Das Thema RDKS auf The Tire Cologne

Nutzfahrzeugthematik dominiert die Messepräsenzen

Tire Stage The Tire Cologne 2024Die Diskussionsrunde zur anstehenden RDKS-Pflicht bei Nfz auf der Tire Stage war gut besucht.  Foto: Daniel Willrich

In Kürze greift sie, die aktualisierte Version der EU-Richtlinie ECE 2144/2019 (ECER141). Dahinter verbirgt sich die auch von uns bereits mehrfach thematisierte RDKS-Pflicht für Nutzfahrzeuge, die ein solches Tool – respektive ein äquivalentes Reifendruckfüll- oder Reifendruckregelsystem – für alle Vertreter der Fahrzeugklassen N1 bis N3, M2 und M3 sowie O3 und O4 vorschreibt. Für die Ausrüster ändert sich durch die veränderte Gesetzgebung nicht allzu viel. Unternehmen wie etwa TireCheck oder Schrader sind bereits versierte OE-Lieferanten für Lkw-Hersteller und entsprechend mit der Thematik vertraut. Auch Aftermarket-Spezialisten wie Alcar haben die neuen gesetzlichen Vorgaben im Blick, weshalb man sowohl in Bezug auf Sensoren als auch auf Diagnosegeräte vorbereitet ist. Überraschend scheint die neue Richtlinie derweil für einige Fuhrparks und Hersteller zu kommen. Das ist zumindest der Eindruck, der zu gewinnen ist, wenn man den Ausführungen von Michael Schwämmlein, BRV-Geschäftsführer Technik, zu der Thematik in den vergangenen Monaten gefolgt ist. Unserer Fachzeitschrift gegenüber konstatierte er bereits Anfang des Jahres: “Wenn überhaupt, erwarten wir hier leider erst verlässliche Infos ‘last minute’.”

Bis zur The Tire Cologne hat sich daran wenig getan, wie Schwämmlein bei der BRV-Versammlung im Vorfeld der Messe feststellte: “Der Informationsstand ist mangelhaft", so der BRV-Geschäftsführer Technik. Als Vertreter einer Branche, die rund 90 Prozent aller Reifenserviceleistungen im Nutzfahrzeugbereich erbringt, ist diese Situation für ihn umso bedauerlicher. Mit Blick auf die dürftigen Rückmeldungen seitens der Hersteller, warb Schwämmlein auch bei BRV-Mitgliedern um Unterstützung, falls diese im Rahmen ihrer Tätigkeit an relevante Informationen gelangen. 

Ausführlicher Austausch auf der Tire Stage

Über deutlich mehr Resonanz durfte sich hingegen eine seitens des BRV initiierte Diskussionsrunde im Rahmen der TTC freuen. Die voll besetzten Zuhörer-Bänke auf der Tire Stage am Messe-Dienstag verdeutlichten, dass der Informationsbedarf in der Branche – zumindest unter den Fachbesuchern der TTC – groß ist. Unter Moderation von Michael Schwämmlein erläuterten die RDKS-Experten der in Köln ausstellenden Unternehmen ihre Sicht auf die Thematik und gaben zudem Einblicke in die Leistungsportfolios ihrer Unternehmen. 

Über die Situation in der Erstausrüstung und die Vielzahl der dort verwendeten RDKS-Systeme sprachen etwa Christian Markert von TireCheck sowie Sebastian Przewloka von Schrader. Anschließend sprachen Vertriebsexperten wie Matthias Fröhlich (Ateq), Alexander Heinz (Bartec), Sven Müller (Alcar) und Olaf Petermann (RTS) über die Komplexität der Thematik im Aftermarket. Auch wenn sich die Reihen der Zuhörer mit zunehmender Dauer der Veranstaltung lichteten, dürften die kundigen Speaker auf der Bühne doch etwas mehr Klarheit in Bezug auf die anstehende RDKS-Pflicht bei Nutzfahrzeugen gesorgt haben. Gleichwohl blieben auch nach der Veranstaltung und auch nach der Messe insgesamt noch einige Punkte offen. 

