und damit “ nachhaltig zum Wachstum der Gruppe beitrug”. In Verbindung mit einem verbesserten Produktmix konnte dieses Umsatzplus die rückläufigen Volumina sowie negative Währungseffekte ausgleichen. Basierend auf diesen Ergebnissen hat das Michelin-Management die Prognose für das Betriebsergebnis des Segments für das Jahr 2023 bestätigt (mehr als 3,4 Milliarden Euro). Die Erwartungen für den Free Cashflow vor Akquisitionen wurden von 2,0 Milliarden Euro auf 2,3 Milliarden Euro nach oben korrigiert.

“Michelin in Motion” und “wachsender Wettbewerbsdruck”

Trotz der insgesamt stabilen wirtschaftlichen Performance sehen die Michelin-Verantwortlichen die Situation hierzulande kritisch – und haben daher Beratungen mit den Sozialpartnern aufgenommen. “Gegenstand dieser Gespräche sind die Wettbewerbssituation und die Produktionsreduzierung der Michelin-Aktivitäten in Karlsruhe und Trier sowie der Neureifenproduktion und der Herstellung von Halbfabrikaten in Homburg. Ziel dieser Gespräche ist es, gemeinsam mögliche Optionen für diese Situation zu prüfen”, heißt es seitens des Herstellers. Zum jetzigen Zeitpunkt sei jedoch noch keine Entscheidung gefallen. Als Grund für die Maßnahme werden “der wachsende Wettbewerbsdruck” sowie “steigende Produktions- und Verwaltungskosten in Deutschland” angeführt. 

“Unsere Gruppe verzeichnet solide Umsatzerlöse in einem komplexen Marktumfeld. Wir steuern unsere Aktivitäten mit großer Sorgfalt und passen uns an die wechselnden Bedürfnisse des Marktes an”, ordnet Florent Menegaux, CEO der Michelin Group, ein. “Diese ständige Agilität und Voraussicht zeigt einmal mehr die Widerstandsfähigkeit unserer Gruppe und ihre Entschlossenheit, unsere Strategie ‘Michelin in Motion’ umzusetzen." Die strategischen Pläne aus Clermont-Ferrand sehen unter anderem vor, dass Michelin im Jahr 2030 bis zu einem Drittel seines Umsatzes außerhalb des Reifenbereichs erwirtschaftet.

Zentrale Bedeutung kommt dabei unter anderem dem Geschäftsfeld Services & Solutions zu, in dem der Konzern seine IoT-Lösungen (Internet of Things) für Flotten ausbauen will. Auch in der Wasserstoffmobilität sowie im Bereich flexibler Verbundwerkstoffe hat das Management Wachstumspotenzial identifiziert. Eine weltweit führende Position bei Wasserstoff-Brennstoffzellensystemen strebt Michelin mit dem Joint Venture Symbio an, an dem neben den Franzosen auch Stellantis und Forvia – ehemals Faurecia – zu je einem Drittel beteiligt sind. Bei den Verbundwerkstoffen setzt die Gruppe verstärkt auf Akquisitionen wie jüngst am Beispiel der Flex Composite Group zu sehen. Mit dem Vollzug der Übernahme des Polymer-Spezialisten zu Ende September erwarten die Verantwortlichen bereits im vierten Quartal positive Auswirkungen auf den Konzernumsatz. (dw)

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