GDV-Untersuchung

Steigende Kfz-Ersatzteilpreise machen Reparaturen und Versicherungen teurer

WerkstattMit steigenden Ersatzteilpreisen werden auch Reparaturen teurer – mit unmittelbaren Folgen für Versicherer wie auch für Verbraucherinnen und Verbraucher.  Foto: Gorodenkoff - stock.adobe.com

In einer aktuellen Auswertung hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Preisentwicklung typischer Kfz-Ersatzteile in einem 12-Monats-Zeitraum analysiert – und dabei signifikante Verteuerungen festgestellt. Auf Basis der Schadenkalkulations-Datenbank von Audatex wurden 34 Fahrzeugmarken von Kleinwagen bis Oberklasse-Modellen untersucht. Für jedes Modell wurden bis zu zwanzig häufig benötigte Ersatzteile, die nach Unfällen ausgetauscht werden, bewertet. Mit einem Preisanstieg von rund 12 Prozent fiel der Zuwachs bei Kühlergrills und Stoßfängerquerträgern am stärksten aus. GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen ordnet ein: „Während die Inflationsrate in Deutschland zuletzt rückläufig war, erhöhen die Autohersteller weiterhin die Preise. Zwischen August 2023 und August 2024 sind die Preise im Schnitt um 6,2 Prozent gestiegen.” Damit setzt sich eine Tendenz fort, die beim Blick auf die vergangenen zehn Jahre noch klar ersichtlich wird: Kofferraumklappen und hintere Seitenwände sind heute doppelt so teuer und die Preise für Rückleuchten sind um 86 Prozent gestiegen. 

GDV Ersatzteilpreise
Die Preise für Kofferraumklappen und hintere Seitenwände haben sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Foto: GDV

Jenseits der höheren Preise, deren Folgen vor allem Verbraucherinnen und Verbraucher spüren, sieht Asmussen einen weiteren Punkt besonders kritisch: „Die Kosten für Pkw-Ersatzteile steigen rapide und sind weitgehend unabhängig von der allgemeinen Preisentwicklung. Während der Verbraucherpreis-Index seit 2014 um rund 28 Prozent zugenommen hat, erhöhten Autohersteller ihre Ersatzteilpreise durchschnittlich um fast 75 Prozent.” Begünstigt wird diese Konstellation nach GDV-Angaben durch ein „Quasi-Monopol der Autohersteller”. Der sogenannte Designschutz schließe neben dem Design von Fahrzeugen auch alle sichtbaren Karosserie-Ersatzteile wie Kotflügel, Motorhauben, Außenspiegel oder Türen mit ein. „Autofahrer und Werkstätten sind gezwungen, viele dieser Ersatzteile direkt vom Autohersteller zu kaufen – ein freier Wettbewerb existiert hier praktisch nicht“, bemängelt der GDV-Hauptgeschäftsführer. Auf absehbare Zeit wird sich daran auch nichts ändern: Die bestehenden Rechte der Autohersteller bleiben dem GDV zufolge bis 2045 erhalten, obwohl eine Gesetzesänderung den Designschutz reformieren soll.

Die gestiegenen Ersatzteilpreise belasten durch höhere Reparaturkosten darüber hinaus auch ganz unmittelbar Mitgliedsunternehmen des GDV. Betrug der durchschnittliche Sachschaden in der Kfz-Haftpflichtversicherung eines Pkw im Jahr 2013 noch 2.500 Euro, ist dieser Betrag zehn Jahre später auf rund 4.000 Euro gestiegen. Die unmittelbar daraus resultierenden Verluste der deutschen Kfz-Versicherer lagen im vergangenen Jahr laut GDV bei über drei Milliarden Euro. Für 2024 wird ein weiterer Verlust von rund zwei Milliarden Euro prognostiziert. Inwiefern sich diese Kostenentwicklung auf die Prämien der Kfz-Versicherung auswirkt, ist eine Entscheidung jedes einzelnen Versicherungsunternehmens. Jörg Asmussen macht Verbraucherinnen und Verbrauchern jedoch wenig Hoffnung: „Es besteht jedoch ein klarer Zusammenhang zwischen den steigenden Ersatzteilpreisen und den Versicherungsbeiträgen.“

GDV Statistik
Der GDV kritisiert bei den steigenden Kosten für Pkw-Ersatzteile vor allem die weitgehende Unabhängigkeit von der allgemeinen Preisentwicklung. Foto: GDV

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