Online-Marktplatz Re-Tire

Das Geschäft mit alternativen Reifen 

Matthias Babsek, Michael Eckert Re-TireMichael Eckert (l.) und Matthias Babsek waren in Folge #66 unseres Podcasts zu Gast.  Foto: Re-Tire

Kleidung, Elektronik-Artikel oder auch Bücher werden mittlerweile ganz selbstverständlich als Second-Hand-Ware betrachtet. Dass Reifen dafür auch infrage kommen, erlebt Re-Tire-Mitgründer Matthias Babsek bereits während seiner Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. „Von Freunden und Verwandten wurde ich damals immer wieder gefragt, ob ich günstig Reifen organisieren kann. Dabei habe ich das Thema für mich entdeckt”, blickt der heutige Head of Partnering & Sales im Podcast mit Automotive Insights zurück. Babsek sieht das diesbezügliche Potential durch Fallstudien und Marktanalysen bestätigt und bleibt auch während seines Wirtschaftsingenieurstudiums an der Thematik dran. 2021 erfolgt dann gemeinsam mit Robin Hamann die Gründung der Re-Tire GmbH. Dabei wird das Duo vom Entrepreneurship-Bereich der Hochschule München mit Zuspruch wie auch mit der Bereitstellung von Büroräumen unterstützt. „Unsere Mentoren haben uns ermutigt weiterzumachen, weil auch sie das Potenzial gesehen haben”, berichtet Babsek. 

Matthias Babsek Re-Tire
Matthias Babsek ist Head of Partnering & Sales der Re-Tire GmbH. Foto. Re-Tire

„Werte auf die Straße bringen”

Mittlerweile kann das noch junge Unternehmen auf seinen Kanälen rund 24.000 verschiedene Reifen arbeiten, insgesamt sind es knapp eine Million. Gelistet sind zudem sowohl saisonale Spezialisten als auch Ganzjahresreifen, wobei die Größen-Range von 13 bis 23 Zoll reicht. „Aber der Fokus liegt – auch mit Blick auf die preisliche Positionierung – im mittleren Segment von 16 bis 19 Zoll. Vor allem, weil wir ja mit unseren Reifen meist auch nicht den Neuwagenkunden ansprechen”, erläutert Michael Eckert. Der Senior im Re-Tire-Team bringt als Head of Business Development sein Netzwerk und seine Kenntnisse aus seiner Tätigkeit in der Reifenindustrie – etwa für Michelin, Hankook und Sailun – ein. „Durch uns fristen Reifen kein trauriges Dasein in irgendeinem Keller oder bei der Reifenindustrie oder beim Reifenfachhandel, sondern kommen ihrer Funktion zufolge auch auf die Fahrzeuge und werden dann entsprechend genutzt”, bringt Eckert den Ansatz von Re-Tire auf den Punkt. „Und die Reifen wurden ja ohnehin produziert, da stecken die Ressourcen drin, die Rohstoffe, die Energie, Transport, Marketing, alles. Diese Werte wollen wir auf die Straße bringen.”

Damit trifft das Unternehmen zunehmend den Nerv der Leute. „Der Nachhaltigkeitsgedanke ist deutlich stärker im Fokus gerutscht bei den Menschen”, bestätigt Matthias Babsek. Er führt aus: „Am Anfang war das Thema Sicherheit das größte Argument, dem wir begegnen mussten. Deswegen haben wir von Beginn an transparent dargestellt, wie wir die Reifen prüfen, was unsere Prüfkriterien sind und das Ganze standardisiert. Es gibt einen Prüfkatalog, den alle unsere Partner streng befolgen müssen. Und das kontrollieren wir auch.” Damit könnten Reklamationen vermieden werden, während zugleich das Vertrauen in die gebrauchten Reifen steige. Babsek betont jedoch auch: „Wir sind ein Onlinehandel, bei uns kann man alle Reifen innerhalb von 30 Tagen zurückschicken.”

Montagepartnerschaft im Blick 

Um im Markt sukzessive Fuß zu fassen, bezeichnen die Re-Tire-Verantwortlichen die Gewinnung von Partnern als wichtigsten Schritt. „Am Anfang konnten wir die hohe Nachfrage nicht bedienen und waren dann quasi ausverkauft. Das ist natürlich ganz schlecht, weil die Kunden dann nicht mehr wiederkommen. Deshalb war unser erstes großes Ziel nach dem Aufbau des Marktplatzes, dass wir natürlich den Supply sicherstellen”, so Matthias Babsek. Neben Betrieben aus dem Werkstatt- und Handelsbereich, die selbst Reifen inserieren, sind es vor allem Überproduktionen aus der Industrie, die über den Re-Tire-Marktplatz gehandelt werden. Ein zentrales Kriterium dabei ist auch die Laufleistung, unterstreicht Michael Eckert: „Du montierst natürlich nur einen gebrauchten Reifen, wenn du weißt, der hält auch nochmal 20.000 oder 25.000 Kilometer.”

Robin Hamann, Matthias Babsek, Michael Eckert Re-Tire
Robin Hamann, Matthias Babsek und Michael Eckert (v.l.n.r.) sehen noch weiteres Potenzial für das Re-Tire-Geschäft. Foto: Re-Tire

Aktuell spielen zudem ohnehin DOT-Reifen die größte Rolle, die inzwischen neben Demo-Reifen und Gebrauchten das Re-Tire-Angebot ergänzen. Matthias Babsek beziffert den Verkaufsanteil auf nahezu 50 Prozent. Parallel zum Sortimentsausbau sowie der Sicherstellung eines ausreichenden Angebots war die Skalierung der Marktplatz-Prozesse für das Re-Tire-Team im vergangenen Jahr ein zentraler Ansatzpunkt. „Das war der Fokus 2024. 2025 müssen wir deutlich mehr Marketing machen, einfach um die Bekanntheit zu steigern. Das gilt vor allem für den B2C-Bereich”, blickt Matthias Babsek voraus. Helfen soll hierbei auch die Montagepartnerschaft mit einer deutschlandweit vertretenen Fachhandelskette. Kundinnen und Kunden könnten ihre über Re-Tire gekauften Reifen dann direkt in eine örtliche Filiale schicken lassen und bekommen sie dort montiert. „Damit bieten wir unserer Kundschaft zusätzlichen Komfort und der jeweiligen Werkstatt mehr Frequenz”, ist von dem künftigen Servicebaustein Michael Eckert überzeugt. Damit soll es gelingen, dass auch das Jahr 2025 für Re-Tire ein ebenso ereignis- wie erfolgreiches wird. 

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