Benjamin, erzähle uns doch bitte einmal in aller Kürze, welche Services ihr als CO2Opt GmbH anbietet.
Benjamin Bartsch: CO2Opt hat sich auf die Fahne geschrieben, das Reifmanagement zu revolutionieren und Flotten eine Plattform an die Hand zu geben, womit diese ihr Reifenmanagement besser, kostenoptimierter und vor allen Dingen natürlich auch nachhaltiger umsetzen können. Mit unserer neutralen Lösung bedienen wir die Nachfrage verschiedener Akteure, die ein Stück weit darauf gewartet haben, dass es eine zentrale Plattform gibt, mit der man Daten austauschen kann und die es Nutzern am Ende ganz einfach ermöglicht zu sehen, was passieren muss, um wirklich Einsparungen zu erzielen. Letztendlich welchen Reifen muss ich wann an welches Fahrzeug bringen.
Wie sähen die ersten Schritte einer Zusammenarbeit aus?
Benjamin Bartsch: „Schritte” ist tatsächlich schon eine gute Überleitung, denn wir sagen immer, dass wir die richtigen Schuhe für den richtigen Einsatz suchen: High Heels am Strand und Flipflops am Matterhorn machen keinen Sinn. Und genau mit diesem Bild treten wir auch Flotten gegenüber auf und versuchen so ins Gespräch zu kommen. Wir schauen uns dann die Daten – egal ob Telematik, Werkstattberichte oder sonstiges – , die viele Flotten ja ohnehin schon haben, einmal genau an und identifizieren den jeweiligen Bedarf. Und dann machen wir einen Fahrplan nach dem Erstgespräch und zeigen auf, wie wir mit unserer Lösung zu Kostenoptimierungen und zu CO2-Einsparungen kommen.
Gibt es eine Art Mindestgröße, die ein Fuhrpark haben muss, dass man sagt, es ergibt Sinn, mit euch zusammenzuarbeiten?
Benjamin Bartsch: Ich spreche in diesem Zusammenhang immer gerne von Kennzeichen, weil sowohl Trailer als auch Lkw für uns einzelne Einheiten sind. Wir sagen, ab 50 Kennzeichen wird es ein bisschen unübersichtlicher für den Fuhrparkmanager und der Hebel für Einsparungen wird größer.
Wie sind denn die vertraglichen Rahmenbedingungen geregelt? Beim Thema Reifenmanagement sind ja verschiedene Parteien beteiligt.
Benjamin Bartsch: Ja genau, das ist ganz wichtig. Wir ersetzen da nicht irgendwie eine Partei in so einem Konstrukt zwischen Händler und Flotte oder zwischen Händler, Flotte und Industrie. Da wollen wir gar nicht dazwischen funken, auch wenn wir das könnten. Wir können unsere Leistung auch in diesem Rahmen erbringen und Möglichkeiten zur Optimierung aufzeigen. Zudem schaffen wir Transparenz für alle Beteiligten und ermöglichen effizientere Prozesse, da man sich nur noch um die Fahrzeuge kümmert, bei denen es auch sinnvoll ist. Ein Vertrag existiert dann immer zwischen der jeweiligen Flotte und uns.
Wie ist sichergestellt, dass ihr die für eure Auswertungen notwendigen Daten bekommt?
Benjamin Bartsch: Das hat uns vor allem am Anfang lange beschäftigt: Wie kriegen wir am einfachsten diese Informationen von den beteiligten Firmen, Personen und Telematik-Dienstleistern bestmöglich in unsere Software integriert. Das läuft mittlerweile ganz einfach über Schnittstellen respektive entsprechende Freigaben. Auch hier setzen wir auf möglichst einfache Konzepte für unsere Kunden und wir kümmern uns dann auch um die Datenqualität und die Auswertung. Der Kunde muss sich selbst nur darum kümmern, die Empfehlungen auch umzusetzen. Und selbst hier haben wir mittlerweile Partner, die bei der Umsetzung unserer Empfehlungen unterstützen.
Eure Anwendungen sind teilweise auch KI-basiert. Welche Rolle übernimmt die KI genau?
