Conradi+Kaiser im Porträt

Ideenreichtum und Pioniergeist im Reifenrecycling

Kleinmaischeid_Conradi_KaiserIm Herzen des Westerwaldes befindet sich der Firmenstandort des Recyclingunternehmens Conradi+Kaiser – über die Bordsteinrampen des Unternehmens fährt der Besucher bereits bei Ankunft.   Foto: Kay Lehmkuhl

Spielplatzgeräte und Exterior-Design-Elemente aus Edelstahl – Conradi+Kaiser fertigt im Herzen des Westerwaldes Gummiformteile und Lösungen für die private und öffentliche Außenbereichs-Gestaltung. Als Unternehmen, das aus Altreifen gewonnenes Gummigranulat seit über dreißig Jahren zu neuer Blüte führt, agiert Conradi+Kaiser im Sinne des Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Mehrere hunderttausend Tonnen Altreifen sammeln sich jährlich alleine in Deutschland an. Verbrennung und illegale Entsorgung tragen erheblich zur negativen Umweltbilanz des für die Mobilität so wichtigen Produktes Reifen bei. Die Wiederverwertung ist für zahlreiche mittelständische Unternehmen ein zukunftssicheres Betätigungsfeld – Reifen sind auf Sicht nicht zu substituieren. 

Die Anwendungsbereiche der Lösungen der bald 40-jährigen Unternehmensgeschichte von Conradi+Kaiser dokumentieren den besonderen Einfallsreichtum und den Pioniergeist der Unternehmensgründer Udo Conradi und Gerhard Kaiser. Noch ein dritter Name spielt in der Ursprungsidee der Wiederverwertung von Altreifen eine zentrale Rolle: Der Rennfahrer Karl Henseler. Als dieser zu Beginn der 80er Jahre in seiner Garage seine Reifenprofile für Motorräder schnitt, entstand die Idee, diese Schnittreste als Grundlage neuer Produkte zu nutzen. Henseler war überzeugt, dass die Elastizität und Widerstandsfähigkeit von Reifen in zerlegter Form ein Ursprungsmaterial für neue Einsatzmöglichkeiten sein kann. Die Freunde Udo Conradi und Gerhard Kaiser griffen diese Idee auf und legten den Grundstein für die heutige Produktion, indem sie Gummigranulat durch Verkleben und gleichzeitiges Pressen miteinander verbanden: Die Geburtsstunde der ersten Conradi+Kaiser-„Gummiplatte“. Bis heute ist diese Grundidee und Weiterverwertung des Rohstoffs Gummigranulat die Basis des unternehmerischen Handelns von Conradi+Kaiser. 

Daniel Müller-Bosch
Repräsentiert die neue Generation in der Conradi+Kaiser-Geschäftsführung: Daniel Müller-Bosch. Foto: Kay Lehmkuhl

Aus dem aus Altreifen gewonnenen Ausgangs-Rohstoff fertigt das Unternehmen heute eine breite Palette an Produkten für viele Bereiche des täglichen Lebens – unter anderem Bodensysteme und Gestaltungselemente. Der aktuelle Geschäftsführer Daniel Müller-Bosch sieht in der Wiederverwertung von im Reifen verbauten Materialien und Komponenten – insbesondere der Herstellung von Produkten aus Gummigranulat – einen quasi unerschöpflichen Anwendungsraum. Im Gründungsjahr 1987 werden am Standort in Kleinmaischeid zunächst Lösungen für den kommunalen Außenbereich hergestellt. Den Ideenreichtum von Gerhard Kaiser dokumentieren bereits in der Anfangszeit zahlreiche Erfindungen und Patente. Er und sein Geschäftspartner Udo Conradi übersetzen diese Innovationshaltung in einen wirtschaftlich vielversprechenden Unternehmensstart. Bereits 1993 verlässt Conradi zwar das Unternehmen, der Wiederverwertungsmotor läuft da aber bereits so hochtourig, dass der Kleinbetrieb in den Mittelstand vordringt. Auch der Tod von Gerhard Kaiser bremst die Entwicklung nicht – sein Sohn Klaus übernimmt die Geschäftsführung.

