EV After-Sales-Studie der Uscale GmbH

Auch Stromer beschäftigen Werkstätten – jedoch anders als Verbrenner

Software-Update AutoserviceSoftware-Updates sorgen laut der Uscale-Studie für einen höheren Aufwand in den Kfz-Servicebetrieben.  Foto: industrieblick - stock.adobe.com

„Viele Werkstätten haben die Sorge, dass Ihnen mit der Elektromobilität die Arbeit ausgeht. Diese Sorge scheint bis auf Weiteres unbegründet”, fasst Dr. Axel Sprenger, Gründer und Geschäftsführer der Uscale GmbH, die Ergebnisse der inzwischen dritten EV After-Sales-Studie zusammen. Die Umfrage aus dem vergangenen Dezember zeigt, dass die elektrischen Fahrzeuge (24 Prozent) deutlich häufiger aufgrund von technischen Defekten in einer Werkstatt zu Gast waren als Verbrenner des gleichen Alters (9 Prozent). Ein ähnliches Bild ergibt sich auch beim Blick auf Werkstattaufenthalte in den letzten 12 Monaten aufgrund eines Rückrufs: E-Autos liegen mit 19 Prozent weit vor Verbrennern (5 Prozent).  

Ein Feld, in dem die Stromer im positiven Sinne die Nase vorn haben, ist der Pannenservice. Während knapp jeder fünfte Verbrenner (19 Prozent) in den vergangenen 12 Monaten auf die Dienste von ADAC und Co. angewiesen war, war es bei den Stromern nur knapp jeder zehnte (11 Prozent). Für ihre aktuelle Studie haben die Uscale-Analysen 2.154 E-Auto-Fahrerinnen und -Fahrern zu ihren Fahrzeugen und ggf. notwendigen Werkstattbesuchen befragt. Diesen Ergebnissen wurden als Vergleichsgruppe die Antworten von 404 Fahrenden von Verbrennerfahrzeugen gegenübergestellt. Das Durchschnittsalter aller Fahrzeuge lag bei drei Jahren.

“Steigendes Qualitätsniveau” – bei E-Autos und Werkstätten

Einen differenzierten Blick erlaubt die Studie auch hinsichtlich des Umgangs mit Fahrzeugen der unterschiedlichen Antriebsarten in der Werkstatt selbst. Die Uscale-Verantwortlichen halten fest, dass die Servicebetriebe ihre „Fixed-Right-First-Time“-Quote – also den Anteil der Arbeiten, die wie geplant abgeschlossen wurden – von 81 auf 87 Prozent anheben konnten. Zugleich gab aber jeder fünfte E-Auto-Fahrende (19 Prozent) an, dass Reparaturen länger als erwartet gedauert hätten. Unter den Verbrennerfahrern lag dieser Anteil bei lediglich 6 Prozent. “Im Vergleich zu Benzin- und Diesel-Fahrzeug-Fahrern haben die E-Mobilisten mit ihrem Auto jedoch einen geringeren Inspektions- und Wartungsbedarf und auch Saison-Checks werden deutlich seltener nachgefragt. Ebenfalls deutlich sinkend ist der Bedarf an Verschleißreparaturen”, heißt es in einer Uscale-Mitteilung weiter.

Ungeachtet der Tatsache, dass Stromer öfter als Verbrenner wegen technischen Defekten oder Rückrufen eines Werkstattaufenthalts bedürfen, ist bei den E-Fahrzeugen in der EV After-Sales-Studie eine Entwicklung erkennbar. Der Anteil an Autos, die außerplanmäßig zu einer Reparatur in die Werkstatt mussten, ging gegenüber 2022 von 32 auf 24 Prozent zurück, bei Rückrufen sank der Wert von 23 auf 19 Prozent. “Langfristig ist damit zu rechnen, dass das Qualitätsniveau der Elektroautos weiter steigt und Werkstattbesuche zurückgehen“, konstatiert Dr. Axel Sprenger. Aktuell zeigen sich zudem deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Marken. Stromer von Skoda, Audi, Opel oder auch Polestar machten offenbar häufiger Probleme als solche von Hersteller wie Mercedes, BMW, Nissan und Renault.

E-Auto-Kundschaft ist digitaler und datenfreigiebiger 

Als einen immer wichtigeren Bereich für Werkstätten identifiziert die Uscale-Studie zudem den Bereich Software und Digitales. Die Experten sehen durchaus Profilierungschancen, registrieren allerdings auch einen bereits jetzt hohen Aufwand. Dieser entsteht vor allem durch Software-Updates, die bei Stromern inzwischen weit verbreitet sind. 85 Prozent der E-Mobilisten hatten bereits Updates in ihrem Fahrzeug, unter den Verbrennerfahrern war es nur jeder Zweite (51 Prozent). Für die Mehrheit der Stromer zieht ein Update einen Werkstattaufenthalt nach sich (63 Prozent), bei immerhin 37 Prozent der Befragten erfolgt die Maßnahmen over-the-air. “Alle Marken außer Polestar und Tesla haben großen Handlungsbedarf”, schreiben die Uscale-Experten mit Blick auf diese Verteilung. 

Des Weiteren heißt es seitens des Marktforschungsunternehmens: “Im Vergleich zu Verbrennerfahrern sehen EV-Nutzende in Software-Updates grundsätzlich einen hohen Mehrwert, sind neuen digitalen Angeboten gegenüber aufgeschlossen und wünschen sich zusätzliche Services.” Das spiegelt sich deutlich in der Art der präferierten Kontaktaufnahme wider. 61 Prozent der E-Auto-Fahrenden würden bevorzugt über einen digitalen Weg Kontakt mit der Werkstatt aufnehmen, unter den Verbrennerfahrern sind dies nur 44 Prozent. „Nicht nur die Fahrzeuge werden digitaler werden, sondern auch die Kunden. E-Auto-Fahrende bevorzugen digitale Kontaktwege und sie sind bereit, umfassend Daten aus ihren Fahrzeugen mit der Werkstatt zu teilen, wenn dadurch die Dienstleistung verbessert wird”, fasst Dr. Axel Sprenger zusammen. “Hier liegt auch eine große Chance für die Werkstätten.“

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