Benjamin Bartsch: Künstliche Intelligenz hilft uns dabei, die riesigen Datenmengen, die wir haben, strukturiert und sinnvoll zu verarbeiten und tatsächlich auch gewisse Datenlücken zu füllen. Wir haben zum Beispiel weit über 5.000 Reifenprodukte bei uns in der Datenbank, haben aber noch nicht zu allen eine ausreichende Datentiefe aus der Praxis. Hier kann uns die KI unterstützen. In den nächsten Wochen wird KI aber noch viel stärker bei uns sichtbar, weil wir sie als Assistenz im Bereich User Experience einsetzen.
Ihr versteht euch als IT-Unternehmen. Wie seid ihr denn als solches beim Thema Datenschutz und Cybersicherheit aufgestellt?
Benjamin Bartsch: Das Gute ist tatsächlich, wenn man mit einem eigenen Unternehmen startet, dass man dann mit einer grünen Wiese anfängt. Unsere Struktur können wir selbst aufbauen und direkt die neuesten Technologien nutzen, um die Datensicherheit zu gewährleisten. Bezüglich der Verträge zur Datenverarbeitung haben wir uns natürlich auch von Anwälten beraten lassen und dafür durchaus auch einiges an Geld ausgegeben. Intern sind unsere Prozesse so, dass wir viel anonymisieren und pseudonymisieren, sodass sogar nur unser wirklich notwendiges Team alle Daten sehen kann. Außerdem verarbeiten wir keine personenbezogenen Daten.
Kurzer Themenwechsel zum Aufhänger unseres Podcasts. Wir haben uns ja bei der AZuR-Partnertagung kennengelernt. Seit wann seid ihr denn bei AZuR mit an Bord und warum engagiert ihr euch?
Benjamin Bartsch: Wir haben AZuR schon in den ersten Tagen nach unserer Gründung kennengelernt, mussten da aber unser Geld noch sehr zusammenhalten und haben erstmals von einem Beitritt abgesehen. Ende letzten Jahres hat es dann aber geklappt, weil sich sowohl bei uns als auch bei AZuR einiges getan hat. Mittlerweile gibt es nämlich ein spezielles Programm für junge Unternehmen, um auch ihnen eine Teilnahme zu ermöglichen. Und der Austausch mit anderen Akteuren innerhalb der Allianz ist einfach sehr motivierend, auch wenn die Marktsituation manchmal nicht ganz einfach ist. Ein gutes Beispiel ist die Runderneuerung, die stark zu kämpfen hat. Auch wir wollen da einen Beitrag leisten, denn die Umweltbilanz spricht klar für solche Produkte.
Wie ist denn eure Erfahrung mit dem Thema? Müsst ihr dafür sehr werben oder in gewisser Weise auch Aufklärungsarbeit leisten?
Benjamin Bartsch: In Teilen schon. Letztendlich ist der Runderneuerungsanteil bei unseren Kunden nicht besonders hoch. Das heißt, auch unsere Datengrundlage, was Runderneuerte betrifft, ist immer noch ausbaufähig. Es kann doch nicht sein, dass die Anzahl runderneuerter Reifen unter unseren getrackten Reifen im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegt. Wir müssen da einfach noch viel aktiver vorgehen und das Ganze auch besser in unsere Berechnungsgrundlagen einbeziehen, um so gegen Stereotype vorgehen zu können. Indem wir zum Beispiel zeigen, dass umweltfreundliches Agieren nicht unbedingt Geld kosten muss, sondern unter Umständen sogar Geld bringen und vielleicht sogar in einen Wettbewerbsvorteil münden kann. Das ist tatsächlich immer unser Credo: Mit uns kann man Kosten und CO2-Emissionen einsparen. Das eine geht mit dem anderen einher. Und das sehen immer mehr auch die GmbHs, mit denen wir zusammenarbeiten, die natürlich alle gewinnorientiert arbeiten.
Mehr über die CO2Opt GmbH sowie ihre Lösungen & Services erfahrt ihr in der zugehörigen Podcast-Folge.
| Zum Unternehmen Die CO2Opt GmbH wurde 2021 von Frank Seeger und Benjamin Bartsch gegründet. Bartsch war lange Jahre für Continental tätig und bringt damit wie seine Kollegen Erfahrung aus der Nutzfahrzeugreifenindustrie sowie den Bereichen Künstliche Intelligenz und Big Data Analytics mit. Zum mittlerweile zwölfköpfigen CO2Opt-Team gehören überwiegend Entwickler, die weitgehend remote arbeiten. Die zentralen Büroräume der CO2Opt GmbH befinden sich in Hamburg. |