Um eine Milliarde Euro will Yokohama seinen globalen Umsatz bis zum Jahr 2026 steigern. Ein ehrgeiziges Ziel, das durch eine Reihe komplementärer Maßnahmen realisiert werden soll, die im aktuellen Management-Plan detailliert festgehalten sind. Die jüngste Veranstaltung im Winterfahrpark Lungau im österreichischen Thomatal nutzten die Verantwortlichen, um die Rolle der europäischen Geschäfte im Zuge der Wachstumsbestrebungen zu präzisieren. Dass Europa auch für die Japaner ein überaus wichtiger Markt ist, wurde dabei deutlich.
Seine hiesigen Umsätze konnte Yokohama von 90 Milliarden Yen (ca. 568,3 Millionen Euro) im Jahr 2020 auf rund 170 Milliarden Yen (ca. 1,07 Milliarden Euro) im Jahr 2023 nahezu verdoppeln. Bis 2026 soll die Marke von 300 Milliarden Yen (ca. 1,9 Milliarden Euro) erreicht werden. Damit würde auch für diese Region ein sogenanntes „Hockeyschläger-Wachstum" realisiert. Als Grundlage dieser ambitionierten Pläne hat das Yokohama-Management vier Säulen definiert: Neben einem produktseitigen Fokus auf Reifen ab 18 Zoll aufwärts stehen weitere OE-Partnerschaften auf der mittelfristigen Konzern-Agenda. Flankierende Marketing-Aktivitäten sowie das umfangreiche Motorsportengagement runden die Strategie ab. Als übergeordnetes Ziel streben zudem auch die Japaner ein eigenes Werk in Europa an. Bevor es in Österreich auf die Piste ging, erläuterten die Verantwortlichen, wo sie bei den einzelnen Punkten ansetzen wollen.
Motorsport und Marketing
Strategische Einblicke in die gegenwärtigen Marketingaktivitäten gab etwa Emanuele Mussini. So ist Yokohama seit kurzem erster offizieller Reifenpartner der ATP-Tour und sponsert zudem ausgewählte Turniere der Tennis-Serie. Mussini zufolge erreicht der Reifenhersteller damit genau die „High-End-Kundschaft”, die im Zuge der strategischen Ausrichtung als Kern-Zielgruppe auserkoren wurde. Die Namen weiterer potenter ATP-Unterstützer – darunter etwa Rolex, Lacoste und Lexus – verdeutlichen den entsprechenden Fokus der Turnierserie.
Zu den weiteren Maßnahmen auf Marketingseite gehört ferner eine neue Unternehmenswebseite, die in der zweiten Hälfte des Jahres an den Start gehen soll. Bereits erfolgt ist die Zusammenführung und Vereinheitlichung der meisten Social-Media-Kanäle. „Wir setzen dabei auf Qualität und organisches Wachstum”, teilte Emanuele Mussini mit. Seinen Ausführungen zufolge soll auch die Yokohama-Präsenz rund um den Nürburgring zunehmen, um in einem maximal herausfordernden Umfeld die Qualität der eigenen Produkte unter Beweis zu stellen. All das soll dazu beitragen, „in Bezug auf die Markenbekanntheit aufzuholen”, bekräftigte Europa-Chef Giovanni Angelo Ponzoni im Gespräch mit Automotive Insights.
Auf diese strategischen Überlegungen und den Fokus auf Reifen ab 18 Zoll aufwärts ging auch Alessio Ercole, Head of Marketing von Yokohama Europe, in seinen Erläuterungen ein. Demnach habe sich der High-Value-Markt in den letzten Jahren als „besonders resilient” erwiesen und Yokohama konnte sein Verkaufsvolumen bei Reifen ab 19 Zoll und größer seit 2021 um 390 Prozent steigern. Um diese Entwicklung weiter zu fördern, haben die Japaner ihre Advan-Serie mit dem Winter V907 nun erstmals um einen Spezialisten für die kalte Jahreszeit ergänzt.
Neuheit Advan Winter V907
Der Hauptakteur des Fahrevents in Österreich rollt in Kürze in 40 Abmessungen von 19 bis 22 Zoll in den Ersatzmarkt. Die Zielgruppe sind vor allem Premium-SUV und hochmotorisierte BEV von Marken wie Mercedes-Benz, BMW, Audi, Porsche, Land Rover und Tesla. Passend dazu konnte sich Yokohama für den Reifen bereits eine prestigeträchtige OE-Vereinbarung sichern: Mercedes hat den Advan Winter V907 als werkseitige Bereifung für das Modell AMG E 53 Hybrid 4Matic+ homologiert. Überzeugen soll die Ersatzmarkt-Neuheit dank ihrer V-förmigen Rillen sowie 3D-Lamellen insbesondere auf verschneiten Streckenabschnitten sowie in puncto Komfort.
Aktuell wird der Advan Winter V907 – wie auch alle übrigen OE-Reifen von Yokohama für den europäischen Markt – in Japan gefertigt. Mittelfristig soll sich das jedoch ändern, um die Präsenz im hiesigen Erstausrüstungsgeschäft zu verbreitern. Bislang ist der Reifenhersteller noch bewusst selektiv unterwegs, um die logistischen Herausforderungen der Belieferung europäischer Automobil-Standorte mit Produkten aus Japan managen zu können. „Wir haben einen klaren Plan für ein Werk in Europa. Dieses ist Teil der künftigen Reise von Yokohama”, erläuterte Gregorio Borgo, Officer, Consultant und Acting President der Yokohama Europe GmbH, gegenüber der Redaktion. Einen exakten Zeitplan dafür gibt es freilich noch nicht, der unbedingte Wille möglichst zügig entsprechende Updates vermelden zu können, war den Verantwortlichen im Gespräch jedoch anzumerken. Klar ist bislang zumindest: Wie nahezu alle neuen Produktionsstandorte der jüngeren Vergangenheit hat auch Yokohama für seine Fabrik ein osteuropäisches Land im Blick.