„Auf einem guten Weg“ sieht Nikolai Setzer, Vorstandsvorsitzender der Continental AG, das Unternehmen, „wir sind besser geworden“, konstatiert der scheidende Finanzvorstand Olaf Schick. Und das, so die einhellige Einschätzung der Verantwortlichen, obwohl 2024 ein herausforderndes, gesamtwirtschaftlich schwaches Jahr gewesen sei. Bei der Continental-Jahrespressekonferenz versuchten sich die beiden Führungspersönlichkeiten an einer positiven Bilanzierung des vergangenen Geschäftsjahres, ohne dabei die Anstrengungen zu verschweigen, die für dieses Ergebnis vonnöten waren und die auch in Zukunft bleiben werden. Während der für das Unternehmen wichtige europäische Automobilmarkt um etwa 5 Prozent zurückgegangen sei, habe man die richtigen Maßnahmen eingeleitet und mit dem geplanten Spin-off von Automotive für die Neuaufstellung des Unternehmens erste Weichen gestellt. Der jüngst angekündigte weitere Stellenabbau fand dabei keine explizite Erwähnung, wohl aber der Plan, den Angestellten eine Erfolgsbeteiligung auszuzahlen. In welcher Höhe diese ausfallen wird, konnten die Verantwortlichen noch nicht beziffern. Doch auch die Aktionäre profitieren von den durch die Umstrukturierungen erzielten positiven Ergebnissen. Denn trotz gesunkener Umsätze habe man das Ziel für den Free Cashflow übertreffen können, der sich auf mehr als 1 Milliarde Euro belaufen habe. „Auf dieser Basis schlägt der Vorstand der Hauptversammlung eine Dividende in Höhe von 2 Euro und 50 Cents pro Aktie vor. Dies entspricht einer Ausschüttungssumme von rund 500 Millionen Euro. Damit liegen wir leicht über dem Ausschüttungskorridor, der bei rund 20 bis 40 Prozent vom Nettoergebnis liegt“, fasste Olaf Schick bei seiner Präsentation zusammen.
Diese Ausschüttung sei auch deswegen möglich, erklärte Schick weiter, da der Konzern bilanziell robust aufgestellt sei, mit einer Eigenkapitalquote von 40 Prozent und einem Liquiditätspolster von fast 8 Milliarden Euro zum Jahresende 2024. Darüber hinaus sei die Nettoverschuldung um gut 8 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro reduziert worden. „Unser Konzernumsatz lag 2024 bei 39,7 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von rund 4 Prozent“, so Schick weiter. Dieser Rückgang resultiere vor allem aus einem insbesondere in Europa schwachen Marktumfeld. Trotzdem konnte die bereinigte EBIT-Marge auf 6,8 Prozent gesteigert werden, wodurch in Summe ein bereinigtes operatives Ergebnis von 2,7 Milliarden Euro erzielt werden konnte; ein Plus von mehr als 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Daraus ergibt sich ein Nettoergebnis in Höhe von 1,2 Milliarden Euro.
Die Unternehmensbereiche Automotive und Tires hatten unterschiedlichen Einfluss auf diese Gesamtbilanz, doch beide sehen die Verantwortlichen in einer positiven Entwicklung, auch wenn in beiden Sparten die Umsätze jeweils zurückgegangen sind (Automotive -4,3 Prozent, Tires -0,7 Prozent). „Die bereinigte EBIT-Marge im Automotive-Bereich haben wir verbessert: auf 2,3 Prozent nach 2,0 Prozent im Vorjahr. Damit haben wir uns entgegen der Marktentwicklung weiter gesteigert. Das zeigt: Unsere Maßnahmen wirken“, erläutert Schick. Die angesprochenen Maßnahmen bestanden unter anderem in Einsparungen im Bereich der Verwaltung von mehr als 200 Millionen Euro (ab 2025 geplant: 400 Millionen Euro pro Jahr) und gesteigerter Effizienz im Bereich Forschung und Entwicklung. Hier möchte man auch in Zukunft noch weiter sparen – unter anderem durch den bereits erwähnten Personalabbau – und die Forschungs- und Entwicklungskosten bis 2027 so auf unter 10 Prozent des Umsatzes senken.
Währenddessen erzielte der Unternehmensbereich Tires einen Umsatz von 13,9 Milliarden (Vorjahr 14,0 Milliarden Euro). Die bereinigte EBIT-Marge lag dabei leicht über der des Vorjahres (13,5 Prozent) bei 13,7 Prozent. Verantwortlich dafür sei vor allem das „Geschäft mit Premium- und Winterreifen“ gewesen, erläutert Schick. Im Gegensatz gab es für ContiTech einen Umsatz- und Ergebnisrückgang zu vermelden: Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro, die bereinigte EBIT-Marge lag nur noch bei 6,2 Prozent (Vorjahr 6,7 Prozent). Auch für diese Geschäftseinheit hatten die Verantwortlichen jüngst drastische Maßnahmen wie etwa die Schließung ganzer Standorte verkündet.
Ausblick auf 2025
„Mit Rückenwind durch die Märkte rechnen wir auch in diesem Jahr nicht. Wir erwarten, dass die weltweite Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen etwa auf dem Niveau des Vorjahres von mehr als 89 Millionen Fahrzeugen liegen wird“, wagte Olaf Schick nach dem Blick in die jüngere Vergangenheit eine Aussicht in die Zukunft. Man rechne daher mit einem Konzernumsatz von rund 38 bis 41 Milliarden Euro bei einer bereinigten EBIT-Marge zwischen 6,5 und 7,5 Prozent und einem bereinigten Free Cashflow von 0,8 bis 1,2 Milliarden Euro. Für die einzelnen Unternehmensbereiche werden die Erwartungen wie folgt beziffert: Automotive-Umsatz 18 bis 20 Milliarden Euro (EBIT-Marge: 2,5 bis 4 Prozent), Tires-Umsatz 13,5 bis 14,5 Milliarden Euro (EBIT-Marge: 13,3 bis 14,3 Prozent), ContiTech-Umsatz 6,3 bis 6,8 Milliarden Euro (EBIT-Marge: 6 bis 7 Prozent). Olaf Schicks Fazit: „Wir erwarten trotz eines schwierigen Umfelds weitere Schritte nach vorn.“
Für das laufende Jahr steht also einiges an: Neben der geplanten Abspaltung von Automotive, die im zweiten Halbjahr vollzogen werden soll, strebt Continental einen Verkauf des ContiTech-Geschäftsfelds Original Equipment Solutions (OESL) an. Darüber hinaus bieten Weltpolitik und Wirtschaftslage einige Unwägbarkeiten, denen es zu begegnen gilt: „Als einer der größten Automärkte der Welt sind die USA für die globale Autoindustrie sehr wichtig – und damit auch für Continental. Wir beschäftigen dort mehr als 14.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In den vergangenen zehn Jahren haben wir mehr als 3 Milliarden Euro in den USA investiert“, sagt Nikolai Setzer. Jedoch könne man sich zu möglichen Auswirkungen der US-Zölle derzeit noch nicht detaillierter äußern. Auch nicht, was das für die zahlreichen Standorte im benachbarten Mexiko bedeutet. Man verfolge die aktuelle Entwicklung aufmerksam. Sicher ist Setzer sich aber: „Für den Industriestandort Europa ist es daher umso wichtiger, dass sich die EU langfristig für eine offene Handelsordnung einsetzt.“