„Ein Europa mit einer geschlossenen Batterie-Wertschöpfungskette ist möglich”, ist sich Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland, sicher. Seine Überzeugung gründet sich auf die Resultate einer aktuellen T&E-Untersuchung. Diese zeigt, dass Europa durch konsequentes Recycling von Batteriemetallen ab dem Jahr 2030 bis zu einem Viertel des Bedarfs der europäischen E-Auto-Produktion decken könnte. „Zum Ende des Jahrzehnts könnten mit Materialien aus Altbatterien und den Abfällen großer Fabriken Batterien für bis zu 2,4 Millionen E-Autos gebaut werden”, heißt es in der T&E-Studie. Dabei gibt es bei einzelnen Materialien noch einmal deutliche Unterschiede hinsichtlich ihres Potenzials. So zeigt die Analyse, dass 2030 ein Viertel des benötigten Kobalts aus Recycling-Beständen stammen könnte. Die Quoten für Mangan (17 Prozent), Nickel (16 Prozent) und Lithium (14 Prozent) liegen etwas niedriger. Mit Blick auf das erwartete weitere Wachstum in diesem Bereich halten es die T&E-Experten für möglich, dass Europa sich 2040 nahezu autark mit Kobalt für die Herstellung von E-Autos versorgen wird.
„Die EU muss handeln”
Um dieses Szenario jedoch wahr werden zu lassen, ist laut Sebastian Brock ein entschlosseneres Vorgehen seitens der politisch Verantwortlichen nötig. „Die Krisen in der Automobilindustrie und bei Northvolt zeigen: Die EU muss endlich handeln. Durch Recycling können wir nicht nur unsere Abhängigkeit von kritischen Importen beenden, sondern auch eine Grundlage schaffen, um Millionen E-Autos nachhaltig in Europa zu bauen, um so unsere Industrie sicher für die Zukunft aufzustellen“, so der Geschäftsführer von T&E Deutschland.
Die gegenwärtige Situation ist nach Ansicht des Verbands keinesfalls zufriedenstellend: Fast die Hälfte der angekündigten Recyclingkapazitäten in der EU und dem Vereinigten Königreich seien in der Warteschleife oder stünden aus verschiedensten Gründen auf der Kippe. Die T&E-Verantwortlichen fordern daher bessere politische Rahmenbedingungen für Recyclingprojekte und gezielte Finanzierungsprogramme. Der bevorstehende EU-Vorschlag für ein Gesetz für die Kreislaufwirtschaft sollte zudem den Ausbau lokaler Recyclingfabriken unterstützen und gleichzeitig die Ausfuhr von Batterieabfällen einschränken. „Darüber hinaus muss die Wiederverwendung von Altbatteriematerialien innerhalb der EU vereinfacht werden, um den Aufbau einer wirklich europäischen Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen”, heißt es seitens des Verbands weiter.
Batterierecycling soll Schlüsseltechnologie werden
Im Rahmen der Untersuchung listet T&E weitere ökologische Vorteile des Recyclings auf. Durch eine forcierte Rückgewinnung von Batteriematerialien sinkt etwa der Bedarf an primären Erzen, was unmittelbare Auswirkungen auf weltweite Minenprojekte hat. Zwölf neue Minen – je vier für Lithium und Kobalt, drei für Nickel und eine für Mangan – könnten damit laut der Studie bis 2024 weltweit überflüssig und folglich gar nicht erst gebaut werden. Deren potenziell negative Auswirkungen auf Wasser, Boden und Artenvielfalt würden so verringert oder entstünden gar nicht.
Auch der CO2-Fußabdruck der Beschaffung von Lithium könnte durch entsprechende Recycling-Optionen in Europa gesenkt werden. Auf knapp ein Fünftel beziffert die T&E-Analyse das Einsparpotenzial gegenüber der Neumaterialgewinnung durch Extrahieren in Australien und Veredeln in China. Ein Grund hierfür ist das sauberere europäische Stromnetz.
Mit Blick auf dieses Potenzial appelliert Sebastian Bock an die zuständige Politik: „Es ist unverständlich, dass Batterierecycling nicht als Schlüsseltechnologie für die Zukunft der Branche behandelt wird. Stattdessen läuft die EU Gefahr, durch mangelnde Fördermaßnahmen und hohe Energiekosten, nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschaftliche Chance zu verspielen. Es braucht endlich eine klare Vision und gezielte Maßnahmen, um Europa hier an die Spitze zu bringen.“