Die Pläne von BYD, Xpeng, Geely & Co.

Chinesische Automarken im Expansionsmodus

Mehr als 26.000 Neuzulassungen erreichte BYD laut den Daten des KBA im ersten Halbjahr 2026.  Foto: luca piccini basile – stock.adobe.com

Exakt 296.378 Pkw wurden im Juni 2026 laut KBA in Deutschland neu zugelassen. Davon entfielen 6.259 auf BYD, womit die Marke einen Marktanteil von 2,1 Prozent erreicht. Damit bewegt sich der chinesische Hersteller auf Augenhöhe mit etablierten Namen wie Fiat oder Toyota. Gegenüber potenziellen chinesischen Wettbewerbern hat BYD durch den Marktstart Ende 2022/Anfang 2023 einen klaren zeitlichen Vorsprung – und hat diesen entsprechend genutzt. Neben dem Ausbau der Modellpalette ist vor allem das Händlernetz des Unternehmens rasant gewachsen. Erst kürzlich konnte das Team um Network Director Kai Schröder den 200. Partner in Deutschland begrüßen: Künftig vertreibt auch die Autohausgruppe Wackenhut aus Nagold in Baden-Württemberg Fahrzeuge von BYD. „Mit BYD arbeiten wir mit einer Marke zusammen, welche die Entwicklung der Elektromobilität weltweit maßgeblich prägt und mit hoher Geschwindigkeit neue Technologien auf den Markt bringt. Das passt hervorragend zu unserem Anspruch, unseren Kunden zukunftsfähige Mobilitätslösungen anzubieten“, teilt deren Geschäftsführer Ernst-Jürgen Wackenhut zum Start der Zusammenarbeit mit. Parallel dazu forciert BYD zudem die Marktbearbeitung mit seiner Premiummarke Denza. Diese verfügt seit kurzem über erste eigene Vertriebsstandorte in den wichtigen Metropolregionen Hamburg, Köln und Frankfurt. 

Volker Gohl (l.) ist mit der Autohausgruppe Wackenhut der 200. Handelspartner von BYD in Deutschland – sehr zur Freude von Kai Schröder (Network Director BYD). Foto: BYD

Viel Bewegung aus dem Geely-Konzern 

Der Aufbau eines Händler- und Vertriebsnetzwerks ist für die meisten anderen durchaus ambitionierten Marken die zentrale Aufgabe der kommenden Wochen und Monate. Aktiv wurde in dieser Hinsicht zuletzt etwa die Marke Geely, die im Rahmen ihres Launch Events in Raunheim bei Frankfurt unter anderem die Modelle Starray EM-i und E5 vorstellte. Nach dem Start mit der Aachener Kohl Gruppe sind zwischenzeitlich weitere Handelspartner ans Netz gegangen bzw. haben entsprechende Verträge unterschrieben. Das Ziel von 50 Vertriebsstandorten bis Ende 2026 erscheint damit in Reichweite. Perspektivisch dürfte somit die Zahl neu zugelassener Geely-Fahrzeuge steigen, die sich im Juni noch auf überschaubare 189 Einheiten belief. Innerhalb des Geely-Konzerns bereiten ferner weitere Marken eine gezieltere Marktbearbeitung in Deutschland vor. So hat Lynk & Co neue Standorte eröffnet, während die ebenfalls zum Geely-Verbund gehörende Marke Zeekr im vierten Quartal mit dem Händlernetzaufbau beginnen will. Nachdem bislang der Direktvertrieb das Mittel der Wahl war, erfolgt nun eine Umstellung auf ein klassisches Händlermodell. Für den Monat Juni stehen 104 Zeekr-Neuzulassungen in der KBA-Statistik, bei Lynk & Co sind es 110. 

Auf 603 Einheiten im Juni kommt derweil die Marke Polestar, die ebenfalls Teil der Geely Holding ist. Der Polestar-Fokus dürfte sich mittelfristig noch mehr auf den europäischen und den deutschen Markt richten, da die Fahrzeuge ab Modelljahr 2027 nicht mehr in den USA verkauft werden dürfen. Ursächlich dafür ist der chinesische Marken-Hintergrund, der im Zuge der Connected Vehicle Rule zum Problem wird. Zuletzt konnte Polestar immerhin sein hiesiges Vertriebsnetz erweitern: Nach Dresden und Würzburg im Juni kamen ganz aktuell neue Standorte in Mannheim (Autohausgruppe Geisser) und Leipzig (Popp Fahrzeugbau GmbH) hinzu. „Die Nachfrage nach Polestar wächst und mit ihr unser Netzwerk. Mannheim und Leipzig sind die nächsten wichtigen Schritte auf unserem Weg zu einer noch stärkeren regionalen Präsenz in Deutschland”, sagt Jan Grindemann, Regional Managing Director Central Europe und Managing Director Polestar Deutschland.