Produktneuheiten für Nfz 

Produktseitig stehen Reifenservicebetrieben im Aftermarket bereits funktionsfähige Lösungen für den RDKS-Service bei Nutzfahrzeugen zur Verfügung. Universalsensoren finden sich etwa in den Katalogen von Alcar (Sensor HD) oder Hamaton (EU-Pro Truck 1.0), die beide auch auf der Messe vorgestellt wurden. Während diese beiden Nachrüstoptionen bereits seit längerem im Markt verfügbar sind, feierte das neueste Modell aus dem Hause BH Sens auf der TTC Premiere: Der neue Universalsensor UVS02HD-Hybrid soll mit seiner hohen Flexibilität punkten und kann daher sowohl mit einem Ventil als auch mit einem Textil-Gurtband montiert werden. Als Aftermarket-Marke von Sensata Technologies stellte Schrader im Rahmen der Messe eine Auswahl an OE-Ersatzsensoren für den Lkw-Bereich vor. RTS wiederum widmete seinem Portfolio für den Nfz-Bereich gleich einen eigenen Stand: Dort war eine Zugmaschine vom Typ Mercedes-Benz Actros zu sehen, anhand derer das Messeteam die mittels eine Gurtes im Felgenbett untergebrachte RTS-Universallösung erläuterte. „Der entscheidende Vorteil gegenüber den fest programmierten OE-Sensoren liegt in der dauerhaft freien Programmierbarkeit des Sensors”, betont Vertriebsleiter Olaf Petermann.

Sicherlich wird die Thematik nicht unmittelbar ab dem 7. Juli dieses Jahres – stellenweise wurde fälschlicherweise der 1. Juli als Starttermin genannt – ihre volle Wirkung entfalten. Bei den auf der TTC ausstellenden RDKS-Unternehmen herrscht vielfach die Erwartung vor, dass erst mit dem notwendigen Sensor-Austausch bei neu homologierten Fahrzeugeinheiten “schätzungsweise in 4 bis 5 Jahren” der Bedarf im Aftermarket steigt. Nichtsdestotrotz gilt für die überwiegende Mehrzahl der Unternehmen, was Steve Hodges, Marketing-Manager von Hamaton, wie folgt auf den Punkt brachte. “Wir sind absolut vorbereitet!”. 

Updates für den Pkw-Bereich

Darüber hinaus hatten die Aussteller auch ausgewählte Vertreter ihrer Pkw-Lösungen im Messe-Gepäck. Am Stand von Bartec Auto ID drehten sich etwa zahlreiche Gespräche um den neuen Profiltiefenmesser, den das Unternehmen als Ergänzung zu seinem Tech600-Gerät zur Messe gelauncht hat. Dieses wiederum lässt sich mittels eines HD-Updates ebenfalls für die schwere Fahrzeugklasse fit machen, der Profiltiefenmesser soll jedoch das Bartec-Angebot im Consumer-Bereich ergänzen. 

Wesentlicher Baustein des Schrader-Angebots für Pkw ist etwa die Serie EZ-sensor Go. Auf der TTC informierte das Unternehmen über das jüngste Update der Reihe, nach dem sich nun vier Sensoren gleichzeitig programmieren lassen. RTS hatte neben neuen Sensormodellen auch ein RDKS-Geräte-Update im Messegepäck, während bei Bartec – als Teil der RiteSensor-Reihe – sowie bei Alcar auch RDKS-Sensoren für Motorräder zu sehen waren. Letztere führt Alcar seit 2023 im Programm und folgt damit dem eigenen Anspruch, für fast alles was rollt und auf Rädern unterwegs ist, passende Aftermarket-Sensoren anbieten zu können. Große Relevanz haben ferner nach wie vor Sensoren mit BLE-Technologie (Bluetooth Low Energy). Entsprechende Produkte mit der vor allem bei Tesla-Modellen verbreiteten Funk-Option waren an diversen Messeständen Thema.

Wolfgang Keil Schrader
Bartec Rite-Sensor
Bartec Profiltiefenmesser
Hamaton RDKS

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