Den Faktor Wirtschaftlichkeit bei der Reifenwahl haben wir bei Automotive Insights bereits in unterschiedlichen Formaten betrachtet. Auch bei unserem Redaktionsbesuch Mitte Februar bei Reifen Straub – Vertriebspartner für ambitionierte asiatische Marken wie Sailun und Linglong – ist der Komplex ein zentrales Thema. „Wir hatten immer schon ähnlich positionierte Marken im Portfolio. Der Start war in den 80er-Jahren mit Toyo und Yokohama”, berichtet Geschäftsführer Eugen Straub. Den Weg auf hierzulande noch wenig bekannte und bisweilen nicht unbedingt positiv assoziierte Marken zu setzen, bezeichnet der Senior-Chef rückblickend als „nicht den einfachsten.” Doch er habe sich gelohnt.
Das bestätigt auch Sohn Marc, der als inzwischen dritte Straub-Generation Teil der Geschäftsführung ist: „Mit unseren Exklusivmarken Momo, Sailun und Linglong sind wir inzwischen sehr gut aufgestellt. Der direkte Kontakt zu den Herstellern ist dabei für uns entscheidend.” Dass die entsprechenden Produkte neben ihrer preislichen Positionierung Kundinnen und Kunden auch in performanter Hinsicht überzeugen, sehen die Straub-Verantwortlichen durch die Rückmeldung zufriedener Partner bestätigt. Zu diesen zählt etwa das Autohaus Ott im schwäbischen Eberhardzell. „Wir kaufen bei Straub die Qualität, die unsere Kunden zu schätzen wissen und wir haben damit den Erfolg, die interessante Marge, die letztendlich – unter dem Strich – zählt”, betonen Hermann und Siegfried Ott. „Bei uns ist Sailun inzwischen komplett eingeführt.”
Die positive Entwicklung des Exklusivmarken-Geschäfts ist auch einer der Gründe, warum für 2025 ein Ausbau des Straub-Stammsitz in Kirchberg an der Iller auf der Agenda steht. „Die entsprechenden Pläne sind zu 80 Prozent abgeschlossen”, so Marc und Eugen Straub. In diesem Zuge will das Unternehmen auch verstärkt auf sogenannte „Kernmarken” setzen, zu denen etwa Nokian Tyres und Yokohama gehören. Mit der Erweiterung der Lagerkapazitäten soll auch das diesbezügliche Geschäft weiter vorangetrieben werden.
Groß- und Einzelhandel
Aktuell verfügt Reifen Straub als Vollsortimenter über Platz für rund 500.000 Reifen und 20.000 Räder. „Wir haben die gesamte Lagerlogistik und das zugehörige CRM selbst entwickelt", ist Marc Straub durchaus stolz. Inzwischen bildet das Unternehmen in den Logistik-Berufen auch selbst die Fachkräfte von morgen aus. Rund 75 Personen zählt die Straub-Belegschaft aktuell, die sich neben der Zentrale auf vier Filialen in Bad Schussenried, Biberach, Weingarten und Friedrichshafen verteilt. Während in Bad Schussenried – dem Ort des Firmenursprungs – die Lkw-Profis tätig sind, werden an den übrigen Standorten zum Teil auch Autoservice-Arbeiten durchgeführt.
Der unternehmerische Fokus liegt laut Marc Straub jedoch klar auf dem Reifen- und dem Großhandelsgeschäft. „In unseren Betrieben spielt auch die Einlagerung noch eine große Rolle, einfach weil Winterreifen in Süddeutschland und Österreich so wichtig sind”, so der Junior-Chef. Zentraler Baustein des Großhandelsgeschäfts ist neben dem eigenen B2B-Portal insbesondere die Lieferflotte, die insgesamt 40 Linien bedient. Diese Aufstellung wiederum wissen auch die Partner auf Industrieseite zu schätzen. „Für guten Service ist man als Reifenhersteller auf den Großhandel angewiesen”, ist Eugen Straub überzeugt.
RTS ist neuer RDKS-Lieferant
Mit Blick auf den Ausbau seiner Kernmarkenpartnerschaft kann Reifen Straub Anfang März bereits erste Erfolge kommunizieren. Die RTS Räder Technik Service GmbH fungiert künftig als RDKS-Lieferant. In der dadurch möglichen Bündelung des Reifen- und RDKS-Geschäfts sehen die Straub-Verantwortlichen eine weitere Verbesserung ihres Angebots im Sinne ihrer Kunden. Neben entsprechenden Sensoren umfasst das RTS-Portfolio auch ein Diagnose- und Programmiergerät. Wie es seitens Reifen Straub weiter heißt, hätten sich die Produkte bereits in einer internen Schulung mit Vertretern der eigenen Werkstatt-Filialen sowie Mitarbeitern aus dem Großhandel bewährt. Im Rahmen der Kernmarkenpartnerschaft soll das RTS-Angebot nun auch weiteren Straub-Partnern zugute kommen.