Im Rahmen des Bauprojekts am Covestro-Standort Leverkusen soll eine Pilotanlage für das Recycling von Elastomeren aus Vulkollan entstehen. Dafür investiert der Konzern eigenen Angaben zufolge einen zweistelligen Millionenbetrag. Die Verantwortlichen kalkulieren bis zur technischen Fertigstellung mit einer Bauzeit von etwa einem Jahr. „Mit der erfolgreichen Hochskalierung dieses neuen Recyclingprozesses adressieren wir die Nachfrage unserer Kunden nach Lösungen für das Lebenszyklusende von Elastomeren und der Reduktion des CO2-Fußabdrucks bei gleichzeitiger Sicherstellung der hohen Qualität unserer Produkte", teilt Dr. Thomas Braig, Leiter der Geschäftseinheit Elastomere, mit.
Der neu entwickelte Prozess ermöglicht es laut Unternehmensangaben mehr als 90 Prozent des Altmaterials wie Gabelstaplerreifen zu recyceln und so den CO2-Fußabdruck gegenüber Neumaterial um bis zu zwei Drittel zu reduzieren. Auch andere Produkte aus Vulkollan wie Stoßelemente in Eisenbahnen sowie Schwingungskontrollelemente und Anschlagpuffer in Autos könnten in der neuen Anlage verwertet werden. Anders als etwa mechanische Recyclingmethoden zerlege die Lösung Altmaterial in seine chemischen Bausteine, um gereinigte Monomere zu erhalten. Über einen Massenbilanzansatz könnten diesen dann in neue Automobil-Anschlagpuffer und Gabelstaplerreifen wieder in den Produktzyklus re-integriert werden.
„Der neue chemische Recyclingprozess adressiert die außergewöhnlich hohen Anforderungen an Elastomermaterialien. Sie sind bekannt dafür, sehr widerstandsfähig und langlebig zu sein. Downcycling ist für diese Hochleistungsanwendungen keine Option", erklärt Markus Dugal, Leiter der Prozesstechnologie bei Covestro. In der Pilotanlage in Leverkusen soll der Prozess mit verschiedenen Abfallströmen und unterschiedlichen Altmaterialien getestet werden, um das Verfahren weiter zu verfeinern und über den Labormaßstab hinaus zu skalieren. Dr. Thomas Braig ergänzt: „Gleichzeitig ist diese Pilotanlage eine Einladung an Akteure entlang der Wertschöpfungskette, bei der Entwicklung eines zirkulären Aufbaus der Wertschöpfungskette zu kooperieren.”
Erfolgreiches Adnoc-Übernahmeangebot
Ende Oktober 2024 hatte die Adnoc International Germany Holding AG, eine hundertprozentige indirekte Tochtergesellschaft der XRG P.J.S.C, den Covestro-Aktionärinnen und -Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot unterbreitet. Vorstand und Aufsichtsrat der Covestro AG hatten dieses in einer gemeinsamen Stellungnahme unterstützt. Mit Ablauf der weiteren Annahmefrist am 16. Dezember 2024 wurden laut Adnoc-Angaben 172.591.806 Aktien von Covestro einbezogen. Damit ist das Unternehmen nun im Besitz eines 91,3-prozentigen Anteils.
„Die strategische Partnerschaft mit Adnoc ist für Covestro genau der richtige Schritt zur richtigen Zeit. Mit Adnoc bzw. XRG als starkem und langfristig ausgerichteten Partner werden wir in der Lage sein, unsere ‚Sustainable Future’ Strategie künftig noch konsequenter umzusetzen. Als Teil der XRG-Gruppe können wir nach Abschluss der Transaktion unsere laufende Transformation weiter beschleunigen“, ist der Covestro-Vorstandsvorsitzende Dr. Markus Steilemann überzeugt. Der entsprechende Vollzug steht wie üblich unter dem Vorbehalt fusionskontrollrechtlicher, außenwirtschaftsrechtlicher und EU-drittstaatensubventionsrechtlicher Freigaben und wird nicht vor der zweiten Hälfte des Jahres 2025 erwartet. XRG käme seinem Ziel, eines der fünf größten Chemieunternehmen weltweit zu werden, mit der Akquisition ein bedeutendes Stück näher.
Mitte des Jahres vollzieht Covestor ferner einen personellen Wechsel auf Führungsebene. Monique Buch wird die Nachfolge von Sucheta Govil als Chief Commercial Officer (CCO) antreten. Sucheta Govils zwei aufeinander folgende Amtszeiten enden am 31. Juli 2025, Monique Buch startet ihrerseits bereits zum 1. Juni. Als CCO verantwortet Buch das Segment Solutions & Specialties und leitet in dieser Funktion sechs Geschäftseinheiten einschließlich der Supply Chain Center in den drei Covestro-Hauptregionen. Die gebürtige Niederländerin hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert und war zuletzt als Executive Vice President Nonwoven bei der Lenzing AG tätig.