Konkret startet der Standort zunächst mit der systematischen Demontage von Fahrzeugen. Im Fokus stehen die Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe sowie die Wiederverwendung von Komponenten nach sachgerechter Prüfung und Aufbereitung. Parallel soll die Trennung von Materialien so optimiert werden, dass möglichst reine Rezyklate entstehen. Damit adressiert Volkswagen gleich mehrere Herausforderungen: den künftigen Zugang zu kritischen Werkstoffen, die Dekarbonisierung entlang der Lieferkette und zusätzliche Wertschöpfung in Deutschland. Bis 2030 ist ein stufenweiser Kapazitätsaufbau auf bis zu 15.000 Fahrzeuge pro Jahr vorgesehen. Bereits 2026 werden am Standort 500 Vorserienfahrzeuge verarbeitet, ab 2027 soll die Zahl dann deutlich steigen. Ein modulares Demontage-Konzept ermöglicht dabei die schrittweise Skalierung. Für den Aufbau der neuen Geschäftsfelder plant Volkswagen Investitionen in Umbauarbeiten, technische Anlagen sowie KI-Anwendungen von bis zu 90 Millionen Euro. Unterstützung kommt auch aus der Politik: Der Freistaat Sachsen fördert das Gesamtprojekt mit bis zu 10,7 Millionen Euro.
Des Weiteren sollen am Standort Zwickau technische Innovationen entwickelt und standardisiert werden, unter anderem durch den Einsatz von Datenplattformen und KI, um Materialflüsse, Recyclingprozesse und neue Geschäftsmodelle effizient nachverfolgen und steuern zu können. Gleichzeitig wird die Aus- und Fortbildung der Mitarbeitenden in der Kreislaufwirtschaft in Zusammenarbeit mit dem Volkswagen Bildungsinstitut und der Westsächsischen Hochschule am Standort verankert.
Andreas Walingen, Leiter Group Circular Economy bei Volkswagen, betont dabei die industriepolitische Dimension: „Kreislaufwirtschaft wird für die Volkswagen AG in den nächsten Jahren immer wichtiger. Sie adressiert zentrale Herausforderungen der Automobilindustrie: Rohstoff-Resilienz, Dekarbonisierung, Wirtschaftlichkeit und Beschäftigung.“ Ziel sei es, Rohstoffe für neue Fahrzeuge wiederzuverwenden – und Volkswagen damit unabhängiger vom weltweiten Rohstoffhandel zu machen. Auch das Land Sachsen sieht in der Neuaufstellung ein Signal. Wirtschaftsminister Dirk Panter spricht von „Neuland für ganz VW“, das Zwickau als Vorreiter im Konzern betrete. „Sachsen kann damit einmal mehr beweisen, dass es Lösungen für die Zukunft der Automobilbranche hat. Das neue Projekt verdeutlicht den verantwortungsvollen Umgang mit bestehenden Ressourcen und bietet zudem den Beschäftigten in Mosel neue Perspektiven. Die Diversifizierung des Standortes Zwickau stärkt somit die Zukunftsfähigkeit dieser sächsischen Automobil-Region.“
Nicht nur VW setzt auf Kreislaufwirtschaft, auch BMW hat zuletzt ein Recyclingprojekt vorgestellt, das die Wiederverwendung von genutzten Autoteilen zum Ziel hat. In Zusammenarbeit mit dem Entsorgungsspezialist Prezero arbeitet der Münchner Autobauer daran, ein ganzheitliches Verwertungsmodell für Altfahrzeuge zu etablieren. Kern dieser Partnerschaft ist es, Autos konsequent als strategische Rohstoffquelle zu erschließen und so geschlossene Materialkreisläufe zu schaffen.