Klaus Kaiser stieg bereits 1988 ins väterliche Unternehmen ein, er führt die von Gerhard Kaiser und Udo Conradi geprägte Innovationskraft weiter. Zunächst als Allrounder durchläuft er in den Anfängen von Conradi+Kaiser alle Bereiche des Unternehmens, von der Produktion und Verladung bis hin zum Vertrieb und Buchhaltung. Unter seiner Verantwortung findet Conradi+Kaiser weltweit neue Kunden und erweitert sukzessiv das Produktportfolio und die Geschäftsfelder. Der Produktions- und der Verwaltungsbereich wächst. Klaus Kaiser integriert den Bereich Werkzeugbau, Stahlbau und setzt auch erstmals auf Marketing. 2006 wird er dafür mit dem Großen Preis des Mittelstandes ausgezeichnet. Im Jahr 2019 verstirbt er, viel zu früh. 

Gummi-Granulat
Die Grundsubstanz des Conradi+Kaiser-Erfolges: Gummigranulat. Foto: Conrdai+Kaiser

Daniel Müller-Bosch investiert in die Zukunft des Traditionsbetriebes. Rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt Conradi+Kaiser im Jahr 2025. Der Fachkräftemangel beschäftigt auch Müller-Bosch. Er berichtet von Maßnahmen, die in den unterschiedlichen Bereichen Verwaltung, Vertrieb und Produktion die Attraktivität als Arbeitgeber sichern. Mit der Erweiterung des digitalen Instrumentariums nennt er einen zentralen Baustein zur Erleichterung täglicher Prozesse und Optimierung der Arbeitsumgebung. Die Conradi+Kaiser-Führungsebene benennt die lokale Verwurzelung und Identität, aber auch den Produktionsstandort als weitere grundlegende Faktoren des Unternehmenserfolgs. Der Firmenstandort Kleinmaischeid liegt unmittelbar an der wichtigsten Nord-Süd-Achse. “Von unserem Firmensitz ist man genauso schnell in Dänemark wie in Südtirol. In ost/westlicher Richtung genauso schnell in Paris wie in Prag. Zwei große Containerhäfen in unmittelbarer Nähe sowie kurze Entfernungen zu den Flughäfen Frankfurt und Köln sind unschlagbarer Standortvorteil für uns und unsere Kunden”, wird von Seiten des Management formuliert. 

Objekte_Conradi+Kaiser
Fitness- und Spielplatzgeräte sind Produkte aus dem Firmenkatalog. Foto: Kay Lehmkuhl

Es ist nicht nur die Produktpalette – bestehend aus Bodensystemen für Wege, Plätze und Terrassen, elastischen Fallschutzböden für Kinderspielplätze, Stallmatten, Palisaden, Weg- und Beet-Einfassungen, Abdeckungen und Sockelleisten, Bordstein- und Überfahrrampen sowie dekorativen Outdoor-Vasen- und Lampen – die das verantwortliche und pfiffige Unternehmertum von Conradi+Kaiser ausdrückt, sondern auch die über beinahe 40 Jahre gelebte Firmenphilosophie. “Als gewachsenes und traditionelles Familienunternehmen sind wir uns der Verantwortung gegenüber unserer Region, der Gesellschaft, unseren Kunden, Partnern, Mitarbeitern und unserer Umwelt bewusst. Im Fokus unseres Handelns steht immer der Mensch! Langjährige Beziehungen zu unseren Lieferanten garantieren eine gleichbleibend hohe Qualität, Zuverlässigkeit und Liefertreue”, wird Automotive Insights aus dem Herzen des Westerwaldes verabschiedet. Ohne Zweifel: Als Hersteller von Recyclingprodukten aus Gummigranulat von Altreifen ist Conradi+Kaiser ein wichtiger Player der Kreislaufwirtschaft und des AZuR-Netzwerks

Ähnliche Artikel

Pascal Klein Pyrum
10.09.2024, 09:30 8 Min.
Mehr Kreislaufwirtschaft wagen
Abfallrecycling à la Pyrum
Gastgeber des diesjährigen AZuR-Partnertreffens (v.l.n.r.): Dr. Malte Wohlfahrt (R&D Director), Marjolein Groeneweg (Global Marketing & Sustainability Director) und Yves Eibeck (Geschäftsführer) von Synthos.
24.03.2025, 11:30 4 Min.
Vereintes Wirken für mehr Nachhaltigkeit
5. AZuR-Partnertagung mit Rekordbeteiligung
azur-pm-2-25-starklar-bild-1 2
20.01.2025, 12:02 3 Min.
Fünf neue AZuR-Partner vorgestellt
Kreislaufwirtschaft
Pascal Klein
22.08.2024, 10:43 1 Min.
Wie bei Pyrum aus Altreifen wieder neue Produkte werden
CEO Pascal Klein im Podcast-Interview