Am 5. November hatte der Schaeffler-Vorstand strukturelle Maßnahmen in Europa angekündigt, deren Kern der Abbau von rund 4.700 Arbeitsplätzen weltweit ist. Konkrete Auswirkungen dieses Vorhabens hierzulande – 2.800 Stellen sollen wegfallen – hatte die Konzernspitze bereits weitgehend kommuniziert, war mit Blick auf vier weitere betroffene europäische Standorte jedoch vage geblieben. Das wurde nun jedoch nachgeholt. Wie einem Unternehmens-Statement zu entnehmen ist, will Schaeffler die Produktion am österreichischen Standort Berndorf einstellen. Aktuell werden hier Radlager und Radnabenmodule sowie Getriebelager für das Automotive-, Industrie- und Aftermarket-Geschäft gefertigt, die in schweren Nutzfahrzeugen wie Lastkraftwagen, Traktoren und Baumaschinen Verwendung finden. Künftig sollen diese „an wirtschaftlicheren Standorten des Produktionsnetzwerks in Europa, China und Asien” hergestellt werden.
Ein solcher ist etwa der Standort Kysuce in der Slowakei, an dem zusätzliche Fertigungslinien im Lagerbereich den Wegfall der Produktionseinheit Berndorf auffangen sollen. Schaeffler will ferner weiter in Produktion, Forschung und Entwicklung sowie den Campus investieren, „zur Verbesserung der Herstellungskosten wird jedoch die Personalstruktur angepasst”. Ähnlich verhält es sich auch an einem weiteren Standort der Sparte Bearings & Industrial Solutions in Brasov in Rumänien. Linearprodukte aus Homburg und Taoyuan werden in Brasov konsolidiert, zugleich aber auch Kapazitäten für Standardlager nach Asien verlagert.
Sascha Zaps, Vorstand Bearings & Industrial Solutions, teilt mit: „Durch die notwendige Konsolidierung unseres europäischen Produktionsnetzwerks verbessern wir unsere Kostenstruktur und unsere Wettbewerbsfähigkeit. Im Fokus der Pläne steht eine zukunftssichere Aufstellung des Lagergeschäfts von Schaeffler, um langfristig profitabel zu sein und eine bestmögliche Kundenversorgung sicherzustellen. Unser Ziel ist es, mit den Arbeitnehmervertretungen und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern schnellstmöglich tragfähige Lösungen zu finden.“
Umsetzung der Maßnahmen zwischen 2025 und 2027
Ebenfalls geschlossen werden soll der Schaeffler-Standort Sheffield, der der Sparte Powertrain & Chassis zugeordnet ist. Die vor Ort produzierten Kupplungssysteme für Pkw und Traktoren werden mehrheitlich exportiert, eine global sinkende Nachfrage sorgt nach Aussage der Verantwortlichen allerdings für Überkapazitäten. Als Reaktion plant Schaeffler, die Produktion für Pkw-Kupplungen ins ungarische Szombathely zu verlagern und Einzel- und Doppelkupplungen für Traktoren zukünftig im Schaeffler-Werk in Hosur in Indien herzustellen. Die Beschäftigten der Zentralfunktionen in Sheffield sollen ins Schaeffler-Büro Birmingham wechseln.
„Die Aufgabe der Fertigung in Sheffield und Konsolidierung der Produktion sichert die Wettbewerbsfähigkeit des globalen Kupplungsgeschäfts bei Schaeffler zum Vorteil unserer Kunden.”, sagt Matthias Zink, Vorstand Powertrain & Chassis. „Gleichzeitig sind wir uns der dadurch entstehenden Konsequenzen bewusst und werden nun alles daransetzen, gemeinsam mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Sheffield faire Lösungen zu finden.“ Sämtliche Maßnahmen sollen zwischen den Jahren 2025 und 2027 umgesetzt werden. In Kürze beginnen die gesetzlich vorgeschriebenen Konsultationen mit gewählten Arbeitnehmervertretern an den betroffenen Standorten und mit dem Europäischen Betriebsrat.