Die in den 1990er-Jahren von mehreren Wirtschaftsverbänden gegründete Interessensgemeinschaft ArGeZ hat erstmals einen Zulieferindex erstellt, wofür die Zulieferer von acht in Deutschland produzierenden Pkw-Herstellern (VW, Audi, Porsche, Mercedes-Benz, BMW, Ford, Opel und Tesla) und von Daimler Truck sowie MAN befragt wurden. Insgesamt nahmen 173 Zulieferer an der Befragung teil und gaben dabei 388 Herstellerbewertungen ab. Hauptabnehmer der Unternehmen, von denen die Hälfte weniger als 250 und ein Fünftel über 1.000 Mitarbeitende beschäftigt, sind die Volkswagengruppe, BMW und Mercedes-Benz, für die 75 prozent der Bewertungen abgegeben wurden.
Hauptaugenmerk bei der Befragung der ArGeZ wurde auf den gesamten Lebenszyklus der Kunden-Lieferanten-Beziehung gelegt. Hier gab es fünf Kriterien, von denen keines mehr als 76 von 100 Punkten erreichen konnte. Gleichzeitig erreichte keins der Kriterien weniger als 30 Punkte. Erfreulich sei, laut ArGeZ, dass die Zahlungsmoral (Kriterium „Zahlungsverhalten und Einhalten von Vereinbarungen“) mit einem Durchschnittswert von 66,5 Punkten am besten bewertet wurde, gefolgt vom Umgang miteinander bei Reklamationen, in Konfliktfällen und bei exogenen Schocks mit 62,3 Punkten. Ebenso liegt die Zusammenarbeit in der Entwicklung und bei Freigabeprozessen mit 61,8 Punkten auf den vorderen Plätzen. Dem gegenüber stehen nur 47,5 Punkte beim Kriterium der fairen Vertragsgestaltung, bei der sich die Mehrheit nicht auf Augenhöhe behandelt fühle. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der operativen Zusammenarbeit (47,3 Punkte). In diesem Kriterium werden unter anderem Themen wie überzogene bürokratische Nachweispflichten, Transparenz und Zuverlässigkeit in der Absatzplanung bewertet.
Auf Grundlage der Ergebnisse der Zulieferer-Befragung soll nun seitens der ArGeZ das Gespräch mit den bewerteten Herstellern gesucht werden, um Verbesserungen herbeizuführen. Denn: „Die Auswertung zeigt, dass einiges an Potential in der vertrauensvollen Zusammenarbeit verschenkt wird, welches am Ende nur zu Mehrkosten auf beiden Seiten führt“, wie Michael Weigelt, Geschäftsführer von TecPart, einschätzt. Gleichzeitig erwartet die Arbeitsgemeinschaft eine „echte Wirtschaftswende“ der Bundesregierung, da die Hauptprobleme der Zulieferer nach wie vor die rückläufige Auftragslage und die nicht mehr wettbewerbsfähigen Standortfaktoren sowie die ausstehnden US-Zölle auf Automobile und Automobilteile seien. Bei Letzterem sieht die ArGeZ die EU-Kommission in der Pflicht, die nun geschickt verhandeln und erreichen müsse, dass so weit wie möglich keine Zölle kommen. „Das ist in der Vergangenheit erfolgreich gelungen und sollte sich wiederholen“, so Christian Vietmeyer, Sprecher der ArGeZ.