Strebt mit Polestar „eine noch stärkere regionale Präsenz in Deutschland” an: Managing Director Jan Grindemann. Foto: Polestar

Auf- und Ausbau der Markenbekanntheit als wichtiger Hebel 

Besonders umtriebig zeigt sich weiter die Marke Xpeng. Der Hersteller verfügt bereits über diverse Handelspartner und brachte im Juni 922 Fahrzeuge auf die Straße. Insgesamt 3.357 sind es Stand Ende Juni, sodass noch etwas mehr als die Hälfte bis zum für 2026 ausgegebenen Ziel von 8.000 Neuzulassungen fehlt. Vertriebsseitig hat sich Xpeng kürzlich mit Christof Häßler verstärkt, der als Head of Sales den Ausbau des Händlernetzes vorantreiben soll. Parallel dazu setzt die Marke in puncto Marketing insbesondere auf das Format Sportsponsoring und kooperiert unter anderem mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband sowie den Fußballclubs FSV Mainz 05 und SK Sturm Graz aus Österreich.

In puncto Markenaufbau und Bekanntheit – insbesondere aufseiten von Verbraucherinnen und Verbrauchern – haben nahezu alle chinesischen Akteure noch Nachholbedarf. Das gilt etwa für die Chery Group, die mit ihrer Marke Chery im ersten Halbjahr 2027 in Deutschland starten will. In zentraler Rolle soll hierbei Patrick Reimers als Country Director of Chery Brand wirken. Mit Omoda und Jaecoo sind bereits zwei Konzernmarken im hiesigen Markt aktiv, mit 15 (Omoda) respektive 19 (Jaecoo) Neuzulassungen im Juni sind diese allerdings noch kaum in Erscheinung getreten. Letzteres gilt auch für die Marke Great Wall Motor (98 Zulassungen im Juni), während Leapmotor – befördert durch die Zusammenarbeit mit Stellantis – im Juni bereits auf 2.662 Neuzulassungen kam und damit einen Marktanteil von 0,5 Prozent erreichte. 

Im kommenden Jahr will dann auch Xiaomi in Deutschland starten. Der in Europa bislang vor allem durch Smartphones bekannte Konzern betreibt in München bereits ein Forschungs- und Entwicklungszentrum. Mit seinen Modellen dürfte Xiaomi laut verschiedenen Experten insbesondere Porsche und Tesla Konkurrenz machen. Neben der Bekanntheit wird es für den Geschäftserfolg aller genannten Marken stark um den Faktor Vertrauen gehen. Als mahnendes Beispiel dürfte der Fall Aiways dienen. Deren letzte Neuzulassung in Deutschland liegt bereits länger zurück und auch die Servicepartnerschaft mit ATU besteht nicht mehr. Nach einem zwischenzeitlichen Produktionsstopp in China wurde der Vertrieb im Mai laut verschiedenen Medienberichten „bis auf Weiteres” eingestellt. Stark eingeschränkt ist daher offenbar auch die Ersatzteilverfügbarkeit. Diese sicherzustellen, wird ebenfalls maßgeblich darüber mitentscheiden, welchen Akteuren es gelingt, in Deutschland und Europa Fuß zu fassen. 

Geely E5

Ähnliche Artikel

v.l.n.r.): Fabian Ulbrich, Christian Lochner, Felix Böhrer und Birk Pfennig
29.09.2025, 11:47 3 Min.
BYD Deutschland erweitert Führungsteam um vier Positionen
Personalien
Andreas Knipp quer
11.09.2025, 13:00 7 Min.
„BYD hat relativ unbefangen den Markt betreten“
Andreas Knipp zur Gründung des BYD Partnerverbands
BYD Autohaus Kummich
09.07.2025, 11:11 2 Min.
Autohaus Kummich wird BYD-Partner 
Elektromobilität
Mazda Verkäufer web
17.04.2025, 14:38 2 Min.
Mazda Motors Deutschland ehrt Top-Verkäufer des Jahres
Jährliches Event