In Frankreich oder Südeuropa ist Stellantis aufgrund der PSA-Historie historisch stärker verwurzelt als in Deutschland. Der freie Werkstattmarkt wird hierzulande von etablierten Systemen wie beispielsweise dem Bosch Car Service dominiert. Stellantis will den europaweiten Ausbau seines Eurorepar-Car-Service-Netzwerks mit einem “integrierten Leistungs- und Expansionskonzept” stärker pushen. Das gemeinsam mit MSX International im Joint Venture Octago entwickelte Konzept ist eine gezielte Antwort auf ein dynamisch wandelndes Marktumfeld, das durch steigende Fahrzeugkomplexität, fortschreitende Digitalisierung und intensiveren Wettbewerb geprägt ist, heißt es in einer Konzernmitteilung. Aber es entwickelt sich offenbar nicht nach den Vorstellungen des Managements, weshalb Stellantis nun wieder verstärkt für das System trommelt.
Wachstum des Eurorepar-Netzwerks und ein beschleunigter Ersatzteilabsatz im gesamten freien Aftermarket, so lautet die Zielvorgabe aus der Stellantis-Zentrale. Die Ersatzteil-Logistik läuft über das Distributionsnetzwerk Distrigo, das als zentraler Großhändler sowohl Vertragswerkstätten als auch unabhängige Kfz-Betriebe beliefern soll – aber immer noch nicht mit der gewünschten Taktung und Zuverlässigkeit, wie aus Branchenkreisen zu vernehmen ist. Nun will die Konzernführung aber im Eurorepar-Verbund einen Gang hochschalten, unter anderem mit mehr operativer Unterstützung und KI-Tools direkt in den Partnerbetrieben. In einer Ankündigung werden technische und betriebswirtschaftliche Schulungen, operatives Coaching direkt vor Ort, Leistungsanalyse- und Benchmarking-Tools, datengestützte Erkenntnisse sowie ein besseres Kundenmanagement als Stellschrauben genannt.
„Dieser Schritt markiert einen bedeutenden Meilenstein in Stellantis’ Bestreben, Eurorepar Car Service als führendes Multimarken-Aftermarket-Netzwerk in Europa zu positionieren – mit einem klaren Fokus auf Skalierbarkeit, Performance und nachhaltige Wertschöpfung für alle Stakeholder. Mit diesem verstärkten Ansatz baut Stellantis sein Aftermarket-Ökosystem weiter aus und erhöht gezielt dessen Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit“, teilt Cyril Billard als Präsident von Eurorepar Car Service mit. Auch Octago-CEO Elvira Llorens meldet sich natürlich zu Wort: „Dieses Joint Venture spiegelt die Kernkompetenz von MSX International wider, Strategien in nachhaltige Umsetzung vor Ort zu verwandeln. Durch die Kombination unserer fundierten Praxiserfahrung mit fortschrittlichen Analysen, KI-gestützten Tools und praxisorientiertem Coaching helfen wir Werkstätten und Händlern, ihre Leistung zu verbessern und die Komplexität im unabhängigen Aftermarket zu meistern.”
In den letzten Jahren gab es vereinzelte Mitteilungen, die das Eurorepar-System attraktiver erscheinen lassen sollten: Zur Einführung eines Ganzjahresreifens der Eigenmarke Reliance, zu einem erweiterten Serviceversprechen für Elektro- und Hybridfahrzeuge sowie einem neuen Markenauftritt. Man darf gespannt sein, ob das nun vermeldete Joint Venture von Stellantis und MSX International auf das Attraktivitätskonto der Eurorepar Car Service einzahlen kann.