Herr Dropmann, auf der Automechanika 2024 hat BASF Coatings erstmals Lackprodukte vorgestellt, in denen aus Altreifen gewonnenes Pyrolyseöl verwendet wird. Können Sie den zugrundeliegenden Prozess einmal grob zusammenfassen?
Dennis Dropmann: Mithilfe des ChemCycling-Projekts von BASF werden aus Altreifen gewonnene recycelte Rohstoffe zur Herstellung zertifizierter Ccycled-Produkte verwendet, sodass diese nicht auf Mülldeponien oder Verbrennungsanlagen landen. Die recycelten Rohstoffe werden den für den Autoreparaturlackbereich zertifizierten Ccycled-Klarlacken nach einem Massenbilanzansatz zugerechnet.
Wie genau funktioniert dieser Massebilanzansatz?
Dennis Dropmann: Auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft setzt BASF am Anfang der Wertschöpfungskette zunehmend recycelte oder nachwachsende Rohstoffe als Alternativen zu fossilen Ressourcen ein. Die alternativen Rohstoffe werden den Kundenprodukten über den Massenbilanzansatz zugerechnet. Das massenbilanzierte Produkt hat die gleichen Eigenschaften wie das herkömmliche Produkt – mit einem entscheidenden Unterschied: Alternative statt fossiler Rohstoffe im Produktionsverbund und ein geringerer CO2-Fußabdruck als das konventionelle BASF-Produkt. REDcert² ist ein Zertifizierungssystem, das bestätigt, dass BASF die Mengen an fossilen Ressourcen, die für das verkaufte, biomassenbilanzierte Produkt benötigt werden, durch erneuerbare oder recycelte Rohstoffe ersetzt hat.
Die Nachfrage nach nachhaltigen Materialien wie Pyrolyseöl wächst. Sind die von Ihnen benötigten Mengen durch Partnerschaften wie die mit der Pyrum Innovations AG gedeckt?
Dennis Dropmann: Ja, BASF hat mit diversen Lieferanten langfristige Partnerschaften abgeschlossen, sodass die benötigten Liefermengen gedeckt sind.
Wirkt sich das Pyrolyseöl auch auf die Eigenschaften des finalen Produkts aus?
Dennis Dropmann: Es handelt sich um eine Drop-In-Lösung, was bedeutet, dass dies keine Auswirkung auf Qualität und Performance des Produktes hat.
Lässt sich denn ungefähr beziffern, wie ergiebig die Altreifen sind?
Dennis Dropmann: Fünf Liter unseres Klarlacks enthalten Pyrolyseöl aus etwa zwei Altreifen. Dadurch lassen sich die CO2-Emissionen um bis zu 40 Prozent reduzieren.
In welchen BASF-Lösungen kommt die Technologie bereits zum Einsatz?
Dennis Dropmann: Die Klarlacke Glasurit AraClass A-C-24 Eco Balance und R-M Race Finish-R eSense von BASF Coatings sind die ersten Autoreparaturlackprodukte, die diese Technologie nutzen und sowohl Vorteile für die Lackierbetriebe als auch für die Umwelt mit sich bringen. BASF Coatings hat bereits mehr als 250 Produkte im Markt, die auf dem Biomassenbilanzansatz beruhen – insbesondere im Autoreparaturlackbereich. Aber auch im Autoserienlackgeschäft kommt dieser Ansatz beispielsweise im Bereich der Trendfarben zum Einsatz.
Wie fällt das bisherige Feedback des Marktes und Ihrer Kundschaft aus?
Dennis Dropmann: Wir sehen eine verstärkte Nachfrage unserer Kunden nach Produktlösungen, die den Reparaturprozess effizienter und nachhaltiger gestalten. Vor allem bei der steigenden Anzahl von Elektro- oder Hybridfahrzeugen sind schnelltrocknende Lacke gefragt, da sich niedrigere Trocknungstemperaturen nicht nachteilig auf die Batterie auswirken.
Welche sonstigen Nutzungsmöglichkeiten sehen Sie perspektivisch bzw. arbeiten Sie bereits an weiteren entsprechenden Produkten?
Dennis Dropmann: BASF Coatings setzt ihren strategischen Fahrplan für eine nachhaltige Entwicklung konsequent fort und erweitert ihr Geschäft mit biomassenbilanzierten Produkten. Nach erfolgreicher Einführung in Europa und Asien werden erste Produkte aus dem Reparaturlackbereich in diesem Jahr in Nordamerika eingeführt. Diese Produkte tragen nicht nur zur Kreislaufwirtschaft bei, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen. Damit positioniert sich BASF Coatings weiterhin an der Spitze der nachhaltigen Transformation in der Coatings-Industrie.
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