Als im Jahr 1926 Hubert Vergölst gemeinsam mit Josef Kempen einen Vulkanisierbetrieb für die Laufflächenerneuerung von Reifen eröffnete, dachte der Unternehmensgründer wohl kaum an ein flächendeckendes Reifenhandelsnetzwerk. Der Eröffnung des Betrieb in Aachen folgte die Errichtung einer Produktionsstätte im benachbarten Belgien. Der Zweite Weltkrieg stellte die Vergölst-Geschichte erstmal wieder auf Null. Im zerstörten Nachkriegsdeutschland erfasste Hubert Vergölst aber wie so viele Unternehmer der Wille zum Wiederaufbau. Der Neuanfang erfolgte allerdings nicht im rheinischen Grenzgebiet, sondern bereits im Jahr 1945 mit dem Bau einer Produktion für runderneuerte Reifen im hessischen Steinfurth. In den Folgejahren wird Vergölst zur GmbH, zieht nach Bad Nauheim um und knüpft erste Kontakte zur Continental AG, die Vulkanisationsmaterial liefert. Über den Aufbau einer Vertriebsorganisation mit Servicestationen und einer Werksniederlassung in Frankfurt am Main erweitert sich der Wirkungskreis – Conti wirkt ab 1961 als stiller Teilhaber im Hintergrund. Zahlen aus den zurückliegenden Jahrzehnte illustrieren den Wachstumskurs: 1966 besteht das Vergölst-Netzwerk bereits aus 83 Niederlassungen und 35 Generalvertretungen, im Jahr 1976 nach Bekanntgabe der hundertprozentigen Beteiligung von Conti (1974) sind es 146 Fachbetriebe im gesamten Bundesgebiet.
Mit einem Franchisesystem lockt die Continental-Tochter ab 1988 nationale Reifenfachhandelsbetriebe in eine Vergölst-Partnerschaft. Heute zählt die Kooperationszentrale in Hannover über 330 Partnerbetriebe. Da aber auch andere industrienahe Fachhandelskooperation mit ihrem Expansionsdrang den Wettbewerb intensiviert haben, sieht man sich auch im Vergölst-Management zu Nachbesserungen im Konzept veranlasst. „Da sich die Anforderungen an die Branche und den Markt im Laufe der Zeit sehr verändert haben, wollten wir auch unser Franchise-Konzept danach ausrichten und haben es weitreichend überarbeitet. Die Weiterentwicklungen basieren maßgeblich auf den Feedbacks unserer Partnerbetriebe und ist daher als gemeinsames Konzept zu sehen“, teilt Emanuel Buddensiek als Head of Franchise mit. Kern des Partnerkonzepts soll ein System aufeinander abgestimmter Leistungsbausteine sein, das die Partnerunternehmen unabhängig von Betriebsgröße und Organisationsform bis ins Detail stärken soll.
Laut Emanuel Buddensiek ist es vor allem wichtig, dass die Partnerbetriebe selbstständig agieren. „Es geht darum, genau an den Stellen im Alltag unter die Arme zu greifen, für die in einem Werkstattbetrieb einfach keine Zeit bleibt. Damit möchten wir den bestmöglichen Support bieten, eine rechte Hand sein und unsere Partner dabei unterstützen, ihr Kerngeschäft einfach, nachhaltig und profitabel zu betreiben“, so Buddensiek. Auch andere Retailkonzepte der GRS (Goodyear) oder von Euromaster (Michelin) funktionieren nach dem Prinzip einzelner Bausteine. Mit den sich wandelnden Bedingungen im Reifenhandel wird dieses fortlaufend nachjustiert und erweitert. „Auch in Zukunft möchten wir nach Bedarf neue Module konzipieren, die unsere Partner optimal unterstützen. Das Konzept befindet sich sozusagen dauerhaft in der Evolution“, sagt Emanuel Buddensiek.
Das Vergölst-System unterscheidet sich nun – nach zuvor drei Bindungsstufen – in nur noch zwei: in die Netzwerkpartner und die Premium-Partner. Einige Module sind fester Bestandteil, weitere sind optional hinzubuchbar. Die aktuellen Module umfassen Einkauf, Marketing, Autoservice, Digitales, Flottengeschäft, Geschäftsentwicklung und Personal. Partnerbetriebe können darüber hinaus Trainings- und Beratungsangebote in Anspruch nehmen. „Das Konzept werden wir stetig weiterentwickeln. Insgesamt bewegt sich unser Angebot daher immer am Puls der Zeit und hilft gezielt dabei, sich mühelos auf die sich verändernden Marktbedingungen einzustellen. So möchten wir dazu beitragen, den langfristigen Erfolg unserer Partnerbetriebe zu sichern“, versichert Tim Schäfer, Team Lead Business Development Vergölst Franchise.
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